1 Überblick

 

Zusammenfassung

Erfasst werden unspezifische körperliche und psychische Beschwerden, die auf Umweltchemikalien zurückgeführt werden können. Das Instrument besteht aus drei Subskalen: (1) einer Skala mit Umweltsubstanzen, die von Betroffenen besonders häufig mit der Auslösung von Beschwerden in Zusammenhang gebracht werden, (2) einer Skala mit umweltbezogenen Beschwerden, sowie (3) einer Skala zu störungsbedingten Funktionsbeeinträchtigungen.

 

Zitierung

Bailer, J., Witthöft, M. & Rist, F. (2014). Idiopathische Umweltintoleranz Skalen (IUI-S). Zusammenstellung sozialwissenschaftlicher Items und Skalen. doi:10.6102/zis149

Titel: Idiopathische Umweltintoleranz Skalen (IUI-S)

Autor/in: Bailer, Witthöft, & Rist

In ZIS seit: 2006

Anzahl der Items: 50

Reliabilität: .85 bis .98

Validität: Hinweise auf die konvergente Validität

Konstrukt: Umweltintoleranz, Chemikalienüberempfindlichkeit, Multiple Chemische Sensitivität

Schlagwörter: Beschwerde, Umwelt

Sprache Dokumentation: deutsch

Sprache Items: deutsch

Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: nein

Entwicklungsstand: validiert

2 Instrument

 

Instruktion

Die IUI-Auslöser Checkliste (IUI-A):

Manche Menschen reagieren empfindlich auf Gerüche oder Chemikalien, die alltäglich in der Umwelt vorkommen. Im Folgenden finden Sie eine Liste von Substanzen, die bei empfindlichen Menschen zu Beschwerden führen könnten. Bitte geben Sie durch Ankreuzen der entsprechenden Ziffer an, wie stark Sie während der letzten 6 Monate auf den Kontakt mit der jeweiligen Substanz mit gesundheitlichen Beschwerden (z.B. Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Atmungsprobleme, Schwindel oder Magenprobleme) reagiert haben. Bitte beurteilen Sie ihre Reaktion auf jede der folgenden Substanzen.

Benutzen Sie folgende fünf Abstufungen:

0 = überhaupt nicht

1 = ein wenig

2 = ziemlich

3 = stark

4 = sehr stark.

Bei Substanzen, mit denen Sie keinen Kontakt hatten, kreuzen Sie "0" an.

 

Der IUI-Beschwerdenfragebogen (IUI-B):

Manche Menschen reagieren empfindlich auf Gerüche oder Chemikalien, die alltäglich in der Umwelt vorkommen. Im Folgenden finden Sie eine Liste bestimmter Beschwerden, die von empfindlichen Menschen als Reaktion auf den Kontakt mit chemischen Substanzen (z.B. Verkehrsabgase, Haushaltsreiniger, Farbgeruch, neue Kleider oder Möbel) berichtet werden.

Bitte geben Sie an, welche der folgenden Beschwerden bei Ihnen während der letzten 6 Monate vermutlich als Reaktion auf Umweltchemikalien auftraten. Lassen Sie bitte keine der nachfolgenden Beschwerden bei Ihrer Beurteilung aus. Bei Beschwerden, die nicht im Zusammenhang mit Chemikalienkontakt auftraten, kreuzen Sie „nein“ an.

 

Die IUI-Funktionsbeeinträchtigungsskala (IUI-F):

Bei Menschen, die empfindlich auf Gerüche oder Chemikalien reagieren, kann diese Empfindlichkeit negative Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Sollten Sie diese Empfindlichkeit ebenfalls aufweisen, dann beurteilen Sie bitte, inwieweit diese die nachfolgenden Bereiche Ihres Lebens negativ beeinflusst hat.

Bitte geben Sie an, in welchem Ausmaß die folgenden Aspekte Ihres Lebens aufgrund dieser Empfindlichkeit beeinträchtigt wurden. Benutzen Sie die folgenden 5 Abstufungen:

0 = überhaupt nicht

1 = ein wenig

2 = mittelmäßig

3 = stark

4 = sehr stark

Wenn bei Ihnen keine Empfindlichkeit oder keine Beeinträchtigung aufgrund dieser Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen oder Chemikalien vorliegt, dann kreuzen Sie bitte „0“ an.

 

Items

Skalen

-       Die IUI-Auslöser Checkliste (IUI-A)

-       Der IUI-Beschwerdenfragebogen (IUI-B)

-       Die IUI-Funktionsbeeinträchtigungsskala (IUI-F)

 

Nr.

 

Wie stark reagierten Sie auf folgende Substanzen mit Beschwerden?

Subskala

1

 

Autoabgase

UI-A

2

 

Bestimmte Parfüms

UI-A

3

 

Pestizide (chemische Schädlingsbekämpfungsmittel)

UI-A

4

 

Haushaltsreiniger

UI-A

5

 

Zigaretten- oder sonstiger Tabakrauch

UI-A

6

 

Neue Kleider

UI-A

7

 

Farbe oder Farbverdünner

UI-A

8

 

Neue Möbel oder Teppichböden

UI-A

9

 

Neue Tapeten

UI-A

10

 

Geruch von Ölfarben, Lacken oder Sprays

UI-A

11

 

Benzingeruch (z.B. beim Tanken an der Tankstelle)

UI-A

12

 

Haarsprays, Nagellack oder Nagellackentferner

UI-A

13

 

Elektrogeräte

UI-A

14

 

Zahnfüllungen aus Amalgam

UI-A

15

 

Frischer Teer oder Asphalt

UI-A

 

Nr.

 

Reagierten Sie während der letzten Zeit auf den Kontakt mit Umweltchemikalien mit folgenden Beschwerden?

Subskala

1

 

Trockene oder enge Nase

UI-B

2

 

Verstärkte Geruchsempfindung

UI-B

3

 

Muskel- oder Gelenkschmerzen

UI-B

4

 

Hautveränderungen

UI-B

5

 

Konzentrationsstörungen

UI-B

6

 

Gedächtnisprobleme

UI-B

7

 

Kopfschmerzen

UI-B

8

 

Müdigkeit

UI-B

9

 

Nervosität

UI-B

10

 

Mundtrockenheit

UI-B

11

 

Herzrasen

UI-B

12

 

Übelkeit

UI-B

13

 

Atemnot

UI-B

14

 

Schwindel

UI-B

15

 

Bauchschmerzen

UI-B

16

 

Sich desorientiert oder verwirrt fühlen

UI-B

17

 

Brennende oder entzündete Augen

UI-B

18

 

Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung

UI-B

19

 

Verschwommenes oder verzerrtes Sehen

UI-B

20

 

Laufende Nase

UI-B

 

Nr.

 

Wie stark reagierten Sie auf folgende Substanzen mit Beschwerden?

Subskala

1

 

Meine gesundheitliche Verfassung

UI-F

2

 

Meine berufliche oder schulische Leistungsfähigkeit

UI-F

3

 

Meine körperliche Leistungsfähigkeit

UI-F

4

 

Meine geistige Leistungsfähigkeit

UI-F

5

 

Mein Selbstwertgefühl

UI-F

6

 

Meine Fähigkeit, Alltagsprobleme zu bewältigen

UI-F

7

 

Mein allgemeines Wohlbefinden

UI-F

8

 

Meine Ehe / Partnerschaft

UI-F

9

 

Mein Familienleben

UI-F

10

 

Meine Freundschaften / Bekanntschaften

UI-F

11

 

Mein Sexualleben

UI-F

12

 

Meine Wohnsituation

UI-F

13

 

Meine Freizeit

UI-F

14

 

Meine finanzielle Situation

UI-F

15

 

Mein Vertrauen in Ärzte

UI-F

 

Antwortvorgaben

-       Die IUI-Auslöser Checkliste (IUI-A): 5-stufiges Antwortformat mit den Benennungen 0    =überhaupt nicht, 1=ein wenig, 2=mittelmäßig, 3    =stark, 4=sehr stark.

-       Der IUI-Beschwerdefragebogen (IUI-B): Dichotome Antwortkategorien ja vs. nein.

-       Die IUI-Funktionsbeeinträchtigungsskala (IUI-F): 5-stufiges Antwortformat mit den Benennungen 0    =überhaupt nicht, 1=ein wenig, 2=mittelmäßig, 3    =stark, 4=sehr stark.


Auswertungshinweise

Der Summenwert für die Subskala IUI-Auslöser (Wertebereich: 0 bis 60) liefert einen Indikator für das Ausmaß der selbstberichteten Chemikalien-Intoleranz, der für die Subskala IUI-Beschwerden (Wertebereich: 0 bis 20) einen Indikator für die Symptomschwere und der Summenwert für IUI-Funktionsbeeinträchtigungen einen Indikator für die Schwere der durch IUI verursachten Beeinträchtigungen (Wertebereich: 0 bis 60).

 

 

3 Theoretischer Hintergrund

 

Seit circa zwei Jahrzehnten führen Betroffene und Ärzte zunehmend eine Vielzahl unspezifischer körperlicher und psychischer Beschwerden ursächlich auf eine Exposition gegenüber Umweltchemikalien zurück. Je nach Art und Enge der Definition leiden zwischen 3% und 15% der Allgemeinbevölkerung in Deutschland, England und den USA unter einer derartigen selbstberichteten Chemikalienüberempfindlichkeit. Sie wird im englischsprachigen Raum als "Idiopathic Environmental Intolerance" (IEI) bezeichnet, im deutschsprachigen Raum als "idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeit" oder "idiopathische Umweltintoleranz" (IUI). Eine früher übliche Bezeichnung war "Multiple Chemische Sensitivität" (MCS).

Frauen und Personen mit Allergien sind von IUI häufiger betroffen als Männer und Nichtallergiker (vgl. Bailer et al., 2004a,b). Als typische Auslöser für Beschwerden nennen Betroffene beispielsweise den Kontakt mit Parfüms, Sprays, Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sowie den Geruch von frischen Farben, Farbverdünnern, Tabakrauch oder Verkehrsabgasen (Kiesswetter et al., 1999, Miller & Prihoda, 1999, Szarek et al., 1997). Teilweise entwickeln sie auch ausgeprägtes Vermeidungsverhalten gegenüber Umweltsubstanzen, die von der Mehrheit der Allgemeinbevölkerung ohne Gesundheitsbeschwerden toleriert werden. Es kann zu Einschränkungen der Lebensqualität sowie zu sozialen und beruflichen Funktionsbeeinträchtigungen und einer Veränderung der Lebensgewohnheiten (z.B. durch Diäten oder Schutzmaßnahmen) kommen.

Ätiologie und Pathogenese von IUI/MCS sind umstritten. Unklar ist insbesondere, ob idiopathische Umweltintoleranz eine eigenständige Krankheitsentität mit organischer bzw. toxischer Ätiologie ist, oder aber ein somatoformes Beschwerdebild mit primär psychischen Ursachen (Bailer et al., 2004b, 2005).

Zur Klärung der vielen noch offenen Forschungsfragen sind nicht nur verbindliche Diagnosekriterien erforderlich, sondern auch reliable und valide Erhebungsinstrumente zur Identifizierung und Klassifikation von Personen mit IUI/MCS. Allgemein anerkannte Diagnoserichtlinien existieren noch nicht, sondern nur mehrere unterschiedlich eng gefasste Falldefinitionen (Kreutzer, 2000; McKeown-Eyssen et al., 2001). Sie definieren IUI/MCS übereinstimmend als eine 1) chronische Störung, charakterisiert durch 2) selbstberichtete umweltbezogene Beschwerden, die 3) durch unterschiedliche, alltägliche, chemisch nicht verwandte Substanzen im Niedrig-Dosis-Bereich ausgelöst werden. Wir haben zur Erfassung dieser IUI-Fallkriterien ein spezielles klinisches strukturiertes Interview konstruiert (SI-IUI; Bailer et al. 2006b), das sich im Forschungskontext bislang bewährt hat.

Standardisierte Selbstbeurteilungsskalen sind eine weitere und häufig ökonomischere Möglichkeit, zentrale Merkmale des IUI-Syndroms reliabel und valide zu erfassen. Die hier dokumentierten IUI-Skalen wurden von uns für diesen Zweck konzipiert. Sie bestehen aus drei Subskalen, die inhaltlich ähnliche Bereiche wie das Interview (SI-IUI) abdecken: 1) einer Skala mit Umweltsubstanzen, die von Betroffenen besonders häufig mit der Auslösung von Beschwerden in Zusammenhang gebracht werden, 2) einer Skala mit umweltbezogenen Beschwerden, 3) sowie einer Skala zu störungsbedingten Funktionsbeeinträchtigungen.

 

 

4 Skalenentwicklung

 

Itemkonstruktion und Itemselektion

Die Skalen zur idopathischen Umweltintoleranz wurden von den Autoren dieser Dokumentation mit dem Ziel entwickelt, zentrale Merkmale des IUI-Syndroms über Selbstberichte zu erfassen. Sie beinhalten 50 Items, die sich drei Subskalen zuordnen lassen: Die Auslöser Checkliste (IUI-Auslöser) erfragt 15 von Betroffenen häufig genannte Triggersubstanzen für relativ unspezifische Beschwerden. Die beiden anderen IUI-Skalen erfassen mit 20 bzw. 15 Items die für das Störungsbild typischen Beschwerden (IUI-Beschwerden) sowie die störungsbedingten Funktionsbeeinträchtigungen (IUI-Funktionsbeeinträchtigungen) der Betroffenen.

Die Konstruktion und Auswahl der IUI-Items erfolgte gestützt auf a) ein strukturiertes Interview zur Idiopathischen Umweltintoleranz (SI-IUI); Bailer et al., 2006b), sowie b) Publikationen zu existierenden Selbstbeurteilungsskalen wie dem Fragebogen zur Chemischen und Allgemeinen Umweltsensitivität (CAUS) (Bailer et al., 2004a, Kiesswetter et al., 1999), dem Chemical Odor Intolerance Index (CII; Szarek et al., 1997) und dem Environmental Exposure and Sensitivity Inventory (ESSI; Miller & Prihoda, 1999).

Vorzugeben ist als Erste die IUI-Auslöser Skala. Sie erfordert, dass 15 alltägliche Umweltsubstanzen danach beurteilt werden, ob der Kontakt mit ihnen bei den Befragten in den letzten 6 Monaten Gesundheitsbeschwerden hervorgerufen hat. Die Intensität der Reaktionen auf die verschiedenen Umweltstoffe wird mit einer fünfstufigen Antwortskala erfasst, die von 0 (überhaupt nicht) bis 4 (sehr stark) reicht. Der Antwortsummenwert indiziert das Ausmaß einer idiopathischen Umweltintoleranz. Anschließend werden die Items der IUI-B Skala bearbeitet (dichotomes Antwortformat). Die Probanden werden gebeten, eine Liste von 20 Beschwerden danach zu beurteilen, ob diese bei ihnen während der letzten 6 Monate als Reaktion auf Umweltchemikalien aufgetreten sind oder nicht. Die Summe der Ja-Antworten ist ein Indikator für die IUI-Symptomschwere. Die IUI-F Skala wird zuletzt vorgegeben. Die Probanden sollen einschätzen, inwieweit (0 = überhaupt nicht, 4 = sehr stark; Wertebereich: 0 bis 60) ihre chemische Empfindlichkeit bzw. Geruchssensitivität verschiedene Lebens- und Funktionsbereiche negativ beeinflusst hat. Der Summenwert indiziert die Schwere der durch IUI verursachten Funktionsbeeinträchtigungen.

 

Stichproben

Die psychometrischen Eigenschaften der IUI-Skalen wurden mit den Daten aus drei Stichproben untersucht (siehe Tabelle 1): Die Stichproben 1 und 2 bestanden aus Studierenden, die in den Jahren 2003, 2004 und 2005 an den Universitäten Münster (S1: N = 810) und Bonn (S2: N = 308) an einer Befragung zur Häufigkeit von Allergien, Krankheiten und Krankheitsängsten teilgenommen hatten. Die Bonner Studierenden waren älter (= 23.6 vs. = 20.9 Jahre; p < .001) und studierten häufiger Psychologie (52% vs. 7%) als die Münsteraner Studierenden. Die Geschlechterzusammensetzung (57% vs. 59% weiblich) und die Anzahl von Studierenden mit selbstberichteten Allergien (48 % vs. 48 %) war für beide Stichproben jedoch statistisch vergleichbar.

Die Probanden aus Stichprobe S3 nahmen an einer prospektiven, durch die DFG geförderten Studie zur Prüfung der Spezifität und der Stabilität des IUI-Syndroms teil (Bailer et al., 2005). An der ersten Untersuchung beteiligten sich 166 Probanden. Sie wurden aufgrund ihrer Beantwortung von strukturierten Interviews (SKID I und SI-IUI) einer von drei Gruppen zugeteilt: 62 (37.3%) Befragte erfüllten die Kriterien einer idiopathischen Umweltintoleranz, 47 (28.3%) Befragte erfüllten die Kriterien einer somatoformen Störung nach DSM-IV, jedoch nicht die IUI-Kriterien, und 57 (34.3 %) der Befragten hatten weder ein IUI-Syndrom noch eine somatoforme Störung (Kontrollprobanden). 159 Probanden (96% der ersten Stichprobe) konnten ein Jahr später nachuntersucht werden. Ihre Daten wurden für die hier berichteten Analysen herangezogen, da die IUI-Skalen erst für die zweite Untersuchung vorlagen. Das Durchschnittsalter der Befragten dieser Katamnese-Stichprobe betrug 47 Jahre, 76% von ihnen waren weiblich, 40% hatten Fachhochschulreife oder Abitur, 51% berichteten über Allergien und 38% von ihnen erfüllten die vorab festgelegten Kriterien für die Diagnose einer idiopathischen Umweltintoleranz.

 

Tabelle 1

Demografische und weitere Merkmale der Stichproben S1 (Studierende MÜ, N = 810), S2 (Studierende BN, N = 308) und S3 (DFG zum Zeitpunkt t2, N = 159)

 

S1

S2

S3

Alter Mittelwert 

20.89

23.56

47.1

Alter Standardabw.

2.81

4.40

11.4

Frauen (%)    

57.0

59.4

75.5

FHR / Abitur  

100.0

100.0

39.6

Allergien (%) 

48.2

47.7

51.0

IEI-Diagnose (%)

-

-

38.4

 

Variablen und Auswertungsmethode

Die Münsteraner Studierenden (S1) wurden im Herbst 2003 und 2004 bei der Einschreibung zum Studium an der Universität Münster für die Teilnahme an einer Befragung zum Thema "Umwelt und Wohlbefinden" gewonnen. Fragebogen, die von nicht-studentischen Begleitpersonen (z.B. Eltern; N = 63) ausgefüllt wurden, gingen nicht in die Auswertungen ein. Die Teilnahme war freiwillig und allen Befragten wurde Anonymität zugesichert.

Den Bonner Studierenden (S2) wurden die IUI-Skalen im Rahmen einer Diplomarbeit (Forsthövel, 2005) gemeinsam mit anderen Fragebogen zum Thema "Allergien, Beschwerden und Krankheitsängste" vorgelegt. Die Erhebung fand im Januar und Februar 2005 an der Universität Bonn statt. Die Teilnehmer wurden über Lehrveranstaltungen angeworben. Anreiz zur Teilnahme war eine Verlosung. Zusätzlich konnten sich teilnehmende Studierende der Psychologie Versuchspersonenstunden bescheinigen lassen. Die Bearbeitung der Fragebogen dauerte circa 30 Minuten. Die Rücklaufquote von 500 ausgeteilten Fragebogen betrug 62%.

Die Probanden der DFG-Studie (S3) wurden über mehrere Zugangswege gewonnen: Teilnehmer mit einer idiopathischen Umweltintoleranz und Teilnehmer mit einer somatoformen Störung ohne IUI-Syndrom wurden aus den Ambulanzen für Umweltmedizin sowie für Psychiatrie und Psychosomatik der Universität Heidelberg rekrutiert und über Anzeigen in den örtlichen Tageszeitungen. Durch die Anzeigen wurden Freiwillige gesucht, die entweder besonders empfindlich auf Umweltchemikalien reagierten oder unter medizinisch nicht erklärbaren körperlichen Beschwerden litten. Über Zeitungsanzeigen wurden auch Probanden ohne solche Störungen als Teilnehmer an einer Studie zu Umwelt und Gesundheit rekrutiert. Als weitere Kontrollprobanden wurden Patienten einer zahnmedizinischen Ambulanz der Universität Heidelberg einbezogen, die diese zwecks Durchführung einer Routinekontrolle aufsuchten.

 

Die Daten wurden für die Auswertungen folgendermaßen aufbereitet:

1.     Die Items zu IUI-Funktionsbeeinträchtigungen wurde wegen der spärlichen Wahl der höheren Antwortausprägungen nachträglich dichotomisiert. Basierend auf der Überlegung, nur noch zwischen Funktionsbeeinträchtigung vorhanden (1) und nicht vorhanden (0) zu unterscheiden, wurden dazu die Antwortausprägungen von 1 (ein wenig) bis 4 (sehr stark) zu einer Kategorie zusammengefasst und mit 1 kodiert. Die Antwortwerte für die IUI-Auslöseritems (5-stufiges Antwortformat: 0 = überhaupt nicht bis 4 = sehr stark) und die IUI-Beschwerdenitems (dichotomes Antwortformat: ja vs. nein) wurden in unveränderter Form in die Analyse einbezogen.

2.     Antworten zu einzelnen Items fehlten nur in den beiden Stichproben Studierender (S1 und S2). Die Daten aller Befragten mit solchen fehlenden Werten (8.9%) wurden aus allen Analysen ausgeschlossen.

3.     Die Dimensionalität der Beantwortung der 50 Items zu IUI-Auslösern, Beschwerden und Funktionsbeeinträchtigungen wurden wegen der simultanen Verwendung von polytomen (Auslöser) und dichotomen (Beschwerden) bzw. nachträglich dichotomisierten Antwortwerten (Funktionsbeeinträchtigung) sowie der zum Teil schiefen Antwortverteilungen mit konfirmatorischen Messmodellen für nicht kontinuierlich verteilte manifeste Indikatoren und kontinuierliche latente Variablen geprüft. Herangezogen wurde dazu Mplus 2.02 (Muthén & Muthén, 1998). Dieses Programm ermöglicht eine Spezifikation und Prüfung solcher Modelle als 2-Parameter Normalogiven IRT-Modelle in einem integrierten und verallgemeinerten Ansatz zur Formulierung und Testung von Mess- und Strukturmodellen mit latenten Variablen (vgl. Glöckner-Rist & Hoijtink, 2003).

 

Itemanalysen

Zur Überprüfung der a priori postulierten 3-faktoriellen Struktur der Beantwortung der IUI-Items wurden konfirmatorische Messmodellanalysen (2 Parameter IRT Normalogiven Modell mit WLSMV-Schätzung; Mplus 2.02) getrennt für die zusammengefassten Daten der Studierenden aus Münster und Bonn (S1+S2) sowie für die Daten der Teilnehmer der DFG-Studie (S3) durchgeführt. Ein Modell mit drei korrelierten Faktoren (IUI-Auslöser, -Beschwerden und -Funktionsbeeinträchtigungen) sowie unkorrelierten Residuen war mit den Antworten der Studierenden (N = 1019: Chi2(1172) = 4373.25, < .01; CFI = .97; TLI = .96; RMSEA = .05) und denen der Teilnehmer der DFG-Studie (N = 159: Chi2(1172) = 1997.95, p < .01; CFI = 1.00; TLI = 1.00; RMSEA = .07) vereinbar (siehe Tabelle 2).

 

Tabelle 2

Standardisierte Faktorladungen (FL) und aufgeklärte Antwortvarianzen bzw. Itemreliabilitäten (R²) für die Items zu IUI-Auslösern (IUI-A), IUI-Beschwerden (IUI-B) und IUI-Funktionsbeeinträchtigung (IUI-F) nach zwei konfirmatorischen Faktorenanalysen (2 Parameter IRT Normalogiven Modell mit WLSM-Schätzung) der Antworten aus der Stichprobe der Studierenden (S1 + S2; N = 1019) und der DFG-Studie (S3; N = 159)

 

S1 & S2

S3

 

IUI-A

IUI-B

IUI-F

IUI-A

IUI-B

IUI-F

Item

FL

FL

FL

FL

FL

FL

1  

.61

.37

.59

.34

.82

.68

.81

.65

.73

.53

.97

.95

2  

.56

.31

.48

.23

.85

.72

.66

.43

.85

.72

.94

.88

3  

.58

.34

.54

.29

.89

.78

.81

.65

.84

.71

.99

.98

4  

.60

.35

.55

.30

.84

.70

.83

.69

.69

.47

.95

.91

5  

.49

.24

.77

.59

.72

.53

.72

.52

.88

.77

.95

.91

6  

.51

.26

.62

.38

.81

.66

.81

.65

.91

.84

.96

.93

7  

.68

.46

.63

.40

.79

.63

.87

.75

.79

.62

.96

.92

8  

.62

.38

.75

.57

.85

.71

.74

.55

.95

.91

1.00

.99

9  

.62

.38

.72

.52

.80

.65

.77

.60

.83

.69

1.00

1.00

10 

.70

.49

.54

.29

.82

.67

.88

.77

.75

.56

.98

.95

11 

.67

.45

.68

.46

.77

.59

.84

.71

.80

.64

.96

.92

12 

.66

.44

.67

.45

.61

.38

.81

.65

.88

.78

.78

.62

13 

.45

.20

.58

.34

.77

.59

.66

.44

.82

.66

.90

.80

14 

.35

.12

.71

.51

.72

.52

.63

.39

.82

.67

.89

.80

15 

.50

.25

.68

.46

.68

.46

.74

.55

.66

.44

.86

.74

16 

--

--

.63

.40

--

--

--

--

.79

.63

--

--

17 

--

--

.48

.23

--

--

--

--

.76

.58

--

--

18 

--

--

.58

.34

--

--

--

--

.70

.49

--

--

19 

--

--

.66

.43

--

--

--

--

.71

.51

--

--

20 

--

--

.57

.33

--

--

--

--

.65

.43

--

--

 

Trotz der zum Teil hohen Interkorrelationen (Tabelle 3) zwischen den drei postulierten latenten Dimensionen passte ein alternatives einfaktorielles Modell nicht zu den Daten der Studierenden und der Probanden der DFG-Studie, d.h. ein Modell mit der Annahme einer perfekten Interkorrelation der drei IUI-Dimensionen. Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass die 50 IUI-Items drei empirisch trennbare, wenn auch überlappende Teilbereiche einer idiopathischen Umweltintoleranz erfassen.

 

Tabelle 3

Interkorrelationen der IUI-Faktoren Auslöser (A), Beschwerden (B) und Funktionsbeeinträchtigung (F) in der Stichprobe der Studierenden (S1 u. S2; rechte obere Matrix; N = 1019) und der DFG-Studie (S3; linke untere Matrix; N = 159) Erhebung

 

A

B

F

A

-

.53

.48

B

.78

-

.74

F

.77

.88

-

 

Itemkennwerte

Die Faktorladungen und Reliabilitäten (Tabelle 2) für die Items zu IUI-Auslösern, -Beschwerden und -Funktionsbeeinträchtigungen aus konfirmatorischen Faktorenanalysen liegen vor. Für eine weitere Beurteilung der Trennschärfen und der Schwierigkeiten der Items werden die korrigierten Itemtrennschärfen berichtet sowie die Mittelwerte bzw. Prozentsätze bejahender Antworten für Items mit polytomem bzw. dichotomem Antwortformat. Danach variieren die Mittelwerte der 15 Items zu IUI-Auslösern (Tabelle 4) in den drei Stichproben zwischen = .12 (Item 14: Amalgamfüllungen) und = 1.74 (Item 5: Zigarettenrauch). In Stichprobe S3 mit einem hohen Anteil von Befragten mit idiopathischer Umweltintoleranz liegen die Trennschärfen im mittleren bis hohen, in den beiden studentischen Stichproben im mittleren Bereich, mit Ausnahme von dem für die Studierenden wenig trennscharfen Item 14 (Amalgamfüllungen: rit = .27 bzw. rit =.28).

 

Tabelle 4

Mittelwerte bzw. Schwierigkeiten (S), Trennschärfen (rit) und Cronbachs Alpha (CA) der Stichproben S1 (Studierende MÜ, N = 810), S2 (Studierende BN, N = 308) und S3 (DFG zum Zeitpunkt t2, N = 159) für die IUI-Auslöser Skala

 

S1

S2

S3

Item

S

rit

S

rit

S

rit

1  

.99

.54

.70

.61

1.45

.77

2  

1.03

.48

.88

.56

1.61

.65

3  

.83

.46

.48

.63

1.20

.80

4  

.83

.51

.56

.60

1.16

.83

5  

1.65

.38

.43

.43

1.74

.70

6  

.43

.43

.35

.52

.84

.78

7  

.96

.60

.60

.62

1.30

.84

8  

.52

.56

.35

.56

1.03

.73

9  

.40

.52

.17

.65

.62

.77

10 

1.25

.60

.69

.69

1.41

.85

11 

1.11

.59

.62

.75

1.41

.80

12 

1.04

.56

.72

.70

1.27

.82

13 

.30

.38

.26

.51

.45

.64

14 

.22

.28

.12

.27

.53

.54

15 

.67

.44

.33

.58

.83

.71

CA 

.85

.90

.96

 

Die Häufigkeiten, mit denen die 20 Beschwerden  (Tabelle 5) einer idiopathischen Umweltintoleranz als vorhanden bejaht wurden, variieren in den drei Stichproben zwischen 2% und 64% (T4b). In allen Stichproben extrem seltene Beschwerden sind "Herzrasen" (Item 11) und "sich desorientiert oder verwirrt fühlen" (Item 16). Die Trennschärfen liegen in Stichprobe S3 mit Werten zwischen rit = .44 und rit = .74 im mittleren Bereich, in den beiden studentischen Stichproben etwas darunter. In diesen erweisen sich mehrere Items (Item 3, 10, 13, 16) als zu wenig trennscharf.

 

Tabelle 5

Prozentuale Häufigkeit bejahter Beschwerden (S), Trennschärfen (rit) und Cronbachs Alpha (CA) der Stichproben S1 (Studierende MÜ, N = 810), S2 (Studierende BN, N = 308) und S3 (DFG zum Zeitpunkt t2, N = 159) für die IUI-Skala Beschwerden

 

S1

S2

S3

Item

S

rit

S

rit

S

rit

1  

.36

.36

.19

.44

.42

.56

2  

.28

.30

.24

.33

.46

.55

3  

.07

.23

.03

.23

.22

.64

4  

.33

.35

.18

.31

.36

.57

5  

.35

.48

.21

.61

.28

.67

6  

.09

.31

.07

.36

.17

.67

7  

.64

.43

.48

.37

.47

.58

8  

.40

.52

.25

.54

.37

.74

9  

.13

.41

.07

.46

.28

.67

10 

.15

.29

.07

.39

.27

.58

11 

.07

.31

.02

.31

.12

.56

12 

.31

.45

.20

.58

.34

.70

13 

.13

.33

.09

.24

.28

.55

14 

.28

.49

.15

.49

.29

.63

15 

.14

.39

.06

.45

.15

.53

16 

.07

.31

.02

.27

.09

.46

17 

.38

.35

.18

.30

.44

.54

18 

.09

.30

.06

.46

.17

.46

19 

.11

.35

.07

.40

.17

.51

20 

.33

.33

.12

.39

.32

.44

CA 

.80

.83

.92

 

Die Schwierigkeiten der 15 Items zu IUI-Funktionsbeeinträchtigungen  (Tabelle 6) variieren über die drei Stichproben zwischen .05 (Item 10: Beeinträchtigung von Freundschaften / Bekanntschaften) und 1.27 (Item 1: Beeinträchtigung der gesundheitlichen Verfassung). Die meisten Funktions-beeinträchtigungen werden von der Mehrheit der Befragten als "nicht vorhanden" beurteilt. Das überrascht nicht, da die Mehrheit der Befragten auch nicht von idiopathischer Umweltintoleranz betroffen war. Alle Items zu IUI-Funktionsbeeinträchtigungen sind in  Stichprobe S3 ausreichend trennscharf (Werte zwischen rit = .68 und rit = .91). In den beiden studentischen Stichproben liegen die Trennschärfen im mittleren Bereich. Auch in diesen erreichen alle Items Trennschärfen rit > .40.

 

Tabelle 6

Prozentuale Häufigkeit bejahter Beschwerden (S), Trennschärfen (rit) und Cronbachs Alpha (CA) der Stichproben S1 (Studierende MÜ, N = 810), S2 (Studierende BN, N = 308) und S3 (DFG zum Zeitpunkt t2, N = 159) für die IUI-Auslöser Skala

 

S1

S2

S3

Item

S

rit

S

rit

S

rit

1  

.80

.64

.41

.72

1.27

.85

2  

.43

.65

.30

.78

.81

.86

3  

.66

.71

.37

.81

1.04

.87

4  

.47

.61

.36

.74

.85

.91

5  

.14

.53

.13

.55

.53

.80

6  

.20

.60

.11

.74

.63

.88

7  

.86

.60

.66

.74

1.19

.88

8  

.11

.56

.07

.48

.55

.84

9  

.14

.58

.05

.43

.55

.88

10 

.13

.55

.05

.58

.60

.90

11 

.09

.51

.07

.56

.51

.84

12 

.20

.42

.11

.47

.63

.68

13 

.35

.62

.21

.67

.66

.83

14 

.10

.41

.05

.60

.43

.76

15 

.32

.48

.19

.57

.83

.79

CA 

.90

.92

.98

 

 

5 Gütekriterien

 

Reliabilität

Die interne Konsistenz der IUI-Subskalen Auslöser (Tabelle 4), Beschwerden (Tabelle 5) und Funktionsbeeinträchtigungen (Tabelle 6) ist nach Werten für Cronbachs Alpha zwischen .85 und .98 befriedigend bis hoch. Angaben zur Retest-Reliabilität liegen zwar noch nicht vor, eine zeitlich stabile Beantwortung der IUI-Auslöser- und Beschwerdenitems legen jedoch entsprechende Analysen ihrer Beantwortung im Rahmen eines ebenfalls im ZIS dokumentierten strukturierten Interview zur idiopathischen Umweltintoleranz nahe (SI-IUI). Danach betragen die Retest-Reliabilitäten für IUI-Auslöser und Beschwerden über ein 1-jähriges Zeitintervall .85 und .82 (vgl. auch Bailer et al., 2006b).

 

Validität

Zur Ermittlung der Konstruktvalidität wurden Zusammenhänge zwischen den Antwortsummenwerten für die IUI-Subskalen und die folgenden Instrumente zur Erhebung derselben bzw. verwandter Konstrukte geprüft: die Subskalen Beschwerden, Auslöser und Vermeidung des strukturierten Interviews zur idiopathischen Umweltintoleranz (SI-IUI; Bailer et al, 2006b), der Chemischen Geruchssensitivitätsskala von Kiesswetter und Kollegen (CGSS; Kiesswetter et al. 1999; Bailer et al., 2004a,b; Bailer et al., 2005), dem Fragebogen zu umweltbezogenen Gefährdungskognitionen (FUG; Bailer et al., 2000), der Somatisierungsskala der Symptom-Checkliste (SCL-90-R; Franke, 1995) sowie der Somatisierungsskala (PHQ-15; Kroenke et al., 2002) des Patient Health Questionnaire (PHQ; Spitzer et al., 1999; deutsche Fassung PHQ-D; Löwe et al., 2002).

Wie theoretisch zu erwarten korrelieren die Antworten zu diesen Instrumenten in allen Stichproben signifikant und substantiell mit denen zu den drei IUI-Subskalen Auslöser, Beschwerden und Funktionsbeeinträchtigungen (Tabelle 7). Wie ebenfalls zu erwarten sind dabei die für Stichprobe S3 ermittelten Assoziationen der IUI-Subskalen mit verwandten Konstrukten wie der chemischen Geruchssensitivität (CGSS) und den umweltbezogenen Gefährdungskognitionen (FUG) höher als in den beiden Stichproben Studierender. Diese Ergebnisse belegen die Validität der IUI-Subskalen. Wir empfehlen deshalb, auch angesichts der Ergebnisse der übrigen psychometrischen Prüfungen, die IUI-Subskalen in der hier abgedruckten Länge einzusetzen, obwohl wir davon ausgehen, dass ihre Güte durch eine Kürzung noch optimiert werden kann. Entsprechende Analysen werden wir nach Abschluss einer laufenden Studie zur Retest-Reliabilität der IUI-Subskalen vornehmen und publizieren.

 

Tabelle 7

Korrelationen der IUI-Skalen mit verwandten Konstrukten für die Stichproben S1 (Studierende MÜ, N = 810), S2 (Studierende BN, N = 308) und S3 (DFG zum Zeitpunkt t2, N = 159)

 

S1

S2

S3

IUI Auslösercheckliste  

1. SI-IUI: Auslöser   

 

 

.70

2. SI-IUI: Beschwerden

 

 

.76

3. SI-IUI: Vermeidung 

 

 

.67

4. CGSS               

.51

.54

.77

5. Gefährdungskogn.   

.42

.37

.64

6. SCL-Somatisierung  

 

 

.51

7. PHQ15-Somatisierung

.22

.32

.48

IUI  Beschwerdenfragebogen

1. SI-IUI: Auslöser   

 

 

.76

2. SI-IUI: Beschwerden

 

 

.64

3. SI-IUI: Vermeidung 

 

 

.64

4. CGSS               

.41

.42

.68

5. Gefährdungskogn.   

.35

.42

.64

6. SCL-Somatisierung  

 

 

.57

7. PHQ15-Somatisierung

.44

.46

.62

IUI Beeinträchtigungsskala   

1. SI-IUI: Auslöser   

 

 

.67

2. SI-IUI: Beschwerden

 

 

.73

3. SI-IUI: Vermeidung 

 

 

.60

4. CGSS               

.39

.40

.65

5. Gefährdungskogn.   

.41

.38

.63

6. SCL-Somatisierung  

 

 

.49

7. PHQ15-Somatisierung

.35

.32

.50


Anmerkung. Alle Korrelationen sind signifikant mit p < .001

 

Deskriptive Statistiken (Normierung)

Die prozentualen Häufigkeiten für die Items zu IUI-Beschwerden (Tabelle 4) und die Mittelwerte für die Items zu IUI-Auslösern (Tabelle 5) und –Funktionsbeeinträchtigungen (Tabelle 6) liegen vor. Das Geschlecht der Befragten beeinflusste in keiner der drei Stichproben den IUI-Auslöser Gesamtwert signifikant (p > .10). Er variierte aber systematisch in Abhängigkeit von selbstberichteten Allergien in Stichprobe S3. In dieser erreichten sowohl Personen mit Allergien als auch Personen mit IUI erwartungskonform signifikant höhere IUI-A-Werte als Nichtallergiker (t > 4.09, p > .001) und Befragte ohne IUI-Diagnose (t > 9.91, p >.001).

 

Höhere IUI-Beschwerdenwerte (Tabelle 8) erzielten unter den Studierenden (S1 und S2) Frauen im Unterschied zu Männern (t > 3.09, p < .003). Dies galt jedoch nicht für die Teilnehmer der DFG-Studie (S3; t = 0.89, p = .38). Münsteraner Studierende (S1) und Probanden der DFG-Studie (S3) mit selbstberichteter Allergie hatten höhere IUI-B-Werte als Nichtallergiker (t = 3.41, p = .001) und S3 (t = 4.93,  p < .001). Dies traf aber nicht auch auf Studierende aus Bonn (S2; t = 1.35, p = .18) zu. Die deutlichsten Unterschiede für den IUI-B-Wert erzielten jedoch wie zu erwarten die Befragten der DFG-Studie mit vs. ohne IUI-Diagnose (t = 8.14, p <. 001).

 

Tabelle 8

Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) für die Stichproben S1 (Studierende MÜ, N = 810), S2 (Studierende BN, N = 308) und S3 (DFG zum Zeitpunkt t2, N = 159) für die Skala IUI-Beschwerden

 

S1

S2

S3

Frauen

 

 

 

M

5.10

3.23

5.47

SD

3.69

3.54

5.22

Männer

 

 

 

M

4.29

2.16

6.46

SD

3.52

2.22

6.35

Allergie

 

 

 

M

5.22

3.02

7.65

SD

3.76

3.37

3.58

Keine Allerg.

.

 

 

M

4.34

2.53

3.58

SD

3.46

2.84

9.92

IUI

 

 

 

M

--

--

9.64

SD

--

--

5.17

Kein IUI

 

 

 

M

--

--

3.27

SD

--

--

4.15

 

 

IUI-Funktionsbeeinträchtigungen (Tabelle 9) variierten nicht systematisch in Abhängigkeit vom Geschlecht. Sie wurden jedoch von Befragten mit Allergien in allen drei Stichproben signifikant häufiger berichtet als von Befragten ohne Allergien (6.20 > t > 2.32, p > .05). In der DFG-Studie (S3) traf dies auch auf Befragte mit IUI-Diagnose im Vergleich zu denen ohne eine solche Diagnose zu (12.9 > t > 8.11, p >.001).

 

Tabelle 9

Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) für die Stichproben S1 (Studierende MÜ, N = 810), S2 (Studierende BN, N = 308) und S3 (DFG zum Zeitpunkt t2, N = 159) für die Skala IUI-Funktionsbeeinträchtigungen

 

S1

S2

S3

Frauen

 

 

 

M

5.24

3.37

10.99

SD

6.23

5.81

14.97

Männer

 

 

 

M

4.78

2.89

16.21

SD

6.06

5.47

19.45

Allergie

 

 

 

M

5.78

3.87

18.35

SD

6.65

6.51

19.02

Keine Allerg.

 

 

 

M

4.33

2.44

5.70

SD

5.47

4.62

9.48

IUI

 

 

 

M

--

--

24.72

SD

--

--

18.37

Kein IUI

 

 

 

M

--

--

4.52

SD

--

--

8.02

 

 

6 Literatur und Datenquellen

 

Kontakt zu Autor(en)

-       Josef Bailer, PD Dr., E-mail: bailer@zi-mannheim.de; Michael Witthöft, Dipl.-Psych.; Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Abteilung Klinische Psychologie, J5, 68159 Mannheim.

-       Fred Rist, Dipl. Psych., Prof. Dr., e-mail: rist@uni-muenster.de, Wilhelms-Universität Münster, Psychologisches Institut I, Fliednerstr. 21, 48194 Münster.

 

Literaturverzeichnis

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