Das Gießen-Mannheimer-Projekt

 

(nach Anke Blöbaum (1998).

Die Arbeitsgruppe "Multidisziplinäre Ansätze zur Verhaltensänderung" im DFG-Schwerpunktprogramm "Mensch und globale Umweltveränderungen": Programm und Skalenentwicklungen für ZIS. ZUMA-Nachrichten, 43, S. 153 - 158).

 

Die zentralen Ziele des Gießen-Mannheimer Projekts "Verbot, Anreiz oder Bewusstsein? Determinanten und Beeinflussung ökologieorientierten Verhaltens: Verkehrsmittelnutzung in einer Region" waren zum einen die Entwicklung und empirische Testung eines theoretischen Modells zur Erklärung und Vorhersage der individuellen Verkehrsmittelwahl, zum anderen die Evaluation der Wirksamkeit von spezifischen Maßnahmen auf die individuelle Verkehrsmittelwahl und die Analyse der diesen Effekten zugrundeliegenden Kausalprozesse.

Theoretisches Rahmenkonzept des Projekts ist die von Ajzen (1985, 1991) entwickelte Theorie des geplanten Verhaltens (TOPB), die sowohl die Wirksamkeit externer Präferenzen und Restriktionen als auch normativer Faktoren auf das Verhalten berücksichtigt. Dabei wurden neben situationsspezifischen Kognitionen auch der Einfluss allgemeiner Einstellungen ("Umweltbewusstsein") auf das Verhalten berücksichtigt und die Beziehung zwischen allgemeinen und spezifischen Einstellungen theoretisch konzeptualisiert. Um den Einfluss spezifischer verkehrspolitischer Maßnahmen auf die Konstrukte der TOPB direkter abzubilden, wurde diese durch zusätzliche Brückenannahmen ergänzt. Das entwickelte und getestete Modell lieferte so die Basis für das zweite Ziel des Projekts: die Evaluation des Effekts verkehrspolitischer Maßnahmen auf das Verkehrsmittelnutzungsverhalten.

Im Rahmen einer Längsschnittsstudie (vier Wellen) wurde mittels der erweiterten TOPB der Effekt von drei verkehrspolitischen Maßnahmen auf die Verkehrsmittelnutzung von Gießener Studierenden bei Hochschulwegen untersucht. In allen vier Wellen wurden das Mobilitätsverhalten der Studierenden über Wegeprotokolle (Brög und KONTIV, Social Data) und die Konstrukte der TOPB (Ajzen, 1991) erhoben. Bei den drei Maßnahmen handelte es sich um (1) die Einführung eines Semestertickets für die Gießener Studierenden, (2) die Einführung einer neuen Uni-Ringlinie, die zentrale Universitätsstandorte verbindet und (3) die Ausweitung des Gültigkeitsbereichs des Semestertickets auf ganz Mittel- und Südhessen, verbunden mit einer Preiserhöhung. Die Zielsetzungen lagen dabei in der Evaluation der Wirksamkeit der drei Maßnahmen auf die individuelle Verkehrsmittelwahl und der Analyse der diesen Effekten zugrundeliegenden kausalen Prozesse.