Fragebogeninventar für Freizeitinteressen Kurzversion (FIFI-K)
Rollenkonflikt
Soziale Stressoren am Arbeitsplatz
Work-Family Conflict Scale (ISSP)

Fragebogeninventar für Freizeitinteressen Kurzversion (FIFI-K)

Autor/in: Nikstat, A., Höft, A., Lehnhardt, J., Hofmann, S., & Kandler, C.
In ZIS seit: 2020
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Zusammenfassung:

Das Fragebogeninventar für Freizeitinteressen (FIFI; Piepenburg & Kandler, 2016) ist das erste deutschsprachige Messinstrument für das Erwachsenenalter, welches Freizeittätigkeiten hinsichtlich ihrer intrinsischen Wertigkeit (Freizeitinteresse) und Häufigkeit ihrer Ausübung (Freizeitaktivität) erfasst. Die vorliegende Kurzversion (FIFI-K) erhöht die Ökonomie der Erfassung bei gleichbleibender Heterogenität der Freizeitbereiche. Das FIFI-K umfasst 67 Items, an denen die Struktur von Freizeitinteressenbereichen (21 Primärfaktoren und 5 Sekundärfaktoren) des FIFI bestätigt werden konnte. Es fanden sich gute Retest-Reliabilitätswerte für die Freizeitbereiche. Zudem konnte konvergente Validität zwischen Freizeitinteresse und Freizeitaktivität, diskriminante Validität zwischen den Freizeitbereichen, sowie prädiktive Validität von Freizeitinteressen und -aktivitäten zur Vorhersage von psychischem Wohlbefinden belegt werden.

Abstract:

The questionnaire for leisure interests (FIFI; Piepenburg & Kandler, 2016) is the first German-language instrument for adult life, which records leisure activities with regard to their intrinsic value (leisure interest) and frequency of exercise (leisure activity). The present short version (FIFI-K) increases the economy of the recording while maintaining the heterogeneity of leisure activities. The FIFI-K comprises 67 items on which the structure of leisure interest areas (21 primary factors and 5 secondary factors) of the FIFI could be confirmed. We found good retest reliability values for the leisure areas, convergent validity between leisure interest and leisure activity, discriminant validity between leisure areas, and predictive validity of leisure interests and activities for predicting mental well-being.


Sprache Dokumentation: deutsch
Sprache Items: deutsch
Anzahl der Items: 67
Erhebungsmodus: Online Befragung oder Papierfragebogen
Bearbeitungszeit: 13 Minuten in der Online-Version; Mdn = 13.3, q(.25) = 10.47; q(.75) = 17.76
Reliabilität: McDonalds Omega ≥ .44; Retest ≥ .65
Validität: Evidenz für faktorielle, konvergente, diskriminante und konkurrente Validität
Konstrukt: Freizeitinteressen, Freizeitaktivitäten
Schlagwörter: Freizeit, Freizeitgestaltung, Interesse, Aktivitäten | Leisure time, leisure activities, leisure interest, recreation
Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: nein
Skalenentwicklung: validiert
Originalpublikation:

https://doi.org/10.1026/0012-1924/a000187


Instruktion

Im Folgenden wird Ihnen eine Vielzahl von Tätigkeiten präsentiert. Zum einen werden Sie gefragt, wie häufig Sie diese Tätigkeit in Ihrer Freizeit ausüben, zum anderen wie gerne Sie diese Tätigkeit ausüben bzw. ausüben würden. Hierbei ist es möglich, dass Sie die Tätigkeiten noch nie in Ihrem Leben ausgeübt haben. Dennoch können Sie angeben, wie gerne Sie die Tätigkeit einmal ausüben würden. Die in vielen Fragen vorkommenden  /" sind als  oder" zu verstehen. Auch wenn Sie nur eine der unter einem Punkt aufgeführten Tätigkeiten ausüben, geben Sie bitte Ihre Einschätzung für diese Tätigkeit an!

 

Items

Tabelle 1

Items des FIFI-K

Nr.

Item

Primärfaktor

Sekundärfaktor

1

Zeit mit dem Partner / wichtigen Menschen verbringen

1. Sozial-Unternehmerisch

I. Rezeptiv-Erholsam

2

Boot fahren / Segeln

7. Outdoor

II. Aktiv-Erholsam

3

Geschirr abwaschen / abtrocknen / einräumen

12. Haushalt

III. Hegend-Gestaltend

4

Nachrichten schauen / (Tages-) Zeitung lesen

16. Informierend-Bildend

IV. Intellektuell

5

Den Aktienmarkt beobachten / mit Aktien oder Anleihen handeln

19. Finanzen

V. Kompetitiv

6

Privat chatten / skypen / e-mailen

2. Virtual Life

I. Rezeptiv-Erholsam

7

Tiere beobachten (z.B. im Zoo oder in freier Wildbahn)

8. Tiere

II. Aktiv-Erholsam

8

Im Garten arbeiten / Pflanzen pflegen

13. Gestalterisch-Handwerklich

III. Hegend-Gestaltend

9

An der eigenen Sammlung (z.B. Briefmarken, Comics, Münzen, etc.) arbeiten

17. Intellektuell-Kreativ

IV. Intellektuell

10

Ein Auto oder Motorrad waschen / pflegen

20. Auto & Motorrad

V. Kompetitiv

11

Ausschlafen / Mittagsschlaf halten

3. Heimische Entspannung

I. Rezeptiv-Erholsam

12

Natur(-ereignisse) und Landschaften besichtigen

9. Naturnahe Erholung

II. Aktiv-Erholsam

13

Mit einem Kind beschäftigen (z.B. spielen)

14. Sozial-Unterstützend

III. Hegend-Gestaltend

14

Ein(e) Gotteshaus / Religionsgemeinschaft besuchen

18. Religion & Spiritualität

IV. Intellektuell

15

Ein Sportspiel / -ereignis beobachten (live oder im TV)

21. Sport

V. Kompetitiv

16

Sich über Neuigkeiten bezüglich Musik informieren

4. Musik

I. Rezeptiv-Erholsam

17

Video- / Computerspiele spielen

10. Spiele & Rätsel

II. Aktiv-Erholsam

18

Kochen

15. Kochen & Backen

III. Hegend-Gestaltend

19

Ein(e) Sachbuch / Fachzeitschrift lesen

16. Informierend-Bildend

IV. Intellektuell

20

Über Finanzen / Steuern / Versicherungen informieren

19. Finanzen

V. Kompetitiv

21

Zukünftige Freizeitaktivität planen (z.B. den nächsten Urlaub planen)

5. Urlaub

I. Rezeptiv-Erholsam

22

Entspannungs- / Achtsamkeitsübungen / Meditation

11. Wellness

II. Aktiv-Erholsam

23

Aufräumen / Ordnen / Putzen

12. Haushalt

III. Hegend-Gestaltend

24

Romane / Kurzgeschichten / Gedichte lesen

17. Intellektuell-Kreativ

IV. Intellektuell

25

Mit dem Auto / Motorrad aus Spaß umherfahren

20. Auto & Motorrad

V. Kompetitiv

26

Ein(e) Theaterstück / Musical / Tanzvorführung / Oper besuchen

6. Kultur

I. Rezeptiv-Erholsam

27

Campen / Zelten

7. Outdoor

II. Aktiv-Erholsam

28

Dinge reparieren / erneuern / bauen

13. Gestalterisch-Handwerklich

III. Hegend-Gestaltend

29

Religiöse / spirituelle Schriften lesen

18. Religion & Spiritualität

IV. Intellektuell

30

Für eine (Mannschafts-) Sportart trainieren / an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen

21. Sport

V. Kompetitiv

31

Ein(e) Party / Fest / Bar / Kneipe / Diskothek besuchen

1. Sozial-Unternehmerisch

I. Rezeptiv-Erholsam

32

Mit Tieren beschäftigen (z.B. streicheln, spielen, füttern)

8. Tiere

II. Aktiv-Erholsam

33

Für andere sorgen / sich um andere kümmern

14. Sozial-Unterstützend

III. Hegend-Gestaltend

34

Etwas im Lexikon / Wörterbuch / Internet nachschlagen

16. Informierend-Bildend

IV. Intellektuell

35

Ein Auto oder Motorrad restaurieren / tunen / reparieren

20. Auto & Motorrad

V. Kompetitiv

36

Soziale Netzwerke nutzen (z.B. Facebook)

2. Virtual Life

I. Rezeptiv-Erholsam

37

Wandern / Radwandern

9. Naturnahe Erholung

II. Aktiv-Erholsam

38

Backen

15. Kochen & Backen

III. Hegend-Gestaltend

39

Gedichte / Geschichten / Artikel / Songtexte schreiben

17. Intellektuell-Kreativ

IV. Intellektuell

40

Über Sport diskutieren / sprechen / informieren

21. Sport

V. Kompetitiv

41

Eine(n) Serie / Unterhaltungsshow / DVD / Spielfilm sehen

3. Heimische Entspannung

I. Rezeptiv-Erholsam

42

Brett- / Karten- / Gesellschaftsspiele spielen

10. Spiele & Rätsel

II. Aktiv-Erholsam

43

Wäsche waschen / bügeln / etc.

12. Haushalt

III. Hegend-Gestaltend

44

Beten

18. Religion & Spiritualität

IV. Intellektuell

45

Musikstücke / -alben kaufen / herunterladen

4. Musik

I. Rezeptiv-Erholsam

46

Fitnesstraining (Joggen, Schwimmen, Fahrradfahren, etc.)

11. Wellness

II. Aktiv-Erholsam

47

Basteln / Dinge schön gestalten

13. Gestalterisch-Handwerklich

III. Hegend-Gestaltend

48

Eine Dokumentation schauen

16. Informierend-Bildend

IV. Intellektuell

49

In einem Hotel, Motel oder Ferienort übernachten

5. Urlaub

I. Rezeptiv-Erholsam

50

Eine Extremsportart betreiben

7. Outdoor

II. Aktiv-Erholsam

51

Familienangehörige (z.B. Enkel, Kinder, Eltern) besuchen

14. Sozial-Unterstützend

III. Hegend-Gestaltend

52

Ein Musikinstrument spielen / Singen / Komponieren

17. Intellektuell-Kreativ

IV. Intellektuell

53

Ein(e) Stadt / Bauwerk besichtigen („sightseeing“)

6. Kultur

I. Rezeptiv-Erholsam

54

Spazieren gehen

9. Naturnahe Erholung

II. Aktiv-Erholsam

55

Malen / Zeichnen

13. Gestalterisch-Handwerklich

III. Hegend-Gestaltend

56

Mit Freunden/Bekannten ausgehen

1. Sozial-Unternehmerisch

I. Rezeptiv-Erholsam

57

Denksportaufgaben / Kreuzworträtsel lösen / Puzzeln

10. Spiele & Rätsel

II. Aktiv-Erholsam

58

Handarbeit (Stricken, Häkeln, Nähen, etc.)

13. Gestalterisch-Handwerklich

III. Hegend-Gestaltend

59

Im Internet surfen

2. Virtual Life

I. Rezeptiv-Erholsam

60

Wellness (Sauna, Massage, etc.)

11. Wellness

II. Aktiv-Erholsam

61

Faulenzen / nichts tun / sich ausruhen

3. Heimische Entspannung

I. Rezeptiv-Erholsam

62

Klettern / Bergsteigen

7. Outdoor

II. Aktiv-Erholsam

63

Musik hören

4. Musik

I. Rezeptiv-Erholsam

64

Yoga / andere Bewegungsübungen ausführen

11. Wellness

II. Aktiv-Erholsam

65

Fotografieren / Fotos bearbeiten / Fotoalben oder -galerien erstellen

5. Urlaub

I. Rezeptiv-Erholsam

66

Ein(e) Kunstausstellung/Museum besuchen

6. Kultur

I. Rezeptiv-Erholsam

67

Einen Einkaufsbummel machen / Shoppen

6. Kultur

I. Rezeptiv-Erholsam

 

Antwortvorgaben

Für jedes Item soll jeweils auf einer fünfstufigen Skala angegeben werden, wie oft (Freizeitaktivität; FA) und wie gerne (Freizeitinteresse; FI) die genannte Tätigkeit ausgeführt wird (bzw. werden würde). Die Freizeitaktivität wird über die Abstufungen 1 = „nie“, 2 = „selten“, 3 = „manchmal“, 4 = „häufig“, 5 = „sehr häufig“ erfasst, das Freizeitinteresse über die Abstufungen 1 = „sehr ungerne“, 2 = „ungerne“, 3 = „mittel“, 4 = „gerne“, 5 = „sehr gerne“. Beide Skalen werden pro Item nacheinander vorgegeben.

 

Auswertungshinweise

Die Auswertung des FIFI-K kann sowohl für die FA- als auch für die FI-Skalen auf Primär- und Sekundärfaktorenebene erfolgen. Dazu werden die Antwortkategorien wie oben beschrieben von 1 bis 5 kodiert und anschließend aggregiert, z. B. über die Bildung der Skalenmittelwerte. Der Vorzug von Mittelwerten gegenüber Summenwerten liegt in der Brauchbarkeit selbst bei fehlenden Werten. Da es sich jedoch beim FIFI-K um ein kurzes Messinstrument handelt, sollte von einer individuellen Primärskalenwertbildung bei Vorliegen von fehlenden Werten abgesehen werden. Es besteht zudem die Möglichkeit, die individuelle Interesse-Aktivitäts-Passung zu ermitteln, indem Differenzwerte oder Profilkorrelationen zwischen FI- und FA-Skala bestimmt werden. In Tabelle 2 findet sich der Auswertungsschlüssel zur Skalenbildung, eine Übersicht der Items nach Primär- und Sekundärfaktoren geordnet findet sich außerdem bei Nikstat et al. (2018) im elektronischen Supplement 1. Höhere Werte der Items des FIFI-Ks bedeuten dabei immer eine höhere Ausprägung des jeweiligen Konstruktes (FA und FI).

 

Tabelle 2

Auswertungsschlüssel FIFI-K

Skala

Items

I. Rezeptiv-Erholsam

1, 6, 11, 16, 21, 26, 31, 36, 41, 45, 49, 53, 56, 59, 61, 63, 65, 66, 67

1. Sozial-unternehmerisch

1, 31, 56

2. Virtual Life

6, 36, 59

3. Heimische Entspannung

11, 41, 61

4. Musik

16, 45, 63

5. Urlaub

21, 49, 65

6. Kultur

26, 53, 66, 67

II. Aktiv-Erholsam

2, 7, 12, 17, 22, 27, 32, 37, 42, 46, 50, 54, 57, 60, 62, 64

7. Outdoor

2, 27, 50, 62

8. Tiere

7, 32

9. Naturnahe Erholung

12, 37, 54

10. Spiele & Rätsel

17, 42, 57

11. Wellness

22, 46, 60, 64

III. Hegend-Gestaltend

3, 8, 13, 18, 23, 28, 33, 38, 43, 47, 51, 55, 58

12. Haushalt

3, 23, 43

13. Gestalterisch-Handwerklich

8, 28, 47, 55, 58

14. Sozial-Unterstützend

13, 33, 51

15. Kochen & Backen

18, 38

IV. Intellektuell

4, 9, 14, 19, 24, 29, 34, 39, 44, 48, 52

16. Informierend-Bildend

4, 19, 34, 48

17. Intellektuell-Kreativ

9, 24, 39, 52

18. Religion & Spiritualität

14, 29, 44

V. Kompetitiv

5, 10, 15, 20, 25, 30, 35, 40

19. Finanzen

5, 20

20. Auto & Motorrad

10, 25, 35

21. Sport

15, 30, 40

 

Anwendungsbereich

Das FIFI-K ist als Selbstausfüller-Fragebogen zur Erfassung von Freizeitinteressen und -aktivitäten konzipiert und kann sowohl im Rahmen von Online-Befragungen als auch als Papier & Bleistift-Version eingesetzt werden. Bei Online-Befragung empfiehlt sich eine randomisierte Darbietung der Items. Das FIFI-K ist für Erwachsene konzipiert und evaluiert worden.

 

 

Freizeitbeschäftigungen sind Tätigkeiten, welche in dem Zeitraum außerhalb der Schul- oder Arbeitszeit ausgeführt werden, über den eine Person selbstbestimmt verfügen kann. Freizeitinteressen im weiten Sinne umfassen sowohl die intrinsische Motivation zu einer Freizeitbeschäftigung (passives Interesse) als auch die Quantität der Ausübung dieser (aktives Interesse) (Piepenburg & Kandler, 2016). Sie spielen eine bedeutsame Rolle für das psychische Wohlbefinden (Caunt et al., 2013; Dimidjian et al., 2006) und die physische Gesundheit (Dubbert, 2002; Iwasaki, 2003), und sind positiv mit subjektivem Wohlbefinden assoziiert, wobei nicht nur die Vielfalt und Häufigkeit eine Rolle spielen, sondern auch die Zufriedenheit mit der Freizeitbeschäftigung (Kuykendall et al., 2015; Schulz et al., 2018). Die meisten Studien und Instrumente zu Freizeitinteressen berücksichtigen diese Differenzierung allerdings nicht und erfassen lediglich das aktive Freizeitinteresse, z.B. durch die Abfrage der Häufigkeiten und/oder Dauer der jeweiligen Freizeitaktivität (vgl. Piepenburg & Kandler, 2016). Zudem ist auch die Struktur von Freizeitinteressen relativ wenig erforscht.

Mit der Operationalisierung des passiven Freizeitinteresses werden die Aspekte der intrinsischen Motivation (Ryan & Deci, 2000) und die subjektive Bedeutung der Freizeitbeschäftigung (Kuykendall et al., 2015) berücksichtigt, denn das aktive und passive Freizeitinteresse können sich bedeutsam voneinander unterscheiden (Hansen & Scullard, 2002). Darüber hinaus kann mit der Konvergenz aus aktivem und passivem Interesse abgebildet werden, inwieweit individuelle Freizeitinteressen überhaupt aktiv umgesetzt werden. Letzteres ist insbesondere für die beratende Praxis relevant, da mit der doch sehr umfänglichen Darstellung des alltäglichen idiografischen Freizeitverhaltens (Profildarstellungen) und einem gleichzeitigen Fokus auf einzelne Freizeitinteressensbereiche (Merkmalsdarstellung), die gut oder weniger gut ausgelebt werden, eine sehr differenzierte Beratung im Hinblick auf eine Steigerung der individuellen Work-Life-Balance möglich ist.

Auch für die klinische Anwendung kann der FIFI-K interessant sein, etwa bei PatientInnen mit depressiven Störungen, da die Verhaltensaktivierung in der Freizeit sich bei der Behandlung von Depressionen als wirksam zeigt (Dimidjian et al., 2006). Wenn eine verbesserte Passung zwischen Freizeitinteresse und -aktivität zu Stressreduktion und zu einer Steigerung des subjektiven Wohlbefindens führt, können die Diagnostik und entsprechende Beratungen fester Therapiebestandteil von Antriebsstörungen werden.

Mit dem Fragebogeninventar für Freizeitinteressen (FIFI; Piepenburg & Kandler, 2016; 135 Items) und entsprechend revidierter Version (FIFI-R; Schulz et al., 2018) wurden erstmals für den deutschen Sprachraum Freizeitinteressen und Freizeitaktivitäten breit abgebildet und die Strukturen beider Konstrukte (21 Primär- und 5 Sekundärfaktoren) untersucht. Allerdings ist die Bearbeitungszeit mit 20 bis 30 Minuten für viele Anwendungsfälle und großangelegte Panelstudien in der Forschung zu lang. Auch in der klinischen Praxis ist der Einsatz zeitökonomischer Instrumente ratsam, da viele Patientengruppen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite aufweisen können (Dilling et al., 2010). Aus diesem Grund wurde die Kurzversion des FIFI entwickelt, welche Freizeitinteressen weniger zeitaufwendig erfasst, jedoch die inhaltliche Bandbreite beibehält.

 

 

Itemkonstruktion und Itemselektion

Grundlage der Konstruktion des FIFI-K bildete die Langversion (FIFI) von Piepenburg und Kandler (2016). Der Itempool der Langversion wurde auf Basis von bereits etablierten Interessenfragebögen und Ergebnissen aus deutschen Freizeitstudien erstellt, wobei inhaltlich ähnliche Items zusammengefasst und sehr spezifische Items ausgeschlossen wurden (Details s. bei Piepenburg & Kandler, 2016). Das Ziel war es, ein ökonomischeres Instrument zu entwickeln, die inhaltliche Breite und Struktur des FIFI jedoch beizubehalten. Die Originalitems des FIFI wurden von vier unabhängigen BeurteilerInnen (drei Psychologiemasterstudierende und ein Psychologiedozent) hinsichtlich inhaltlicher Breite und Relevanz bewertet. Ausgeschlossen wurden Items, welche von keinem Beurteilenden als inhaltlich breit bzw. relevant eingeschätzt wurden, und Items, welche nur von einem Beurteilenden als relevant eingeschätzt wurden und zudem eine Faktorladung von < .50 und eine Trennschärfe von < .40 aufwiesen. Bei einer Beurteilerübereinstimmung von 100% bezüglich gegebener Relevanz und inhaltlicher Breite wurden auch einzelne Items mit geringeren Trennschärfen beibehalten. Items wurden nur ausgeschlossen, wenn sich dadurch die Reliabilität der entsprechenden Skala nicht verschlechterte. Im nächsten Schritt wurden nach statistischer Absicherung inhaltlich sehr ähnliche Items zusammengefasst (r > .50), wodurch sich der endgültige Itempool von 67 Items ergab. Zudem wurde die frühere FA-Skala des FIFI, welche absolute Häufigkeitsangaben (z. B. „einmal pro Woche") verwendet, in eine relative Häufigkeitsskala (z. B.  „häufig") überführt. Dadurch werden Items inter- und intrapersonell untereinander vergleichbarer. Eine subjektive Messung ist zudem diagnostisch relevanter, insbesondere in Bezug auf das subjektive Wohlbefinden (vgl. Kuykendall et al., 2015). Eine ausführlichere Beschreibung findet sich in der Originalquelle von Nikstat et al. (2018).

 

Stichproben

Die Stichprobe bestand aus 840 Personen (26 % männlich) zwischen 16 und 80 Jahren (M = 30.92, SD = 12.66; 73 % Abitur o. höherer Bildungsabschluss). Die Datenerhebung erfolgte ab Februar 2015 über das Online-Umfragetool Unipark in zwei Wellen mit einem Abstand von fünf Wochen zwischen den Messzeitpunkten. Die ProbandInnen wurden über Internetportale, direkte Ansprachen, E-Mail-Verteiler und Flyer rekrutiert. Unter allen Probanden, welche zu beiden Messzeitpunkten teilnahmen, wurden insgesamt 11 BestChoice Gutscheine im Gesamtwert von 500 Euro verlost. Zum zweiten Messzeitpunkt nahmen 443 Personen (53 %) erneut teil, darunter 119 (27 %) männliche Probanden. Die Spannweite des Alters betrug auch in dieser Teilstichprobe 16 bis 80 Jahre (M = 30.31, SD = 11.93). Die Programmierung des Fragebogens erlaubte keine einzelnen fehlenden Werte, so dass für alle gültigen Fälle vollständige Datensets zur Verfügung standen.

 

 

 

Itemanalysen

Aufgrund der Komplexität der hierarchischen Modelle wurden konfirmatorische Faktorenanalysen für jeden Sekundärfaktor separat durchgeführt. Die Modellierung und Schätzungen der Parameter erfolgte mit AMOS 22.0 (Arbuckle, 2012) mittels Maximum-Likelihood-Schätzalgorithmus. Die standardisierten Primär- und Sekundärfaktorenladungen aller fünf Modelle sind in den elektronischen Supplementen 2-6 bei Nikstat et al. (2018) dargestellt. Das hierarchische Modell der Rezeptiv-Erholsamen Interessen zeigte eine noch akzeptable Passung mit einem RMSEA < .08 (MacCallum et al., 1996) an die Daten (FI-Skala: χ²(146) = 794.18, RMSEA = .073, CFI = .786; FA-Skala: χ²(146) = 743.94, RMSEA = .070, CFI = .820). Auch die Passungen der hierarchischen Modelle der Aktiv-Erholsamen Interessen (FI-Skala: χ²(99) = 526.51, RMSEA = .072, CFI = .821; FA-Skala: χ²(99) = 445.66, RMSEA = .065, CFI = .812) sowie der Hegend-Gestaltenden Interessen (FI-Skala: χ²(61) = 231.81, RMSEA = .058, CFI = .916; FA-Skala: χ²(61) = 331.84, RMSEA = .073, CFI = .882) waren akzeptabel. Für das hierarchische Modell der Intellektuellen Interessen ergab die Strukturgleichungsanalyse eine akzeptable bis gute Passung an die Daten (FI-Skala: χ²(41) = 136.72, RMSEA = .053, CFI = .944; FA-Skala: χ²(41) = 139.34, RMSEA = .053, CFI = .929). Die Modellgüte für das hierarchische Modell der Kompetitiven Interessen konnte mit einem RMSEA < .05 (MacCallum et al., 1996) als gut bezeichnet werden (FI-Skala: χ²(17) = 50.82, RMSEA = .049, CFI = .973; FA-Skala: χ²(17) = 42.10, RMSEA = .042, CFI = .979).

 

Itemkennwerte

Die Mittelwerte, Standardabweichungen und Trennschärfen aller Items sind in Tabelle 3 dargestellt.

Die Trennschärfen fielen teilweise eher gering aus, was vor dem Hintergrund, dass der FIFI-K die inhaltliche Breite der Langversion abdecken soll, zu erwarten war (Bandbreiten-Fidelitäts-Dilemma; Krohne & Hock, 2007).

 

Tabelle 3

Mittelwerte und Standardabweichungen der manifesten Items

 

 

 

FI-Skala

FA-Skala

Item

Primärfaktor

Sekundärfaktor

M

SD

rit1

rit2

M

SD

rit1

rit2

1

1

I

4.75

0.53

.27

.26

4.05

0.92

.24

.28

2

7

II

3.12

1,24

.38

.39

1.44

0.64

.30

.28

3

12

III

2.40

0.89

.50

.33

3.79

0.95

.57

.43

4

16

IV

3.54

0.95

.35

.17

3.46

1.08

.37

.28

5

19

V

1.58

0.93

.37

.32

1.20

0.58

.32

.27

6

2

I

3.70

0.92

.47

.34

3.68

1.02

.39

.34

7

8

II

3.80

1.01

.44

.31

2.60

0.95

.39

.42

8

13

III

3.03

1.21

.37

.41

2.23

1.08

.30

.36

9

17

IV

2.14

1.21

.23

.22

1.45

0.86

.15

.16

10

20

V

2.03

1.02

.51

.42

1.78

0.91

.53

.39

11

3

I

4.23

0.88

.38

.28

3.08

0.98

.39

.24

12

9

II

4.04

0.92

.45

.41

2.83

0.90

.52

.47

13

14

III

3.64

1.14

.46

.37

2.59

1.25

.44

.41

14

18

IV

2.22

1.21

.73

.45

1.71

0.91

.66

.43

15

21

V

2.94

1.27

.57

.40

2.40

1.12

.56

.47

16

4

I

3.10

1.11

.60

.37

2.55

1.13

.66

.40

17

10

II

3.02

1.33

.20

-,03

2.31

1.23

.24

-.05

18

15

III

3.85

0.99

.40

.35

3.78

1.04

.41

.46

19

16

IV

3.48

0.98

.37

.27

3.06

0.98

.34

.29

20

19

V

1.87

0.93

.37

.24

2.02

0.87

.32

.30

21

5

I

4.01

0.99

.31

.39

3.00

0.95

.42

.38

22

11

II

3.08

1.17

.50

.40

2.00

1.02

.34

.37

23

12

III

2.63

0.99

.52

.34

3.55

0.85

.55

.51

24

17

IV

3.95

1.11

.22

.20

3.25

1.12

.21

.20

25

20

V

2.76

1.37

.50

.30

1.75

1.04

.54

.30

26

6

I

3.79

1.14

.42

.31

2.25

0.85

.40

.25

27

7

II

3.00

1.38

.40

.33

1.86

0.93

.34

.30

28

13

III

3.04

1.18

.30

.28

2.42

0.98

.36

.28

29

18

IV

1.97

1.15

.62

.50

1.54

0.92

.60

.49

30

21

V

2.65

1.38

.40

.35

1.73

1.18

.37

.28

31

1

I

3.66

1.11

.47

.46

2.83

1.00

.43

.49

32

8

II

4.01

1.15

.44

.23

3.06

1.39

.39

.24

33

14

II

3.81

0.82

.41

.37

3.59

0.98

.40

.44

34

16

IV

3.52

0.87

.36

.32

3.67

0.91

.28

.22

35

20

V

1.76

1.09

.52

.47

1.17

0.55

.45

.37

36

2

I

3.37

1.10

.49

.27

3.89

1.27

.39

.30

37

9

II

3.44

1.20

.51

.47

2.38

1.05

.51

.44

38

15

III

3.73

1.11

.40

.45

2.73

1.03

.41

.49

39

17

IV

2.72

1.35

.47

.34

1.79

1.05

.38

.28

40

21

V

2.64

1.25

.61

.43

2.40

1.18

.63

.49

41

3

I

4.17

0.81

.55

.39

3.85

0.92

.57

.26

42

10

II

3.81

1.04

.29

.16

2.66

0.92

.25

.24

43

12

III

2.46

0.92

.51

.43

3.37

1.05

.57

.42

44

18

IV

2.29

1.32

.75

.40

1.81

1.12

.70

.40

45

4

I

3.29

1.12

.63

.38

2.51

1.10

.62

.40

46

11

II

3.70

1.09

.37

.38

3.14

1.12

.30

.28

47

13

III

3.47

1.15

.59

.54

2.58

1.02

.58

.51

48

16

IV

3.82

0.91

.41

.24

3.15

0.93

.42

.25

49

5

I

3.94

0.94

.42

.37

2.49

0.84

.38

.29

50

7

II

2.30

1.31

.46

.38

1.31

0.75

.33

.23

51

14

III

3.95

0.97

.37

.36

3.30

0.95

.33

.31

52

17

IV

3.43

1.36

.33

.29

2.20

1.27

.22

.20

53

6

I

3.80

1.02

.39

.41

2.61

0.83

.47

.41

54

9

II

3.93

0.93

.47

.33

3.24

0.99

.45

.34

55

13

III

3.10

1.29

.47

.35

2.07

1.04

.44

.31

56

1

I

4.36

0.76

.26

.47

3.34

0.89

.62

.54

57

10

II

3.55

1.05

.28

.18

2.70

1.05

.29

.18

58

13

III

2.83

1,36

.48

.46

1.94

1.09

.41

.41

59

2

I

3.92

0.83

.49

.25

4.29

0.78

.40

.30

60

11

II

3.91

1.21

.38

.32

2.13

0.93

.31

.33

61

3

I

3.89

1.01

.32

.26

3.28

0.94

.35

.25

62

7

II

2.74

1.36

.50

.46

1.51

0.79

.35

.29

63

4

I

4.41

0.75

.72

.41

3.98

0.99

.53

.38

64

11

II

3.13

1.27

.56

.40

2.23

1.15

.48

.28

65

5

I

3.61

1.13

.55

.36

2.74

1.11

.62

.33

66

6

I

3.27

1.10

.45

.20

2.17

0.80

.44

.21

67

6

I

3.51

1.17

.62

.39

2.90

0.86

.65

.35

Anmerkung. FI-Skala von 1 (sehr gerne) bis 5 (sehr ungerne), FA-Skala von 1 (sehr häufig) bis 5 (nie), N = 840, rit1 = korrigierte Trennschärfe auf Primärskalenebene, rit2 = korrigierte Trennschärfe auf Sekundärskalenebene.

 

Objektivität

Die Durchführungs-, Auswertungs-, und Interpretationsobjektivität ist durch die leicht verständliche Anweisung und Handhabbarkeit sowie die klare Auswertungsvorschrift gegeben.

 

Reliabilität

Im Vergleich zum FIFI fiel die Interne Konsistenz (Tabelle 4) im Mittel geringer aus, was jedoch in Anbetracht der Kürze des FIFI-K bei möglichst gleicher inhaltlicher Heterogenität und Bandbreite (s.o., Krohne & Hock, 2007) nicht als negativ zu bewerten ist. Vor dem Hintergrund des notwendigen Kompromisses aus inhaltlicher Breite und ökonomischer Messung lag die Interne Konsistenz im noch akzeptablen bis guten Bereich. Zur Erfassung von relativ stabilen Merkmalen ist die Retest-Korrelation die Methode der Wahl zur Reliabilitätsschätzung (McCrae et al., 2011). Entsprechende Schätzungen waren durchweg akzeptabel (> .70) bis sehr gut (> .90). Erwartungsgemäß zeigten sich für die Sekundärskalen höhere Reliabilitätswerte als für die Primärskalen. Damit ist der FIFI-K im Vergleich zum FIFI und FIFI-R eine ökonomischere Alternative für reliable Gruppenvergleiche. Für eine zuverlässige Individualdiagnostik ist jedoch der FIFI-R dem FIFI-K vorzuziehen.

 

Tabelle 4

Reliabilitäten

 

 

FI-Skalen

FA-Skalen

 

Anzahl Items

ω

rtt

ω

rtt

Primärfaktoren

 

 

 

 

 

1. Sozial-Unternehmerisch

3

.68

.77

.72

.82

2. Virtual Life

3

.59

.77

.59

.81

3. Heimische Entspannung

3

.54

.68

.57

.71

4. Musik

3

.76

.82

.77

.83

5. Urlaub

3

.56

.74

.59

.76

6. Kultur

4

.57

.78

.61

.78

7. Outdoor

4

.65

.84

.54

.77

8. Tiere

2

.61

.84

.57

.83

9. Naturnahe Erholung

3

.66

.79

.68

.78

10. Spiele & Rätsel

3

.45

.79

.44

.77

11. Wellness

4

.67

.83

.58

.82

12. Haushalt

3

.69

.77

.74

.79

13. Gestalterisch-Handwerklich

5

.68

.86

.67

.83

14. Sozial-Unterstützend

3

.61

.81

.59

.83

15. Kochen & Backen

2

.57

.80

.58

.83

16. Informierend-Bildend

4

.59

.73

.57

.78

17. Intellektuell-Kreativ

4

.56

.78

.48

.82

18. Religion & Spiritualität

3

.84

.87

.81

.91

19. Finanzen

2

.54

.65

.49

.70

20. Auto & Motorrad

3

.69

.83

.69

.82

21. Sport

3

.73

.84

.73

.84

Sekundärfaktoren

 

 

 

 

 

I. Rezeptiv-Erholsam

19

.78

.81

.77

.84

II. Aktiv-Erholsam

16

.74

.84

.71

.82

III. Hegend-Gestaltend

13

.77

.86

.79

.88

IV. Intellektuell

11

.67

.80

.65

.83

V. Kompetitiv

8

.68

.80

.68

.82

Anmerkung. FI = Freizeitinteresse; FA = Freizeitaktivität; ω = McDonalds Omega (für Primärfaktoren hierarchischer, für Sekundärfaktoren totaler Koeffizient, N = 840); rtt = Retest-Reliabilität (Intervall von 5 Wochen, N = 443).

 

 

Validität

Die replizierte dimensionale Struktur des FIFI-K impliziert eine hinreichende faktorielle Validität und kann ebenfalls als erster Hinweis auf die Konstruktvalidität des Fragebogens verstanden werden.

Auf Sekundärfaktorebene lagen die konvergenten Korrelationen zwischen FI- und FA-Skalen konsistent bei r > .50, die divergenten bei r < .30, auf Primärfaktorebene zeigte sich ein nahezu gleiches Muster (Tabelle 5). Einzig der Primärfaktor Haushalt" wies eine eher niedrige Passung zwischen FI- und FA-Skala auf, wobei hier sehr nachvollziehbar ist, dass das Interesse an der Tätigkeit vermutlich eher gering ist, die Häufigkeit mit der die Tätigkeit notwendigerweise ausgeführt wird jedoch relativ hoch. Große interindividuelle Unterschiede in der Passung sind hier zu erwarten. Alle divergenten Koeffizienten lagen jedoch deutlich unter den Werten der mit ihnen assoziierten konvergenten Korrelationen, so dass sowohl die konvergente als auch die divergente Validität als hoch einzuschätzen ist.

 

Tabelle 5

Konvergente und divergente Validität

 

FA-Skalen

 

FI-Skalen

Rezeptiv-Erholsam

Aktiv-Erholsam

Hegend-Gestaltend

Intellektuell

Kompetitiv

Rezeptiv-Erholsam

.67**

.14**

.25**

.12**

.05

Aktiv-Erholsam

.16**

.53**

.20**

.12**

.08*

Hegend-Gestaltend

.15**

.29**

.66**

.17**

-.03

Intellektuell

.11**

.21**

.20**

.76**

.05

Kompetitiv

.16**

.21**

.06

.09*

.76**

Anmerkungen: N = 840; FI: wie gerne eine Tätigkeit ausgeübt wird; FA: wie häufig eine Tätigkeit ausgeübt wird; konvergente Korrelationskoeffizienten sind fett gedruckt. * p < .05, ** p < .01.

 

Da Freizeitverhalten im Zusammenhang mit Wohlbefinden steht (Kuykendall et al, 2015) wurde als Kriterium für konkurrente Validität der Zusammenhang zwischen den FI- und FA-Skalen und der Habituellen Subjektiven Wohlbefindensskala (HSWBS; Dalbert, 1992) untersucht. Obwohl auch die Freizeitinteressen (FI-Skalen) erwartungsgemäß signifikante Korrelationen zum subjektiven Wohlbefinden zeigten (rgesamt = .22, p < .01), waren die tatsächlich ausgeführten Freizeitaktivitäten in der Regel etwas stärker mit dem subjektiven Wohlbefinden assoziiert (rgesamt = .29, p < .01). In einem Regressionsmodell mit den individuellen FI- und FA-Gesamtwerten als Prädiktoren (F(2, 837) = 40.52, p = .000; = .09) wurde der Zusammenhang zwischen FI-Skala und HSWBS allerdings nicht mehr signifikant (β = .07, p = .080), während sich die FA-Skala (β = .25, p = .000) und der indirekte Effekt (β = .08, 95% KI [.05, .11]) als bedeutsam erwiesen. Der Zusammenhang von Freizeitinteressen und subjektivem Wohlbefinden scheint also durch die tatsächliche Ausführung entsprechender Freizeitaktivitäten vermittelt zu werden. Da nicht nur Freizeitaktivität, sondern auch die individuelle Passung von Freizeitinteressen mit der Möglichkeit, diese ausüben zu können eine nicht unerhebliche Rolle für das subjektive Wohlbefinden spielen kann, wurden die individuellen FI-FA-Passungen über Profilkorrelationen berechnet und in Zusammenhang zu subjektivem Wohlbefinden gestellt. Es zeigte sich, dass die individuelle Passung zwischen Freizeitinteressen und Freizeitaktivitäten erwartungsgemäß ebenfalls eine bedeutsame Rolle für das subjektive Wohlbefinden spielt (r = .19; p = .000). Insgesamt kann also auch die konkurrente Validität des FIFI-K als hoch bewertet werden. Weitere Details zu den Validitätskriterien finden sich bei Nikstat et al. (2018).

 

Deskriptive Statistiken

Tabelle 6 enthält die deskriptiven Statistiken der FI- und FA-Skalen für alle Primär- und Sekundärfaktoren des FIFI-K.

 

Tabelle 6

Deskriptive Statistiken der FI- und FA-Skalen

 

FI-Skalen

 

FA-Skalen

 

M

SD

S

K

 

M

SD

S

K

Primärfaktoren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Sozial-Unternehmerisch

4.26

.62

-.96

1.14

 

3.41

.71

-.12

-.06

2. Virtual Life

3.66

.71

-.19

-.17

 

3.96

.76

-.71

.16

3. Heimische Entspannung

4.10

.65

-.63

.22

 

3.41

.69

-.08

-.14

4. Musik

3.60

.82

-.35

-.32

 

3.01

.89

.18

-.58

5. Urlaub

3.85

.73

-.65

.33

 

2.75

.71

.22

.02

6. Kultur

3.59

.72

-.59

.41

 

2.48

.56

.31

.50

7. Outdoor

2.79

.92

.10

-.62

 

1.53

.51

1.22

1.73

8. Tiere

3.91

.92

-.87

.43

 

2.83

.99

.25

-.71

9. Naturnahe Erholung

3.80

.79

-.56

-.05

 

2.82

.77

.22

-.19

10. Spiele & Rätsel

3.46

.78

-.34

-.22

 

2.55

.73

.26

-.08

11. Wellness

3.45

.84

-.52

-.08

 

2.38

.70

.21

-.52

12. Haushalt

2.50

.73

.11

-.26

 

3.57

.77

-.43

-.07

13. Gestalterisch-Handwerklich

3.09

.82

-.23

-.38

 

2.25

.68

.55

-.04

14. Sozial-Unterstützend

3.80

.73

-.62

.31

 

3.16

.78

.30

-.44

15. Kochen & Backen

3.79

.88

-.66

.17

 

3.26

.88

-.17

-.38

16. Informierend-Bildend

3.59

.62

-.49

.81

 

3.34

.64

-.08

-.04

17. Intellektuell-Kreativ

3.06

.81

-.19

-.44

 

2.17

.66

.63

.21

18. Religion & Spiritualität

2.16

1.06

.66

-.44

 

1.69

.83

1.51

2.05

19. Finanzen

1.73

.77

1.23

1.39

 

1.61

.59

1.53

3.55

20. Auto & Motorrad

2.18

.91

.71

.13

 

1.57

.66

1.64

3.03

21. Sport

2.74

1.03

.11

-.76

 

2.18

.91

.76

-.10

Sekundärfaktoren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I. Rezeptiv-Erholsam

3.83

.44

-.66

1.38

 

3.13

.42

-.14

.41

II. Aktiv-Erholsam

3.41

.52

-.27

.01

 

2.34

.41

.28

.02

III. Hegend-Gestaltend

3.23

.55

-.27

.08

 

2.92

.54

.17

-.14

IV. Intellektuell

3.01

.54

-.03

-.11

 

2.46

.47

.60

.59

V. Kompetitiv

2.28

.64

.32

-.15

 

1.81

.52

.91

.90

Anmerkung. N = 840; FI = Freizeitinteresse; FA = Freizeitaktivität; S = Schiefe; K = Kurtosis; Wertebereich der Skalen: 1-5.

 

Nebengütekriterien

Das FIFI-K zeichnet sich zusätzlich zu seiner guten psychometrischen Qualität auch durch eine hohe Anwendungsökonomie und Akzeptanz aus. Freizeitinteressen werden kurz aber dennoch umfassend erfasst. Die Bearbeitungsdauer des Online-Fragebogens lag lediglich bei etwa 13 Minuten, die für Online-Umfragen sehr geringe Abbruchquote während der Bearbeitung des Fragebogens lag bei unter 8%. Außerdem hatten alle Versuchspersonen die Möglichkeit, nach dem Ausfüllen des Fragebogens Kommentare zu hinterlassen. Diese waren überwiegend positiv.

Da der Ausprägungsgrad bestimmter Interessen und die Struktur bezüglich der Zusammenhänge bestimmter Freizeitinteressen und Freizeitaktivitäten geschlechtsspezifische Unterschiede aufweisen können, wurde außerdem Mess- und Strukturmodellinvarianz zwischen Männern und Frauen geprüft (Tabelle 7). Unterschiede fanden sich vor allem für die Sekundärfaktoren II (Aktiv-Erholsam) und V (Kompetitiv). Sowohl im Struktur- als auch im Messmodell variierten die Ladungen auf den Faktor II für FI- und FA-Skala bei Frauen stärker als bei Männern, während sich für Sekundärfaktor V für Männer eine größere Konsistenz der FI- und FA-Skalenwerte fand. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen können allerdings insgesamt als marginal betrachtet werden.

 

Tabelle 7

Mess- und Strukturmodellinvarianz zwischen Männern und Frauen

SF

Skala

Modell

χ²

df

RMSEA

CFI

Δχ²

Δdf

p

I

FI

m ≠ w

1001.48

292

.054

.889

 

 

 

 

 

m = w (M)

1039.48

311

.053

.885

37.99

19

.01

 

 

m = w (S)

1012.66

298

.053

.888

11.18

6

.08

 

 

m = w (M + S)

1051.31

317

.053

.883

49.82

25

.00

 

FA

m ≠ w

943.84

292

.052

.889

 

 

 

 

 

m = w (M)

959.03

311

.050

.884

15.20

19

.71

 

 

m = w (S)

946.44

298

.051

.887

2.61

6

.86

 

 

m = w (M + S)

974.44

317

.050

.888

30.60

25

.25

II

FI

m ≠ w

612.80

198

.050

.914

 

 

 

 

 

m = w (M)

649.73

214

.049

.909

36.92

16

.00

 

 

m = w (S)

627.18

203

.050

.912

14.38

5

.01

 

 

m = w (M + S)

659.47

219

.049

.907

46.67

21

.00

 

FA

m ≠ w

566.94

198

.047

.922

 

 

 

 

 

m = w (M)

600.42

214

.046

.916

33.48

16

.01

 

 

m = w (S)

578.94

203

.047

.920

12.01

5

.04

 

 

m = w (M + S)

607.74

219

.046

.915

40.80

21

.01

III

FI

m ≠ w

284.28

122

.040

.948

 

 

 

 

 

m = w (M)

327.53

135

.041

.941

43.24

13

.00

 

 

m = w (S)

289.98

126

.039

.947

5.70

4

.22

 

 

m = w (M + S)

336.90

139

.041

.939

52.62

17

.00

 

FA

m ≠ w

369.20

122

.049

.935

 

 

 

 

 

m = w (M)

437.55

135

.052

.923

68.36

13

.00

 

 

m = w (S)

381.48

126

.049

.933

12.29

4

.02

 

 

m = w (M + S)

447.07

139

.051

.921

77.87

17

.00

IV

FI

m ≠ w

170.29

82

.036

.948

 

 

 

 

 

m = w (M)

175.42

93

.033

.951

5.13

11

.93

 

 

m = w (S)

172.60

85

.035

.948

2.31

3

.51

 

 

m = w (M + S)

178.53

96

.032

.951

8.25

14

.88

IV

FA

m ≠ w

163.29

82

.034

.941

 

 

 

 

 

m = w (M)

187.56

93

.035

.931

24.27

11

.01

 

 

m = w (S)

164.76

85

.033

.942

1.47

3

.69

 

 

m = w (M + S)

190.13

96

.034

.932

26.84

14

.02

V

FI

m ≠ w

53.19

34

.026

.983

 

 

 

 

 

m = w (M)

77.21

42

.032

.969

24.02

8

.00

 

 

m = w (S)

62.19

37

.029

.978

9.00

3

.03

 

 

m = w (M + S)

109.66

45

.041

.942

56.47

11

.00

 

FA

m ≠ w

37.16

34

.011

.997

 

 

 

 

 

m = w (M)

133.97

42

.051

.914

96.80

8

.00

 

 

m = w (S)

59.58

37

.027

.979

22.42

3

.00

 

 

m = w (M + S)

163.52

45

.056

.889

126.35

11

.00

Anmerkungen: SF: Sekundärfaktor; FI: Freizeitinteressenskala; FA: Freizeitaktivitätsskala; m ≠ w: Modelle unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen; m = w (M): Messmodelle unterscheiden sich nicht zwischen Männern und Frauen; m = w (S): Strukturmodelle unterscheiden sich nicht zwischen Männern und Frauen; m = w (M + S): Modelle unterscheiden sich nicht zwischen Männern und Frauen.

 

Nikstat, A., Höft, A., Lehnhardt, J., Hofmann, S., & Kandler, C.