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Ethnische und nationale Identität von Kindern und Jugendlichen

  • Autor/in: Leszczensky, L. & Gräbs Santiago, A.
  • In ZIS seit: 2014
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis158
  • Zusammenfassung: Das Instrument erfasst ethnische und nationale Identität von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Insgesamt 14 Items messen die kognitive, evaluative und affektuelle Di ... mehrmension von Identität. Die geschätzte Reliabilität liegt in einem Bereich zwischen 0.76 und 0.89. Hinweise für die Konstruktvalidität der Skala liegen vor. weniger
    Abstract: The instrument measures the ethnic and national identity of children and adolescents with and without a migration background. A total of 14 items measure the cognitive, evaluative and affective dim ... mehrensions of identity. The estimated reliability lies in a range between 0.76 and 0.89. There are indications for the construct validity of the scale. weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch
  • Anzahl der Items: 14
  • Reliabilität: Cronbachs Alpha =.76 bis .88; Raykovs Omega = .77 bis .89
  • Validität: Hinweis auf Konstruktvalidität
  • Konstrukt: ethnische Identität, nationale Identität
  • Schlagwörter: Identität, ethnisch, national, Identifikation, Integration | identity, ethnic, national, identification, integration
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: nein
  • Entwicklungsstand: validiert
    • Instruktion

      Die Fragen zur nationalen Identität werden zuerst gestellt, da sie sich sowohl an Kinder und Jugendliche mit als auch ohne Migrationshintergrund richten und somit keinen vorherigen Filter erfordern.

      Vor den Fragen zur ethnischen Identität werden die Befragten darum gebeten, das Herkunftsland ihrer Familie aufzuschreiben.

       

      Du hast angegeben, dass jemand von deinen Eltern oder Großeltern in einem anderen Land als Deutschland geboren ist. Schreibe bitte dieses andere Land auf. (Wenn deine Eltern oder Großeltern in unterschiedlichen Ländern geboren sind, schreibe bitte das Land auf, das wichtiger für dich ist.)

      Bitte schreibe das Land auf:

      ___________________________________________________________

      Dieses Land nennen wir ab jetzt das Herkunftsland deiner Familie.“

       

      Bei allen Fragen wird die Instruktion gegeben, nur ein Kästchen anzukreuzen (wörtliche Instruktion bei den Item-Batterien lautet „Bitte in jeder Zeile ein Kästchen ankreuzen.“, und bei der Frage zur Gruppenzugehörigkeit und Selbstkategorisierung „Bitte nur ein Kästchen ankreuzen.“). Die Frage nach der Selbstkategorisierung ist jedoch halboffen gestellt. Nach der letzten Antwortkategorie gibt es die Möglichkeit einer offenen Angabe. Die Befragten werden darin gebeten, aufzuschreiben, als was sie sich sehen („Bitte schreibe auf, als was du dich siehst.“)

       

      Items und Antwortvorgaben

      Nr.

      Item

      Dimension

      K1

      Als was siehst du dich selbst?

      Kognitiv: Gruppenzugehörigkeit

      K2

      Manche Menschen sehen sich als deutsch an, andere zum Beispiel als türkisch und wieder andere als deutsch-türkisch. Wie ist das bei dir? Als was siehst du dich?

      Kognitiv: Selbstkategorisierung

      (Duale Identität)

      N1

      Ich bin zufrieden damit, zu Deutschland zu gehören.

      Nationale Identität: Evaluativ

      (Private Regard)

      N2

      Ich bin froh, zu Deutschland zu gehören.

      Nationale Identität: Evaluativ

      (Private Regard)

      N3

      Es stört mich, wenn jemand schlecht über Deutschland spricht.

      Nationale Identität: Affektuell

      (Verbundenheit)

      N4

      Deutschland liegt mir sehr am Herzen.

      Nationale Identität: Affektuell

      (Verbundenheit)

      N5

      Ich fühle mich eng verbunden mit den Deutschen.

      Nationale Identität: Affektuell

      (Verbundenheit)

      N6

      Ich fühle mich als Teil von Deutschland.

      Nationale Identität: Affektuell

      (Verbundenheit)

      E1

      Ich bin zufrieden damit, zum Herkunftsland meiner Familie zu gehören.

      Ethnische Identität: Evaluativ

      (Private Regard)

      E2

      Ich bin froh, zum Herkunftsland meiner Familie zu gehören.

      Ethnische Identität: Evaluativ

      (Private Regard)

      E3

      Es stört mich, wenn jemand schlecht über das Herkunftsland meiner Familie spricht.

      Ethnische Identität: Affektuell

      (Verbundenheit)

      E4

      Das Herkunftsland meiner Familie liegt mir sehr am Herzen.

      Ethnische Identität: Affektuell

      (Verbundenheit)

      E5

      Ich fühle mich eng verbunden mit den Menschen aus dem Herkunftsland meiner Familie.

      Ethnische Identität: Affektuell

      (Verbundenheit)

      E6

      Ich fühle mich als Teil des Herkunftslandes meiner Familie.

      Ethnische Identität: Affektuell

      (Verbundenheit)

       

      Antwortvorgaben

      -       Item K1: Nur als Deutschen“, „Mehr als Deutschen“, „Als Beides gleichermaßen“, „Mehr als Menschen aus dem Herkunftsland meiner Familie“, „Nur als Menschen aus dem Herkunftsland meiner Familie“

      -       Item K2: Halboffen: „Deutsch“, „Türkisch“, „Deutsch-Türkisch“, „Kurdisch“, „Deutsch-Kurdisch“, „Italienisch“, „Deutsch-Italienisch“, „Polnisch“, „Deutsch-Polnisch“, „Etwas anderes, und zwar: "“

      -       Item N1-N6 und Item E1-E6: „Trifft voll und ganz zu“, „Trifft eher zu“, „Weder noch“, „Trifft eher nicht zu“, „Trifft überhaupt nicht zu“

       

      Auswertungshinweise

      Die bewusste Gruppezugehörigkeit (kognitive Dimension) wird mit Item K1 und Item K2 abgebildet. Private Regard und Verbundenheit werden dann durch entsprechende Subskalen getrennt für nationale und ethnische Identität abgebildet. Vor der Auswertung werden die Items N1 bis N6 und E1 bis E6 jeweils so umkodiert, dass höhere Werte eine stärkere Zustimmung bedeuten. Dann können die Werte der Subskalen gebildet werden: (1) Der Mittelwert der Items N1 und N2 entspricht Private Regard der nationalen Identität, (2) der Mittelwert der Items N3 bis N6 Verbundenheit der nationalen Identität, (3) analog entspricht der Mittelwert der Items E1 und E2 Private Regard der ethnischen Identität und (4) der Mittelwert der Items E3 bis E5 Verbundenheit der ethnischen Identität.  

       

       

      Anwendungsbereich

      Das Messinstrument wird in Form eines selbstauszufüllenden Fragebogens bei der standardisierten schriftlichen Befragung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Das Instrument wurde für Kinder und Jugendliche unterschiedlicher ethnischer Herkunft im Alter von 10 bis 16 Jahren entwickelt und getestet. 

       

       

    Ethnische Identität ist ein Spezialfall sozialer Identität (Ashmore, Deaux & McLaughlin-Volpe, 2004; Phinney, 1990). Soziale Identität wird ganz allgemein deniert als

    “that part of an individual’s self-concept which derives from his knowledge of his membership of a social group (or groups) together with the value and emotional signicance attached to that membership“ (Tajfel, 1978, S. 63, Hervorhebungen nicht im Original).

    Dieser Definition zufolge lassen sich (mindestens) drei Dimensionen sozialer Identität unterscheiden: die kognitive Dimension verweist auf das subjektive Bewusstsein, einer Gruppe anzugehören, die evaluative Dimension auf die Bewertung dieser Gruppenzugehörigkeit und die affektuelle Dimension auf die gefühlsmäßige Verbundenheit mit dieser Gruppe (Ashmore et al., 2004; Ellemers, Kortekaas & Ouwerkerk, 1999; Jackson, 2002). Ethnische Identität umfasst demnach nicht nur das Wissen um die eigene ethnische Herkunft, sondern auch die mit dieser Herkunft verbundenen Bewertungen und die emotionale Bindung an die entsprechende Herkunftsgruppe. Daher erfassen die vorliegenden Skalen sowohl kognitive als auch evaluative und affektuelle Aspekte.

    Nationale Identität bildet für Migranten und ethnische Minderheiten das Gegenstück zur ethnischen Identität, dessen Bezugspunkt nicht die ethnische Herkunft, sondern das Aufnahmeland ist (vgl. Schwartz et al., 2012; Verkuyten & Martinovic, 2012).

    Nach Berry (2001) lässt sich das Verhältnis ethnischer und nationaler Identität durch die idealtypischen vier Fälle der Integration, Assimilation, Separation und Marginalität beschreiben. Integration, also die Identifikation sowohl mit der Aufnahme- als auch der Herkunftsgesellschaft, kann auch als duale Identität bezeichnet werden (Verkuyten & Martinovic, 2012). Solche Bindestrich-Identitäten (z.B. Deutsch-Türkisch) sind allerdings nicht notwendigerweise die Kombination gleichermaßen stark ausgeprägter ethnischer und nationaler Identität (vgl. Simon & Ruhs, 2008; Simon & Grabow, 2010). Die duale Identität wird daher direkt in Form einer Selbstkategorisierung der Befragten erfasst.

     

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Die Auswahl der Fragen und Items basieren zum einen auf eigenen Übersetzungen etablierter amerikanischer Messinstrumente, wie z.B. Multigroup Ethnic Identity Measure-Revised (MEIM-R, Phinney & Ong, 2007) und Ethnic Identity Scale (EIS, Umaña-Taylor, Yazedjian & Bámaca-Gómez, 2004), zum anderen auf relevanten deutschsprachigen Studien wie dem Nationalen Bildungspanel (Blossfeld, Roßbach & von Maurice, 2011). Es wurde ein Item-Pool mit etwa 50 Items für Private Regard und Verbundenheit erstellt und die Verständlichkeit der einzelnen Items für Kinder und Jugendliche von den Projektmitarbeitern eingeschätzt. Viele Items wurden dabei als für deutsche Kinder und Jugendliche nicht hinreichend verständlich beurteilt. Dies lag vor allem daran, dass die meisten vorhandenen Messinstrumente nicht für ältere Kinder oder für jüngere Jugendliche, sondern für Jugendliche im Alter von 15 Jahren entwickelt wurden. Darüber hinaus sind einige in der englischsprachigen Literatur verwendete Begriffe im Deutschen nicht gebräuchlich, wie z.B. „ethnische Gruppe“.  Die ausgewählten Items wurden mithilfe kognitiver Interviews mit insgesamt 45 Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund im Alter von 10 bis 16 Jahren stufenweise getestet und optimiert (Leszczensky, 2012).

     

    Stichprobe

    Die Daten für die Prüfung des Messinstruments stammen aus der ersten Erhebungswelle einer Befragung im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes „Soziale Netzwerke und ethnische Identifikationen jugendlicher Migranten“. Die Befragung wurde in neun Haupt-, Real- und Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen mit einem erhöhten Anteil von SchülerInnen mit Migrationshintergrund durchgeführt. Es wurden alle SchülerInnen der Jahrgänge 5, 6 und 7 schriftlich im Klassenverband befragt. Die Schulen wurden innerhalb vorgegebener Strata entsprechend unterschiedlich hoher Anteile von SchülerInnen nichtdeutscher Herkunft zufällig gezogen (Leszczensky & Pink, 2013a). Insgesamt beteiligten sich 76.5% der SchülerInnen an der Befragung. Die Analysen basieren auf Angaben von insgesamt 1,668 Kindern und Jugendlichen.

    Die befragten SchülerInnen waren zum Zeitpunkt der Befragung im April oder Mai 2013 zwischen 9 und 17 Jahren alt (M = 12.77; SD = 1.14). 18% besuchten die Hauptschule, 36% die Realschule und 46% eine Gesamtschule. 65% der teilnehmenden SchülerInnen haben einen Migrationshintergrund. Die größte Migrantengruppe bilden SchülerInnen türkischer Herkunft mit 38%, gefolgt von SchülerInnen polnischer (10%) und russischer Herkunft (7%).

    Aufgrund des Erhebungsdesigns sind die Daten nicht repräsentativ für Kinder und Jugendliche in Deutschland, da zum Beispiel keine Gymnasiasten befragt wurden. Da Gymnasiasten aber über (mindestens) genauso gute kognitive Fähigkeiten wie die in der Stichprobe enthaltenen SchülerInnen verfügen dürften, kann davon ausgegangen werden, dass das Messinstrument für diese Gruppe ebenfalls geeignet ist.

     

    Variablen

    In den Analysen wird zwischen SchülerInnen mit und ohne Migrationshintergrund sowie verschiedenen Migrationsgenerationen und Altersstufen unterschieden. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind SchülerInnen mit mindestens einem im Ausland geborenen Großelternteil. Jugendliche, die selbst im Ausland geboren sind, sind Migranten erster Generation. Jugendliche mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil sind Migranten zweiter Generation. Migranten dritter Generation sind in Deutschland geborene Jugendliche, deren Eltern ebenfalls in Deutschland geboren wurden, von denen aber mindestens ein Großelternteil im Ausland geboren wurde. Für die Erfassung des Migrationshintergrundes werden zudem ergänzende Informationen der zweiten Erhebungswelle verwendet. Es werden die Altersgruppen 9 bis 11, 12 bis 13 und 14 bis 17 Jahre unterschieden.

    Zur Beurteilung der Konstruktvalidität wird der Zusammenhang zwischen der nationalen und ethnischen Identität und Indikatoren der sozialen und kulturellen Integration betrachtet. Soziale Integration wird anhand des Anteils der Freunde aus Deutschland einerseits und aus dem  Herkunftsland der Familie andererseits operationalisiert. Die SchülerInnen schätzten ein, wie viele ihrer Freunde, die nicht auf ihre Schule gehen, aus Deutschland bzw. aus ihrem Herkunftsland kommen. Die Antwortskala umfasst jeweils fünf Kategorien: „alle“, „mehr als die Hälfte“, „ungefähr die Hälfte“, „weniger als die Hälfte“ und „keine“. Die fünfstufige Skala wurde umkodiert, so dass höhere Werte einem höheren Anteil an Freunden entsprechen.

    Kulturelle Integration wird durch die subjektive Einschätzung der eigenen Kenntnisse der deutschen Sprache und der des Herkunftslandes der Familie erfasst. Die Jugendlichen beurteilten ihre Kenntnisse hinsichtlich des Sprechens, Verstehens, Schreibens und Lesens jeweils anhand einer vierstufigen Skala. Die Frage lautete „Wie gut kannst du Deutsch sprechen / verstehen / lesen / schreiben?“ Auf dieselbe Weise wurde nach der subjektiven Einschätzung der Kenntnisse der Sprache des Herkunftslandes der Familie gefragt. Die Antwortkategorien lauteten „gar nicht“, „nicht gut“, „gut“ und „sehr gut“. Es wurde der Durchschnitt der jeweiligen vier Items sowohl für die deutsche Sprache (Cronbachs α = 0.82) als auch für die Sprache des Herkunftslandes berechnet (Cronbachs α = 0.84). Höhere Werte auf der Skala repräsentieren bessere Kenntnisse der jeweiligen Sprache.

     

    Auswertungsmethoden

    Mittels jeweils einer explorativen Faktorenanalyse wurde die zugrundeliegende Faktorenstruktur der nationalen und ethnischen Identität untersucht. Es wurde eine Hauptachsenanalyse mit obliquer Promax-Rotation und Kaiser-Normalisierung angewendet. Die fehlenden Werte wurden listenweise ausgeschlossen.

    Anschließend wurden zusätzlich konfirmatorische Faktorenanalysen durchgeführt (Worthington & Whittaker, 2006). Auf diese Weise lässt sich die Modellpassung der theoretisch angenommenen und durch die explorative Faktorenanalyse empirisch aufgedeckten Faktoren beurteilen (Brown, 2006, S. 14). Da die Variablen nicht normalverteilt sind, basiert die Schätzung auf dem Maximum-Likelihood-Verfahren mit robusten Standardfehlern und Satorra-Bentler skalierten Werten (Brown, 2006, S. 76; Satorra & Bentler, 2001). Fehlende Werte wurden listenweise ausgeschlossen. Es wurden χ², TLI, CFI, RMSEA und SRMR zur Bewertung der Modellanpassung herangezogen. Folgende Werte deuten auf einen akzeptablen Modellfit hin: TLI > 0.95, CFI > 0.95, RMSEA < 0.08, SRMR < 0.08 (Hu & Bentler, 1999; Schermelleh-Engel, Moosbrugger & Müller, 2003; Brown, 2006, S. 86 f.). Für den Modellvergleich wurde zusätzlich das AIC berücksichtigt.

    Bei der Messung latenter Konstrukte wie nationaler und ethnischer Identität muss gewährleistet sein, dass die Messung über verschiedene Gruppen hinweg konsistent ist (Kline, 2011, S. 251 ff.; Vandenberg & Lance, 2000). Daher wurde die Messinvarianz zwischen Kindern und Jugendlichen deutscher und nichtdeutscher Herkunft sowie zwischen Migrationsgenerationen und Altersgruppen überprüft. Die Analyse der Messinvarianz basierte zunächst auf separaten konfirmatorischen Faktorenanalysen innerhalb jeder Gruppe (Brown, 2006, S. 268 ff.). Daneben wurde eine multiple Gruppenanalyse durchgeführt, die alle Gruppen berücksichtigt und mehrere aufeinanderfolge Stufen der Messinvarianz umfasst (Jöreskog, 1971). Auf der ersten Stufe wird die konfigurale Invarianz überprüft. Dabei wird angenommen, dass die unterschiedlichen Gruppen die gleiche Faktorenstruktur aufweisen. Das bedeutet, dass sowohl die Zahl der Faktoren als auch die Zugehörigkeit der Items zu den Faktoren über den Gruppen hinweg gleich sind. Auf der zweiten Stufe wird die metrische Invarianz getestet. Das Messmodell wird darin stärker restringiert. So wie im vorherigen Schritt wird über die Gruppen die gleiche Faktorenstruktur angenommen. Zusätzlich wird festgelegt, dass die Faktorladungen in den unterschiedlichen Gruppen gleich sind. Bei Bestätigung metrischer Invarianz kann gefolgert werden, dass sich das Konstrukt gruppenübergreifend auf die gleiche Weise zeigt. Auf der letzten Stufe wird die skalare  Invarianz getestet. Neben den vorherigen Restriktionen werden in diesem Modell die Itemintercepts gleichgesetzt. Dahinter steht die Annahme, dass die resultierenden Faktorwerte auf den gleichen Mittelwerten der Items über die Gruppen beruhen. Bei gegebener skalarer Invarianz können die unterschiedlichen Gruppen hinsichtlich des Konstrukts miteinander verglichen werden (Brown 2006: 268 ff.; Kline 2011: 251 ff.). Ein negativer Wert bei der CFI-Differenz unter -0.01 deutet auf mangelnde Messinvarianz hin (Cheung & Rensvold, 2002; Dimitrov, 2010).

    Die Reliabilität der Skalen nationaler und ethnischer Identität wurde anhand Raykovs ω und Cronbachs α ermittelt (Raykov, 1997). Die Konstruktvalidität wurde durch die Korrelation der Skalen untereinander und mit Indikatoren sozialer und kultureller Integration überprüft.

    Für die konfirmatorischen Faktorenanalysen und die Prüfung der Messinvarianz wurde das lavaan-Paket (Version 0.5-15) in der Statistik-Software R (Version 3.0.2) verwendet (Rosseel, 2012). Die restlichen Analysen wurden in Stata (Vers. 12.1) durchgeführt.

     

    Itemanalysen

    Kognitive Dimension: Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sieht sich gleichermaßen als Deutscher und als Mensch aus dem Herkunftsland der Familie an. Zwischen den beiden Variablen zur Messung der kognitiven Dimension, Gruppenzugehörigkeit (K1) und Selbstkategorisierung (K2), speziell das Vorliegen dualer Identität, besteht darüber hinaus ein erwartungsgemäßer Zusammenhang (siehe Tabelle 2). Fast zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen mit dualer Identität geben demnach an, sich gleichermaßen als Deutsche als auch als Menschen aus dem Herkunftsland zu sehen. Gleichwohl ist erkennbar, dass duale Identität nicht zwangsläufig mit gleichermaßen stark empfundener nationaler und ethnischer Identität einhergehen muss (vgl. Simon & Ruhs, 2008; Simon & Grabow, 2010).

    Tabelle 2

    Kognitive Dimension: Gruppenzugehörigkeit und duale Identität von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

     

    Vorliegen dualer Identität (K2)

     

    Der Jugendliche sieht sich" (K1)

    Duale Identität

    Nur deutsche Identität

    Nur HKL Identität

    Gesamt

    N

    ... nur als Deutschen

    4.23%

    50.00%

    2.49%

    9.74%

    94

    ... mehr als Deutschen

    8.46%

    14.62%

    1.38%

    6.63%

    64

    ... als Beides gleichermaßen

    64.27%

    28.46%

    25.41%

    44.87%

    433

    ... mehr als Menschen aus dem HKL

    16.70%

    3.08%

    32.60%

    20.83%

    201

    ... nur als Menschen aus dem HKL

    6.34%

    3.85%

    38.12%

    17.93%

    173

    Gesamt

    100.00%

    100.00%

    100.00%

    100.00%

     

    N

    473

    130

    362

     

    965

                 

     

    Nationale Identität: Evaluative und affektuelle Dimension: Es wurde eine explorative Faktorenanalyse über die Items zur nationalen Identität (N1 bis N6) durchgeführt (siehe Abbildung 1 für den Scree-Plot der anfänglichen Eigenwerte). Die schiefwinklig rotierte Lösung offenbart zwei Faktoren und bestätigt damit die Annahme der zwei latenten Dimensionen Private Regard und Verbundenheit (siehe Tabelle 3).

     

    screeplot1_ni.png

    Abbildung 1. Nationale Identität: Eigenwerte der unrotierten Lösung

    Anmerkung: Hauptachsenanalyse, N = 1,596.

     


     

    Tabelle 3

    Faktorladungen der Items zur nationalen Identität und Faktorkorrelation (Hauptachsenanalyse nach Promax-Rotation)

     

    Faktor 1

    Faktor 2

     

    N1 Ich bin zufrieden damit, zu Deutschland zu gehören.

    0.02

     0.79

     

    N2 Ich bin froh, zu Deutschland zu gehören.

    0.07

     0.78

     

    N3 Es stört mich, wenn jemand schlecht über Deutschland  spricht.

    0.66

    -0.01

     

    N4 Deutschland liegt mir sehr am Herzen.

    0.77

     0.09

     

    N5 Ich fühle mich eng verbunden mit den Deutschen.

    0.75

     0.04

     

    N6 Ich fühle mich als Teil von Deutschland.

    0.61

     0.22

     

     

    Faktorkorrelation

     

    Faktor 1

    1.00

     

     

    Faktor 2

    0.66

    1.00

     

    Anmerkung: Oblique Rotation (Promax mit Kaiser-Normalisierung), N = 1,596.

     

    Die konfirmatorische Faktorenanalyse belegt die adäquate Passung des Modells mit den beiden Faktoren Private Regard und Verbundenheit für die nationale Identität (χ² = 62.36, df = 8, TLI = 0.97, CFI = 0.99, RMSEA = 0.07, SRMR = 0.02, AIC = 26261.55, siehe Abbildung 2). Ferner wurde zusätzlich ein einfaktorielles Modell überprüft, das jedoch eine mangelnde Anpassungsgüte aufweist (χ² = 504.08, df = 9, TLI = 0.79, CFI = 0.87, RMSEA = 0.19, SRMR = 0.07, AIC = 26881.43).

     

    Abbildung 2. Konfirmatorisches Faktorenmodell der nationalen Identität

    Anmerkung: Standardisierte Parameter, alle Koeffizienten sind signifikant mit p < .001, N = 1,596.

     

    Ethnische Identität: Evaluative und affektuelle Dimension: Auch im Fall der ethnischen Identität wurde eine explorative Faktorenanalyse über die Items (E1 bis E6) durchgeführt (siehe Abbildung 3 für den Scree-Plot der anfänglichen Eigenwerte). Die schiefwinklig rotierte Faktorenanalyse weist ebenfalls eine zweidimensionale Struktur mit den Faktoren Private Regard und Verbundenheit nach (siehe Tabelle 4).

     

    screeplot2_ei.png

    Abbildung 3. Ethnische Identität: Eigenwerte der unrotierten Lösung

    Anmerkung: Hauptachsenanalyse, N = 978.

     

    Tabelle 4

    Faktorladungen der Items zur ethnischen Identität und Faktorkorrelation (Hauptachsenanalyse nach Promax-Rotation)

     

    Faktor 1

    Faktor 2

     

    E1 Ich bin zufrieden damit, zum Herkunftsland meiner Familie zu gehören.

    0.01

     0.84

     

    E2 Ich bin froh, zum Herkunftsland meiner Familie zu gehören.

    0.06

     0.82

     

    E3 Es stört mich, wenn jemand schlecht über das Herkunftsland meiner Familie spricht.

    0.55

    -0.03

     

    E4 Das Herkunftsland meiner Familie liegt mir sehr am Herzen.

    0.61

     0.24

     

    E5 Ich fühle mich eng verbunden mit den Menschen aus dem Herkunftsland meiner Familie.

    0.70

     0.06

     

    E6 Ich fühle mich als Teil des Herkunftslandes meiner Familie.

    0.63

     0.19

     

     

    Faktorkorrelation

     

    Faktor 1

    1.00

     

     

    Faktor 2

    0.69

    1.00

     

    Anmerkung: Oblique Rotation (Promax mit Kaiser-Normalisierung), N = 978.

     

    Die Indizes der konfirmatorischen Faktorenanalyse zeigen für ethnische Identität überdies ebenfalls eine gute Passung des Modells mit den beiden Faktoren Private Regard und Verbundenheit (χ²= 22.47, df = 8, TLI = 0.97, CFI = 0.98, RMSEA = 0.04, SRMR = 0.02, AIC = 12985.94, siehe Abbildung 4). Zudem weist ein einfaktorielles Modell eine geringe Anpassungsgüte auf (χ²= 157.18, df = 9, TLI = 0.72, CFI = 0.83, RMSEA = 0.13, SRMR = 0.06, AIC = 13338.95).

     

    Abbildung 4. Konfirmatorisches Faktorenmodell der ethnischen Identität

    Anmerkung: Standardisierte Parameter, alle Koeffizienten sind signifikant mit p < 0.001, N = 978.

     

    Itemkennwerte

    Die Items zur Messung nationaler und ethnische Identität weisen eine linksschiefe Verteilung auf.  Die Mittelwerte der nationalen Identität liegen zwischen rund 3.0 und 4.0 auf der fünfstufigen Skala. Die Mittelwerte für ethnische Identität liegen mit über 4.0 noch höher (siehe Tabelle 5).

     

    Tabelle 5

    Items zur nationalen und ethnischen Identität und zentrale Lagemaße

     

    Nationale Identität

    M

    SD

    Schiefe

    Kurtosis

    Item-Trennschärfen

    N

    N1

    Ich bin zufrieden damit, zu Deutschland zu gehören.

    4.09

    1.05

    -1.20

    3.95

    0.62

    1,629

     

    N2

    Ich bin froh, zu Deutschland zu gehören.

    3.94

    1.12

    -0.97

    3.26

    0.66

    1,632

     

    N3

    Es stört mich, wenn jemand schlecht über Deutschland spricht.

    2.96

    1.36

    -0.05

    1.80

    0.57

    1,635

     

    N4

    Deutschland liegt mir sehr am Herzen.

    3.16

    1.27

    -0.23

    2.01

    0.76

    1,631

     

    N5

    Ich fühle mich eng verbunden mit den Deutschen.

    3.07

    1.27

    -0.15

    2.01

    0.70

    1,629

     

    N6

    Ich fühle mich als Teil von Deutschland.

    3.30

    1.30

    -0.38

    2.07

    0.72

    1,633

     

    Ethnische Identität

    M

    SD

    Schiefe

    Kurtosis

    Item-Trennschärfen

    N

     

    E1

    Ich bin zufrieden damit, zum Herkunftsland meiner Familie zu gehören.

    4.56

    0.82

    -2.26

    8.57

    0.67

    999

     

    E2

    Ich bin froh, zum Herkunftsland meiner Familie zu gehören.

    4.55

    0.83

    -2.17

    7.86

    0.69

    1,000

     

    E3

    Es stört mich, wenn jemand schlecht über das Herkunftsland meiner Familie spricht.

    4.38

    1.08

    -1.91

    5.87

    0.44

    1,006

     

    E4

    Das Herkunftsland meiner Familie liegt mir sehr am Herzen.

    4.48

    0.85

    -1.91

    6.82

    0.75

    998

     

    E5

    Ich fühle mich eng verbunden mit den Menschen aus dem Herkunftsland meiner Familie.

    4.19

    1.09

    -1.38

    4.18

    0.66

    995

     

    E6

    Ich fühle mich als Teil des Herkunftslandes meiner Familie.

    4.35

    0.99

    -1.73

    5.67

    0.71

    994

     

                         

     

    Die Items zur Messung nationaler und ethnischer Identität hängen jeweils eng miteinander zusammen. Es herrscht eine moderate bis starke Korrelation mit Werten von 0.35 bis 0.75 zwischen den Items zur nationalen Identität und 0.28 bis 0.80 zwischen den Items zur ethnischen Identität (siehe Tabelle 6).

     

    Tabelle 6

    Interkorrelationen der Items zur nationale und ethnischen Identität

    Nationale Identität (N = 1,596)

    N1

    N2

    N3

    N4

    N5

    N6

    N1

    Ich bin zufrieden damit, zu Deutschland zu gehören.

    1.00

     

     

     

     

     

    N2

    Ich bin froh, zu Deutschland zu gehören.

    0.75***

    1.00

     

     

     

     

    N3

    Es stört mich, wenn jemand schlecht über Deutschland spricht.

    0.35***

    0.37***

    1.00

     

     

     

    N4

    Deutschland liegt mir sehr am Herzen.

    0.50***

    0.53***

    0.59***

    1.00

     

     

    N5

    Ich fühle mich eng verbunden mit den Deutschen.

    0.43***

    0.47***

    0.49***

    0.69***

    1.00

     

    N6

    Ich fühle mich als Teil von Deutschland.

    0.51***

    0.55***

    0.50***

    0.64***

    0.63***

    1.00

    Ethnische Identität (N = 978)

    E1

    E2

    E3

    E4

    E5

    E6

    E1

    Ich bin zufrieden damit, zum Herkunftsland meiner Familie zu gehören.

    1.00

     

     

     

     

     

    E2

    Ich bin froh, zum Herkunftsland meiner Familie zu gehören.

    0.79***

    1.00

     

     

     

     

    E3

    Es stört mich, wenn jemand schlecht über das Herkunftsland meiner Familie spricht.

    0.28***

    0.32***

    1.00

     

     

     

    E4

    Das Herkunftsland meiner Familie liegt mir sehr am Herzen.

    0.57***

    0.61***

    0.45***

    1.00

     

     

    E5

    Ich fühle mich eng verbunden mit den Menschen aus dem Herkunftsland meiner Familie.

    0.46***

    0.47***

    0.39***

    0.60***

    1.00

     

    E6

    Ich fühle mich als Teil des Herkunftslandes meiner Familie.

    0.54***

    0.56***

    0.39***

    0.63***

    0.63***

    1.00

    Anmerkung: *p < 0.05, **p < 0.01, ***p < 0.001.

     

     

    Reliabilität

    Die Reliabilität der Subskalen zur Messung nationaler und ethnischer Identität wurde sowohl in der gesamten Stichprobe als auch differenziert nach Migrationshintergrund und Migrationsgeneration überprüft. Da die Modelle, die den Skalen zu Grunde liegen, unterschiedliche Faktorladungen aufweisen und somit tau-kongenerisch sind, unterschätzt Cronbachs α die Reliabilität (Cortina, 1993). Daher wird zusätzlich Raykovs ω zur Prüfung herangezogen (Raykov, 1997). Die Skalen sind mit Werten von über 0.76 für alle Gruppen reliabel (siehe Tabelle 7).

     

    Tabelle 7

    Reliabilitätsanalyse der Skalen zur nationalen und ethnischen Identität (Raykovs ω und Cronbachs α)

         

    Gesamt

    Migrationshintergrund

    Migrationsgeneration

         

    Deutsche

    Migranten

    1. Gen.

    2. Gen.

    3.Gen.

    Nationale Identität

    Private Regard

    ω

    0.86

    0.83

    0.86

    0.85

    0.87

    0.78

       

    α

    0.85

    0.81

    0.86

    0.85

    0.86

    0.76

     

    Verbundenheit

    ω

    0.85

    0.84

    0.84

    0.84

    0.84

    0.81

       

    α

    0.85

    0.84

    0.84

    0.83

    0.84

    0.81

    Ethnische Identität

    Private Regard

    ω

       

    0.89

    0.83

    0.89

    0.88

       

    α

       

    0.88

    0.83

    0.88

    0.88

     

    Verbundenheit

    ω

       

    0.80

    0.77

    0.77

    0.87

       

    α

       

    0.80

    0.76

    0.77

    0.86

     

    Validität

    Die beiden Dimensionen nationaler und ethnischer Identität hängen jeweils erwartungsgemäß eng miteinander zusammen (siehe Tabelle 8; vgl. auch Jackson, 2002; Zander & Hannover, 2013). Anders als in anderen deutschen Studien (Leszczensky, 2013; Zander & Hannover, 2013) besteht in der vorliegenden Stichprobe keine negative Korrelation zwischen der nationalen und der ethnischen Identität.

     

    Tabelle 8

    Korrelationen zwischen den Dimensionen nationaler und ethnischer Identität

     

    NI-Private Regard

    NI-Verbundenheit

    EI-Private Regard

    EI-Verbundenheit

    NI-Private Regard

    1.00

         

    NI-Verbundenheit

    0.59***

    1.00

       

    EI-Private Regard

    0.02*

    -0.02

    1.00

     

    EI-Verbundenheit

    0.01

    0.07*

    0.62***

    1.00

    Anmerkung: *p < 0.05, **p < 0.01, ***p < 0.001, N = 950, NI = Nationale Identität; EI = Ethnische Identität.

     

    Der Zusammenhang der nationalen und ethnischen Identität mit Indikatoren der sozialen und kulturellen Integration entspricht sowohl theoretischen Erwartungen als auch bekannten Befunden (siehe Tabelle 9; vgl. etwa Agirdag, Van Houtte & Van Avermaet, 2011; Leszczensky, 2013; Phinney, Berry, Vedder & Liebkind, 2006; Sabatier, 2008; Zander & Hannover, 2013). Nationale Identität korreliert demnach signifikant positiv mit dem Anteil deutscher Freunde, ethnische Identität hängt wiederum eng mit dem Anteil der Freunde aus dem Herkunftsland zusammen. Die subjektive Bewertung der eigenen Kenntnisse der deutschen Sprache korreliert positiv mit der nationalen Identität, jedoch negativ mit der ethnischen Identität. Die Bewertung der Kenntnisse der Sprache des Herkunftslandes hängt wiederum signifikant positiv mit der ethnischen Identität und negativ mit der nationalen Identität zusammen.

     

    Tabelle 9

    Korrelation der Skalen zur nationalen und ethnischen Identität mit Indikatoren der sozialen und kulturellen Integration

     

    Deutsche Freunde

    Freunde aus HKL

    Kenntnisse der deutschen Sprache

    Kenntnisse der Sprache des HKL

    NI-Private Regard

      0.18***

    -0.05

      0.16***

    -0.07*

    NI-Verbundenheit

      0.14***

    -0.10**

      0.09**

    -0.08*

    EI-Private Regard

    -0.05

      0.19***

    -0.07*

      0.25***

    EI-Verbundenheit

    -0.10**

      0.22***

    -0.09**

      0.27***

    Anmerkung: *p < 0.05, **p < 0.01, ***p < 0.001, NI = Nationale Identität; EI = Ethnische Identität.

     

    Deskriptive Statistiken

    Die Skalen zu Private Regard und Verbundenheit der nationalen und ethnischen Identität zeigen eine linksschiefe Verteilung (siehe Tabelle 10). Das gilt sowohl für die gesamte Stichprobe als auch differenziert nach Migrationshintergrund und -generation.  Die Mittelwerte der Skalen zur nationalen Identität liegen zwischen rund 3.0 und 4.0, während die der Skalen zur ethnischen Identität mit Werten meist über 4.0 noch etwas höher ausfallen.

     

    Tabelle 10

    Deskriptive Statistiken der Skalen zur nationalen und ethnischen Identität

         

    Gesamt

    Migrationshintergrund

    Migrationsgeneration

         

    Deutsche

    Migranten

    1. Gen.

    2. Gen.

    3.Gen.

    Nationale Identität

    Private Regard

    M

    4.01

    4.31

    3.85

    3.62

    3.87

    4.05

       

    SD

    1.01

    0.82

    1.07

    1.10

    1.08

    0.90

       

    Schiefe

    -1.07

    -1.37

    -0.89

    -0.66

    -0.90

    -0.96

       

    Kurtosis

    3.66

    5.00

    3.14

    2.78

    3.12

    3.80

     

    Verbundenheit

    M

    3.13

    3.51

    2.92

    2.76

    2.90

    3.20

       

    SD

    1.08

    1.00

    1.06

    1.07

    1.06

    0.99

       

    Schiefe

    -0.17

    -0.39

    -0.05

    0.03

    -0.05

    -0.02

       

    Kurtosis

    2.28

    2.56

    2.24

    2.17

    2.21

    2.41

    Ethnische Identität

    Private Regard

    M

       

    4.56

    4.60

    4.57

    4.25

       

    SD

       

    0.78

    0.66

    0.79

    0.88

       

    Schiefe

       

    -2.23

    -2.13

    -2.39

    -1.12

       

    Kurtosis

       

    8.49

    9.25

    9.25

    3.98

     

    Verbundenheit

    M

       

    4.36

    4.45

       4.37

    3.91

       

    SD

       

    0.79

    0.73

    0.76

    1.01

       

    Schiefe

       

    -1.64

    -1.93

    -1.70

    -0.82

       

    Kurtosis

       

    6.04

    8.04

    6.63

    3.19

     

    Die Skalen zur Messung der evaluativen und affektuellen Dimension nationaler und ethnischer Identität entsprechen hinsichtlich ihres Zusammenhangs mit der kognitiven Dimension den theoretischen Erwartungen (siehe Tabelle 11). Jugendliche, die sich selbst nur als Deutsche sehen, weisen die höchsten Werte bei Private Regard und Verbundenheit nationaler Identität auf, wohingegen Jugendliche, die sich selbst eher oder nur als Mensch aus dem Herkunftsland der Familie betrachten, niedrigere Werte auf diesen Dimensionen der nationalen Identität zeigen. Dagegen besitzen Jugendliche, die sich selbst nur oder eher den Deutschen zuordnen, ein niedrigeres Private Regard und Verbundenheit der ethnischen Identität, während SchülerInnen, die sich nur oder eher den Menschen aus dem Herkunftsland der Familie zugehörig fühlen, auf diesen Skalen hingegen höhere Werte zeigen. Dieses Bild bestätigt sich sowohl für nationale als auch ethnische Identität auch mit Blick auf das Vorliegen dualer Identität. Zu berücksichtigen ist hierbei jedoch, dass die skalare Messinvarianz der ethnischen Identität über die Kategorien der Gruppenzugehörigkeit nicht sichergestellt ist (siehe Tabelle 13). Die stärksten Abweichungen in den Faktorladungen zwischen den Gruppen betreffen die Items zur Verbundenheit.

     

    Tabelle 11

    Deskriptive Statistiken der Skalen zur nationalen und ethnischen Identität nach Gruppenzugehörigkeit (K1) und dualer Identität (K2)

     

     

    Gruppenzugehörigkeit

    Vorliegen dualer Identität

     

     

    Nur deutsch

    Mehr deutsch

    Beides gleich

    Mehr HKL

    Nur  HKL

    Duale Identität

    Nur deutsch

    Nur

    HKL

    Nationale Identität

    Private Regard

    M

    4.36

    3.88

    4.36

    3.88

    4.36

    3.88

    4.36

    3.88

    SD

    0.79

    1.06

    0.79

    1.06

    0.79

    1.06

    0.79

    1.06

    Verbundenheit

    M

    3.51

    3.13

    3.51

    3.13

    3.51

    3.13

    3.51

    3.13

     

    SD

    0.84

    1.08

    0.84

    1.08

    0.84

    1.08

    0.84

    1.08

     

    N

    92

    64

    92

    64

    92

    64

    92

    64

    Ethnische Identität

    Private Regard

    M

    4.03

    4.20

    4.03

    4.20

    4.03

    4.20

    4.03

    4.20

    SD

    1.10

    0.93

    1.10

    0.93

    1.10

    0.93

    1.10

    0.93

    Verbundenheit

    M

    3.68

    3.90

    3.68

    3.90

    3.68

    3.90

    3.68

    3.90

     

    SD

    1.12

    0.97

    1.12

    0.97

    1.12

    0.97

    1.12

    0.97

     

    N

    88

    62

    88

    62

    88

    62

    88

    62

    Anmerkung: HKL = Herkunftsland der Familie

     

    Nebengütekriterien

    Die Prüfung der Messinvarianz der nationalen Identität belegt die Äquivalenz der Messung für Deutsche und Migranten, für verschiedene Migrationsgenerationen und für verschiedene Altersgruppen. Ferner wird die Messinvarianz der nationalen Identität abhängig von der kognitiven Dimension der Identität geprüft. Der Test belegt die Äquivalenz der Messung über die unterschiedlichen Kategorien der Gruppenzugehörigkeit und des Vorliegens dualer Identität (siehe Tabelle 12).

     

    Tabelle 12

    Prüfung auf Messinvarianz der nationalen Identität

    Migrationshintergrund (N = 1,596)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    Deutsche (n = 561)

    18.37

    8

    0.98

    0.99

     

    0.05

    0.02

    Migranten (n = 1,035)

    48.04

    8

    0.97

    0.99

     

    0.07

    0.03

                   

    Konfigurale Invarianz

    67.83

    16

    0.97

    0.99

     

    0.06

    0.02

    Metrische Invarianz

    78.83

    20

    0.97

    0.98

    -0.002

    0.06

    0.03

    Skalare Invarianz

    92.76

    24

    0.98

    0.98

    -0.003

    0.06

    0.04

    Migrationsgeneration (N = 926)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    1. Generation (n = 132)

    12.15

    8

    0.98

    0.99

     

    0.06

    0.04

    2. Generation (n = 643)

    25.43

    8

    0.98

    0.99

     

    0.06

    0.03

    3. Generation (n = 151)

    31.49

    8

    0.89

    0.94

     

    0.11

    0.05

    Konfigurale Invarianz

    59.33

    24

    0.97

    0.98

     

    0.07

    0.03

    Metrische Invarianz

    70.84

    32

    0.98

    0.98

    -0.002

    0.06

    0.03

    Skalare Invarianz

    93.89

    40

    0.97

    0.98

    -0.007

    0.07

    0.04

    Alter (N = 1,558)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    9-11 Jahre (n = 235)

    21.95

    8

    0.96

    0.98

     

    0.09

    0.03

    12-13 Jahre (n = 912)

    39.39

    8

    0.97

    0.98

     

    0.07

    0.02

    14-17 Jahre (n = 411)

    18.22

    8

    0.98

    0.99

     

    0.06

    0.02

    Konfigurale Invarianz

    80.97

    24

    0.97

    0.99

     

    0.07

    0.03

    Metrische Invarianz

    89.87

    32

    0.98

    0.99

    0.000

    0.06

    0.03

    Skalare Invarianz

    101.95

    40

    0.98

    0.98

    -0.001

    0.06

    0.03

    Gruppenzugehörigkeit (N = 952)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    Nur deutsch (n5 = 92)

    16.53

    8

    0.88

    0.93

     

    0.11

    0.06

    Mehr als deutsch (n = 64)

    9.17

    8

    0.99

    0.99

     

    0.05

    0.03

    Beides gleich (n = 432)

    20.30

    8

    0.97

    0.98

     

    0.06

    0.02

    Mehr als HKL (n = 196)

    17.16

    8

    0.96

    0.98

     

    0.08

    0.04

    Nur als HKL (n = 168)

    31.37

    8

    0.92

    0.96

     

    0.13

    0.05

    Konfigurale Invarianz

    97.37

    40

    0.95

    0.97

     

    0.09

    0.04

    Metrische Invarianz

    117.29

    56

    0.96

    0.97

    -0.002

    0.08

    0.04

    Skalare Invarianz

    148.59

    72

    0.96

    0.96

    -0.007

    0.08

    0.05

    Vorliegen dualer Identität (N = 952)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    Duale Identität (n = 469)

    26.57

    8

    0.96

    0.98

     

    0.07

    0.03

    Nur deutsch (n = 124)

    7.38

    8

    1.01

    1.00

     

    0.00

    0.03

    Nur HKL (n = 359)

    13.92

    8

    0.99

    0.99

     

    0.05

    0.03

    Konfigurale Invarianz

    47.44

    24

    0.98

    0.99

     

    0.06

    0.03

    Metrische Invarianz

    58.02

    32

    0.98

    0.99

    -0.001

    0.05

    0.04

    Skalare Invarianz

    74.44

    40

    0.98

    0.98

    -0.004

    0.05

    0.04

    Anmerkung: MLM-Schätzer mit robusten Standardfehlern und Satorra-Bentler skalierter Teststatistik.

     

    Hinsichtlich der ethnischen Identität wird die Messinvarianz auf gleiche Weise geprüft. Der Test belegt die Äquivalenz der Messung über Migrationsgenerationen, Altersgruppen, und über die unterschiedlichen Kategorien des Vorliegens dualer Identität (siehe Tabelle 13). Über die Kategorien der Gruppenzugehörigkeit kann anhand der CFI-Differenz in der multiplen Gruppenanalyse allerdings keine metrische Invarianz sichergestellt werden. Die Werte des RMSEA, die sich im akzeptablen Bereich befinden, deuten jedoch daraufhin, dass keine schwerwiegende Verletzung der Messinvarianz vorliegt. Modifikationsindizes geben einen Hinweis darauf, dass die größten Abweichungen in den Faktorladungen zwischen den Gruppen die Items zur Verbundenheit betreffen.


     

    Tabelle 13

    Prüfung auf Messinvarianz der ethnischen Identität

    Migrationsgeneration (N = 878)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    1. Generation (n = 131)

    6.06

    8

    1.05

    1.00

     

    0.00

    0.03

    2. Generation (n = 639)

    30.36

    8

    0.91

    0.95

     

    0.07

    0.03

    3. Generation (n = 108)

    2.42

    8

    1.05

    1.00

     

    0.00

    0.02

    Konfigurale Invarianz

    34.13

    24

    0.98

    0.99

     

    0.04

    0.03

    Metrische Invarianz

    39.12

    32

    0.99

    0.99

    0.004

    0.03

    0.04

    Skalare Invarianz

    46.53

    40

    0.99

    0.99

    0.001

    0.02

    0.04

    Alter (N = 946)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    9-11 Jahre (n = 149)

    8.77

    8

    0.99

    0.99

     

    0.03

    0.03

    12-13 Jahre (n = 544)

    14.86

    8

    0.98

    0.99

     

    0.04

    0.02

    14-17 Jahre (n = 253)

    11.34

    8

    0.97

    0.99

     

    0.04

    0.03

    Konfigurale Invarianz

    34.43

    24

    0.98

    0.99

     

    0.04

    0.03

    Metrische Invarianz

    42.75

    32

    0.98

    0.99

    0.000

    0.03

    0.04

    Skalare Invarianz

    52.86

    40

    0.98

    0.98

    -0.003

    0.03

    0.04

    Gruppenzugehörigkeit (N = 955)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    Nur deutsch (n = 88)

    5.21

    8

    1.02

    1.00

     

    0.00

    0.02

    Mehr als deutsch (n = 62)

    5.68

    8

    1.05

    1.00

     

    0.00

    0.03

    Beides gleich (n = 431)

    21.65

    8

    0.94

    0.97

     

    0.06

    0.03

    Mehr als HKL (n = 200)

    8.44

    8

    0.98

    0.99

     

    0.02

    0.03

    Nur als HKL (n = 174)

    13.98

    8

    0.79

    0.89

     

    0.07

    0.07

    Konfigurale Invarianz

    57.24

    40

    0.94

    0.97

     

    0.05

    0.04

    Metrische Invarianz

    82.00

    56

    0.94

    0.95

    -0.016

    0.05

    0.08

    Skalare Invarianz

    106.11

    72

    0.94

    0.94

    -0.015

    0.05

    0.08

    Vorliegen dualer Identität (N = 952)

    χ²

    df

    TLI

    CFI

    ∆ CFI

    RMSEA

    SRMR

    Duale Identität (n = 472)

    8.72

    8

    1.00

    1.00

     

    0.01

    0.02

    Nur deutsch (n = 120)

    12.12

    8

    0.97

    0.98

     

    0.07

    0.03

    Nur HKL (n = 360)

    13.12

    8

    0.91

    0.95

     

    0.04

    0.04

    Konfigurale Invarianz

    33.58

    24

    0.98

    0.99

     

    0.04

    0.03

    Metrische Invarianz

    39.20

    32

    0.99

    0.99

    0.003

    0.03

    0.03

    Skalare Invarianz

    52.02

    40

    0.98

    0.98

    -0.007

    0.03

    0.04

    Anmerkung: MLM-Schätzer mit robusten Standardfehlern und Satorra-Bentler skalierter Teststatistik.


     

    Weiterführende Literatur

    Die Entwicklung des Messinstruments sowie kognitive Pretests sind ausführlich bei Leszczensky (2012) dokumentiert. Leszczensky und Pink (2013b) beschreiben zudem erste quantitative Tests. Leszczensky und Gräbs Santiago (2014) bieten eine umfassendere theoretische und methodische Diskussion des Problems der Messung ethnischer und nationaler Identität sowie eine ausführlichere Darstellung der Analysen, auf die dieser Beitrag aufbaut.