Autoritäre Persönlichkeit

 

Das Konstrukt der "Autoritären Persönlichkeit" (AP) entwickelten Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson und Sanford (1950) als theoretische Interpretation empirischer Ergebnisse, die sie u.a. mit der F(aschismus)-Skala (Sanford, Adorno & Frenkel-Brunswik, 1950), der Ethnozentrimusskala (Levinson, 1950) und der Antisemitismusskala (Levinson, 1950) gewonnen hatten. Theoretische Grundlagen

hatten bereits früher Reich, Fromm, Maslow und Erikson erarbeitet. Die zentrale Hypothese dieses Forschungsprogramms lautet: die politischen, ökonomischen und sozialen Überzeugungen eines Individuums bilden ein breites und konsistentes Muster, welches durch eine bestimmte Grundhaltung charakterisiert ist. Diese Grundhaltung ist ein Ausdruck von tiefer liegenden Schichten des Individuums. Hierbei handelt es sich um Konstrukte der psychoanalytischen Theorie. Die konstituierenden Merkmale des Syndroms der autoritären Persönlichkeit spiegeln sich in den der F-Skala (Faschismus-Skala) zugrundeliegenden Konstrukten wider. Insbesondere sind es folgende

Merkmalsbereiche, die zur Diagnose des Syndroms einer autoritären Persönlichkeit herangezogen werden:

1.     Konventionalismus (rigides Anhängen an konventionellen Mittelklassewerten),

2.     Autoritäre Unterwerfung (unterwürfige, unkritische Einstellung gegenüber idealisierten moralischen Autoritäten der "in-group"),

3.     Autoritäre Aggressionen gegen die, welche die konventionellen Werte verletzen,

4.     Oppositionen bzw. Abwehr gegen das Subjektive, Imaginative und gegen sensiblere Gemütsregungen

5.     Aberglauben und Stereotypie (Glaube an mystische Bestimmungen des individuellen Schicksals und Disposition in rigiden Kategorien zu denken),

6.     Gewalt und Härte (Beschäftigung mit der Dimension Dominanz- Unterwerfung, stark-schwach, Führer-Gefolgschaft, Identifikation mit Gewaltfiguren),

7.     Destruktivität und Zynismus,

8.     Projektivität (die Überzeugung, dass wilde und gefährliche Dinge in der Welt vorgehen: die Projektion unbewusster emotionaler Impulse nach außen),

9.     Sexualität (übertriebene Beschäftigung mit sexuellen Vorgängen).

Es bestehen unterschiedliche Ansichten, welche der neun ursprünglich postulierten Dimensionen notwendigerweise erfasst werden müssen, um Autoritarismus zu erfassen (u.a. Lederer 1983; Altemeyer, 1988; Stone, Christie & Lederer, 1993; Schmidt, Stephan & Herrmann, 1995; Hopf & Hopf, 1997, Oesterreich, 1993). Altemeyer (1981) z.B. hat sich seit den 70er Jahren eingehend und sehr kritisch mit dem Forschungsprogramm der AP und den dort eingesetzten Fragebögen auseinandergesetzt. Er reduziert die ursprünglichen neun Dimensionen auf nur drei: die autoritäre Unterwürfigkeit, die autoritäre Aggression und den Konventionalismus. Die Theorie der "Autoritären Persönlichkeit (AP)" (Adorno et al., 1950) postuliert unter anderem, dass die stark ausgeprägte Vorurteilsbereitschaft, die nach Levinson Ethnozentrismus begünstigt, ein kennzeichnendes Merkmal des autoritären Persönlichkeitstyps sei. Diese Annahme wurde in neueren Veröffentlichungen wieder aufgegriffen und mit verschiedenen sozialpsychologischen Ansätzen verknüpft (z.B. Herrmann & Schmidt, 1995; Scheepers, Felling & Peters, 1990, 1992).