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Skala zur Erfassung kosmologischer Überzeugungen (ALLBUS)

  • Autor/in: Breyer, B. & Danner, D.
  • In ZIS seit: 2015
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis233
  • Zusammenfassung: Mit der Skala können grundsätzliche Weltauffassungen geprüft werden. Es werden drei unterschiedliche Überzeugungen bezüglich der Existenz einer transzendenten Wirklichkeit unterschieden: Theismus, Hum ... mehranismus und Naturalismus. Die Items wurden in der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) 2012 eingesetzt. weniger
    Abstract: The scale can be used to check fundamental world views. There are three different beliefs regarding the existence of a transcendent reality: theism, humanism and naturalism. The items were used in the ... mehr General Population Survey of the Social Sciences (ALLBUS) 2012. weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch
  • Anzahl der Items: 6
  • Reliabilität: Cronbachs Alpha = .66 bis .86
  • Validität: Hinweise für Kriteriums-, Konstrukt- und inhaltliche Validität
  • Konstrukt: Kosmologie
  • Schlagwörter: Weltanschauung, Humanismus, Naturalismus | philosophy of life, humanism, naturalism
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: ja
  • URL Webseite: http://www.gesis.org/allbus
  • URL Datenarchiv: http://dx.doi.org/10.4232/1.1160
  • Entwicklungsstand: validiert, normiert
    • Instruktion

      In dem folgenden Teil unseres Interviews geht es um Anschauungen darüber, ob es außerhalb der Welt, in der wir leben, noch eine höhere Wirklichkeit gibt, an die man glauben kann.

      Bitte sagen Sie zu jeder Aussage auf dieser Liste mit Hilfe der Skala, wie stark Sie zustimmen.

       

      Items

      Nr.

      Item

      Polung

      Dimension

      1

      Es gibt einen Gott, der sich mit jedem Menschen persönlich befasst.

      +

      Theismus

      2

      Es gibt einen Gott, der Gott für uns sein will.

      +

      Theismus

      3

      Meiner Meinung nach ist Gott nichts anderes als das Wertvolle im Menschen.

      +

      Humanismus

      4

      Unser Leben wird letzten Endes bestimmt durch die Gesetze der Natur.

      +

      Naturalismus

      5

      Gott befindet sich nicht irgendwo da oben, er ist lediglich in den Herzen der Menschen.

      +

      Humanismus

      6

      Das Leben ist nur ein Teil der Entwicklung in der Natur.

      +

      Naturalismus

       

      Antwortvorgaben

      Es liegt eine 5-stufige Antwortskala mit folgender Benennung der Antwortkategorien vor: 1 = „Stimme voll und ganz zu“, 2 = „Stimme eher zu“, 3 = „Habe dazu keine feste Meinung“, 4 = „Stimme eher nicht zu“ und 5 = „Stimme überhaupt nicht zu“. Zusätzlich gibt es die Antwortkategorien „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“ und „KA“ (Keine Angabe).

       

      Auswertungshinweise

      Für jede Dimension können Mittelwerte gebildet werden. Die Items müssen vor Bildung der Mittelwerte umkodiert werden, damit ein hoher Wert eine hohe Zustimmung zu den Items ausdrückt. Der Mittelwert der Dimension Theismus wird aus den Werten der Items 1 und 2 gebildet. Die Items 3 und 5 bilden zusammen den Mittelwert der Dimension Humanismus. Der Mittelwert der Dimension Naturalismus wird aus den Werten der Items 4 und 6 gebildet.

      Da Befragte aus den neuen Bundesländern in ALLBUS-Stichproben überproportional vertreten sind, ist für repräsentative Aussagen für Gesamtdeutschland eine Design-Gewichtung erforderlich. Die entsprechende Gewichtungsvariable (Ost-West-Gewicht) ist in den Datensätzen enthalten. Zudem kann eine Transformations-Gewichtung sinnvoll sein, wenn personenbezogene Auswertungen mit den ALLBUS-Daten aus den Jahren 1980 bis 1992 sowie 1998 gemacht werden, da unterschiedliche Auswahlwahrscheinlichkeiten vorliegen (siehe auch Terwey, 2012).

       

      Anwendungsbereich

      Diese Skala wurde unter anderem in der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) 2012 in mündlichen Einzelbefragungen an einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung eingesetzt. Die Fragen wurden innerhalb des Moduls „Religion und Weltanschauung“, unter anderem zusammen mit der Skala zur Erfassung des Lebenssinns, gestellt. Die Skala kann auch für schriftliche Befragungen und in Gruppenuntersuchungen eingesetzt werden. Weiterhin kann die Skala auch zu Längsschnittuntersuchungen herangezogen werden, da die Fragen bereits in ALLBUS 1982, 1992 und 2002 verwendet wurden.

       

       

    Im Jahr 1987 führten Felling, Peters und Schreuder von der Universität Nijmegen eine Studie durch, um verschiedene Typen von Weltanschauungen und Glaubensrichtungen in den Niederlanden und in Deutschland zu vergleichen. Ziel der Studie war es, die zahlreichen Auffassungen vom Wesen und Sinn der Welt in der modernen, pluralistischen Gesellschaft in allgemeine Kategorien kosmologischer Überzeugungen einzuordnen. Seit 1982 werden die hierbei entwickelten Fragen auch in der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) verwendet. Sie sind Teil des Moduls „Religion und Weltanschauung“ und sollen die Weltanschauungen des Theismus, Humanismus und Naturalismus erfassen (vgl. Terwey, 1996).

     

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Die Skala zur Erfassung kosmologischer Überzeugungen erfasst verschiedene Weltauffassungen bzgl. der Existenz einer transzendenten Wirklichkeit. Sie wird seit 1982 in der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) verwendet. Die Fragen sind Teil des Themenkomplexes „Religion und Weltanschauung“. Wie auch die Skala zur Erfassung des Lebenssinns wurde die Skala zur Erfassung kosmologischer Überzeugungen in enger Kooperation mit Albert Felling von der Universität Nijmegen entwickelt (vgl. Felling, Peters & Schreuder, 1982). Der ursprüngliche Fragebogen von 1982 enthielt die folgenden acht Items:

    -       „Es gibt einen Gott, der Gott für uns sein will.“

    -       „Es gibt einen Gott, der sich in Jesus Christus zu erkennen gegeben hat.“

    -       „Wenn es einen Gott gibt, dann spürt man jedenfalls wenig davon.“

    -       „Unser Leben wird letzten Endes bestimmt durch die Gesetze der Natur.“

    -       „Es gibt so etwas wie einen Gott.“

    -       „Das Leben ist nur ein Teil der Entwicklung der Natur.“

    -       „Ich glaube an die Existenz eines höheren Wesens.“

    -       „Auf die Frage, ob es außerhalb dieser Welt etwas gibt, bekommt man doch keine Antwort.“

    Vor der Hauptuntersuchung 1982 wurden zwei Pretests an nach Geschlecht, Alter und Schulbildung quotierten Stichproben durchgeführt (N1 = 62, N2 = 10). Obwohl einige Items eine extrem schiefe Verteilung aufwiesen, wurden sie beibehalten, um die Replikationsfähigkeit der Skala zu erhalten (Hagstotz, Kirschner, Porst & Prüfer, 1982). Die ursprüngliche Skala wurde somit für die Hauptstudie 1982 unverändert übernommen. Seit ALLBUS 1992 wird die Skala in gekürzter und modifizierter Form verwendet (Braun, Eilinghoff, Gabler und Wiedenbeck, 1993). Die Dimensionen wurden beibehalten, die Formulierung einiger Items wurde jedoch verbessert. Die Durchführbarkeit der neuen Version wurde in einem Pretest (N = 20) erfolgreich geprüft. Die aktuelle Skala enthält nur sechs statt acht Items, wobei jeweils zwei Items die folgenden Dimensionen repräsentieren (Wasmer, Blohm, Walter, Scholz und Jutz, 2014): theistische Überzeugung einer höheren Wirklichkeit (Theismus – Items 1 und 2), innerweltliche Deutung der höheren Wirklichkeit in Form einer Verortung des Göttlichen im Menschen (Humanismus – Items 3 und 5) und Verneinung der Existenz einer höheren Wirklichkeit (Naturalismus – Items 4 und 6).

     

    Stichproben

    Die Grundgesamtheit von ALLBUS 2012 besteht aus allen in der Bundesrepublik Deutschland in Privathaushalten lebenden Personen (auch Ausländer), die zu Beginn des Erhebungsjahres das 18. Lebensjahr erreicht haben. Die Stichprobe wurde mit Hilfe einer geschichteten Zufallsauswahl gebildet, bei dem zunächst eine Stichprobe von Gemeinden gezogen wurde und anschließend Personen innerhalb der Gemeinden aus den Einwohnermelderegistern ausgewählt wurden. Es wurde ein disproportionaler Stichprobenansatz gewählt, in dem Ostdeutsche überrepräsentiert sind, um auch für die neuen Bundesländer eine Fallzahl zu erzielen, die differenzierte Analysen für einzelne Bevölkerungsgruppen erlaubt. Befragte mit nicht hinreichend guten Deutschkenntnissen wurden von der Befragung ausgeschlossen. Da Befragte aus den neuen Bundesländern in ALLBUS-Stichproben überproportional vertreten sind, wurden in den nachfolgenden Analysen für repräsentative Aussagen die Daten gewichtet (Ost-West-Gewicht). Personen mit der Antwortkategorie „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“ bei einem oder mehreren Items wurden ausgeschlossen, da diese Antwortkategorie weder Zustimmung noch Ablehnung ausdrückt und daher als fehlende Stellungnahme interpretiert werden kann. Die endgültige Gesamtstichprobe umfasst N = 2,780 Personen, davon N = 1,431 männlich und N = 1,349 weiblich. Das Durchschnittsalter beträgt 50.4 Jahre.

    Für die explorative Datenanalyse wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Teilstichproben gezogen, die jeweils etwa 50% der Gesamtstichprobe umfassen. Teilstichprobe 1 umfasst N = 1,399 Personen, davon N = 705 männlich und N = 694 weiblich. Das Durchschnittsalter beträgt 50.7 Jahre. Teilstichprobe 2 umfasst N = 1,381 Personen mit einem Durchschnittsalter von 50.0 Jahren, davon N = 726 männlich und N = 655 weiblich.

     

    Itemanalysen

    Um die Dimensionalität zu überprüfen, wurde eine Zufallsstichprobe aus den Daten des ALLBUS 2012 gezogen, die etwa die Hälfte aller Fälle umfasst. Anhand dieser Stichprobe (N = 1,399) wurde eine exploratorische Faktorenanalyse mit Oblimin-Rotation durchgeführt. Fehlende Werte wurden paarweise ausgeschlossen. Die Analyse ergab folgenden Eigenwerteverlauf: 2.47; 1.72; 0.68; 0.49; 0.41; 0.24. Aufgrund des theoretischen Hintergrundes wurde eine dreidimensionale Struktur gewählt. Die Faktorladungen der Items sind in Tabelle 1 dargestellt. Auf dem ersten Faktor laden die Items 1 und 2. Dieser Faktor kann als „Theismus“ interpretiert werden. Die Items 3 und 5 laden auf dem zweiten Faktor, der als „Humanismus“ bezeichnet werden kann. Die Items 4 und 6 laden schließlich auf dem dritten Faktor, der als „Naturalismus“ gedeutet werden kann. Die in der Theorie angenommene Dimensionalität (s. Theorie und Entwicklung) kann somit anhand der Daten bestätigt werden.

     

    Tabelle 1

    Faktorladungen nach einer Faktorenanalyse (Oblimin-Rotation) unter Einbezug aller Items mit Extraktion von drei Faktoren (Mustermatrix)

     

    Item

    Theismus

    Humanismus

    Naturalismus

    1

    Es gibt einen Gott, der sich mit jedem Menschen persönlich befasst.

    -.91

     

     

    2

    Es gibt einen Gott, der Gott für uns sein will.

    -.95

     

     

    3

    Meiner Meinung nach ist Gott nichts anderes als das Wertvolle im Menschen.

     

    .90

     

    4

    Unser Leben wird letzten Endes bestimmt durch die Gesetze der Natur.

     

     

    .95

    5

    Gott befindet sich nicht irgendwo da oben, er ist lediglich in den Herzen der Menschen.

     

    .83

     

    6

    Das Leben ist nur ein Teil der Entwicklung in der Natur.

     

     

    .79

    Anm.: N = 1,399, Faktorkorrelation: r = -.07 zwischen Theismus und Humanismus, r = .40 zwischen Theismus und Naturalismus, r = .33 zwischen Humanismus und Naturalismus. Koeffizienten mit einem Wert < .15 werden nicht dargestellt.

     

    Das dreidimensionale Modell wurde anhand der zweiten Hälfte der Stichprobe (N = 1,381) mit einem Strukturgleichungsmodell überprüft. Das Modell mit standardisierten Faktorladungen und der Modellfit sind in Abbildung 1 dargestellt.

     

    Abbildung 1. Struktur und standardisierte Parameter des Modells, T = Theismus, H = Humanismus, N = Naturalismus, RMSEA = .06, CFI = .99, χ² (6) = 37.91, p = .000, N = 1,381.

     

    Itemkennwerte

    Tabelle 2

    Mittelwert und Standardabweichung der manifesten Items für die Gesamtstichprobe (ALLBUS 2012)

     

    Item

    Mittelwert

    Standard-

    abweichung

    1

    Es gibt einen Gott, der sich mit jedem Menschen persönlich befasst.

    2.81

    1.49

    2

    Es gibt einen Gott, der Gott für uns sein will.

    2.92

    1.48

    3

    Meiner Meinung nach ist Gott nichts anderes als das Wertvolle im Menschen.

    3.14

    1.36

    4

    Unser Leben wird letzten Endes bestimmt durch die Gesetze der Natur.

    3.84

    1.24

    5

    Gott befindet sich nicht irgendwo da oben, er ist lediglich in den Herzen der Menschen.

    3.76

    1.23

    6

    Das Leben ist nur ein Teil der Entwicklung in der Natur.

    3.87

    1.25

    Anm.: N = 2,799. Gewichtete Daten. Skala von 1 (Damit bin ich ganz und gar nicht einverstanden) bis 5 (Damit bin ich voll und ganz einverstanden). Die Items wurden zuvor umkodiert, sodass ein höherer Wert eine höhere Zustimmung zu den Items ausdrückt.


     

    Objektivität

    Die Skala wurde im ALLBUS 2012 als mündliche Befragung mit einem standardisierten Frageprogramm (CAPI – Computer Assisted Personal Interviewing) durchgeführt. Bei entsprechend geschultem Verhalten der Interviewer ist die Durchführungsobjektivität gewährleistet.

    Die Einordnung der Antworten der Befragten wird numerisch und kategorial nach festen Regeln vorgenommen und lässt keinen Spielraum bei der Auswertung zu. Die Auswertungsobjektivität ist daher ebenfalls gegeben.

    Um Interpretationsobjektivität zu gewährleisten, sollten verschiedene Forscher zu vergleichbaren Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen einer Skala gelangen und ein vergleichbares Wissen darüber besitzen, was mit der Skala gemessen werden soll und wie die Messwerte interpretiert werden müssen (Rammstedt, 2010). Die Interpretationsobjektivität ist in diesem Fall gegeben, da für die Skala zur Erfassung kosmologischer Überzeugungen eine Normierungsstichprobe vorliegt (s. deskriptive Statistiken), welche den Vergleich der Messwerte mit einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung ermöglicht.

     

    Reliabilität

    Die Reliabilität der Subskalen zur Messung kosmologischer Überzeugungen wurde anhand der drei Dimensionen anhand der Gesamtstichprobe (N = 2,780) überprüft. Da die Modelle, die den Skalen zu Grunde liegen, gleiche Faktorladungen aufweisen und somit tau-äquivalent sind, liefert Cronbachs Alpha eine zuverlässige Schätzung der Reliabilität (Cortina, 1993). Die Reliabilitätswerte sind in Tabelle 3 dargestellt.

     

    Tabelle 3

    Cronbachs Alpha für die Dimensionen Theismus, Humanismus und Naturalismus

     

    Cronbachs α

    Theismus

    .86

    Humanismus

    .66

    Naturalismus

    .74

    Anm.: N = 2,780.

     

    Validität

    Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn das zu messende Konstrukt a priori hinreichend definiert wird und die Items alle Aspekte des Konstrukts vollständig erfassen. Für die inhaltliche Validität der Skala zur Erfassung kosmologischer Überzeugungen spricht, dass drei zentrale kosmologische Überzeugungen (Theismus, Humanismus und Naturalismus) durch die Items abgedeckt werden. Die Formulierung der Items orientiert sich an der Definition dieser Konzepte.

    Konstruktvalidität ist gegeben, wenn eine Skala das interessierende Merkmal so misst, dass es mit bestehenden Definitionen und Theorien des Konstrukts übereinstimmt. Dies kann anhand der konvergenten und diskriminanten Validität überprüft werden. Es kann erwartet werden, dass die Dimensionen Theismus und Humanismus der Skala zu kosmologischen Überzeugungen positiv mit den jeweils gleichnamigen Dimensionen der Skala zur Erfassung des Lebenssinns zusammenhängen, da den Dimensionen beider Skalen analoge Konstrukte und Definitionen zugrunde liegen. Ebenfalls kann nach Terwey (1996) ein positiver Zusammenhang zwischen Naturalismus und Nihilismus erwartet werden.

    Hingegen sollte die Dimension Theismus der Skala zu kosmologischen Überzeugungen einen negativen Zusammenhang mit der Dimension Humanismus aus der Skala zur Erfassung des Lebenssinns aufweisen, da die beiden Dimensionen gegensätzliche Weltanschauungen repräsentieren. Dementsprechend sollte die Dimension Naturalismus einen negativen Zusammenhang mit der Dimension Theismus der Skala zur Erfassung des Lebenssinns aufweisen.

     

    Kriteriumsvalidität ist gegeben, wenn eine Skala das interessierende Merkmal so misst, dass es mit einem für das Merkmal relevanten Außenkriterium übereinstimmt. Hierfür können die verschiedenen Dimensionen der Skala mit anderen Kriterien aus dem Fragebogen von ALLBUS 2012 korreliert werden. Es wird erwartet, dass Menschen, die eine humanistische oder naturalistische Auffassung der Welt vertreten, eher konfessionslos sind und tendenziell selten die Kirche besuchen. Hingegen kann erwartet werden, dass Menschen mit theistischer Weltauffassung mit höherer Wahrscheinlichkeit einer Religionsgemeinschaft angehören und Theismus somit einen negativen Zusammenhang mit Konfessionslosigkeit aufweist. Entsprechend sollte die Dimension Theismus einen positiven Zusammenhang mit der Häufigkeit eines Kirchengangs aufweisen.

     

    Zur Überprüfung der Konstruktvalidität wurde die Skala zur Erfassung des Lebenssinns aus ALLBUS 2012 herangezogen (αTheismus = .79, αHumanismus = .69, αNihilismus = .77):

    -       „Das Leben hat für mich nur eine Bedeutung, weil es einen Gott gibt.“ (Theismus)

    -       „Das Leben hat einen Sinn, weil es nach dem Tode noch etwas gibt.“ (Theismus)

    -       „Das Leben hat nur dann einen Sinn, wenn man ihm selber einen Sinn gibt.“ (Humanismus)

    -       „Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, dass man versucht, das Beste daraus zu machen.“ (Humanismus)

    -       „Das Leben hat meiner Meinung nach wenig Sinn.“ (Nihilismus)

    -       „Meiner Meinung nach dient das Leben zu gar nichts.“ (Nihilismus)

     

    Folgende Variablen aus ALLBUS 2012 wurden zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität herangezogen:

    -       Konfessionslosigkeit: „Darf ich Sie fragen, welcher Religionsgemeinschaft Sie angehören?“ –Antwortkategorie „keiner Religionsgemeinschaft“ vs. evangelische, römisch-katholische oder andere Religionszugehörigkeit

    -       Häufigkeit Kirchgang: „Wie oft gehen Sie im Allgemeinen in die Kirche - bzw. in die Moschee, Synagoge oder ein anderes Gotteshaus?“

     

    Um die Kriteriums- und Konstruktvalidität zu überprüfen, wurden bivariate Korrelationen nach Pearson berechnet. Die praktische Bedeutsamkeit der so ermittelten Validitätskoeffizienten wird nach den Richtlinien von Cohen (1992) vorgenommen: kleiner Effekt (r = .10), mittlerer Effekt (r = .30), starker Effekt (r = .50). Wie aus Tabelle 4 entnommen werden kann, korrelieren die Dimensionen Theismus und Humanismus aus den Skalen zu kosmologischen Überzeugungen und zum Lebenssinn leicht bis stark positiv. Erwartungskonform korreliert dagegen die Dimension Humanismus (Kosmologien) leicht negativ mit Theismus (Lebenssinn). Ebenso korrelieren die Dimensionen Theismus (Kosmologien) und Humanismus (Lebenssinn) leicht negativ. Wie erwartet korrelieren Naturalismus und Nihilismus leicht positiv. Zudem korreliert Naturalismus leicht negativ mit Theismus (Lebenssinn) und leicht positiv mit Humanismus (Lebenssinn). Weiterhin besteht nach Cohen ein hoher positiver Zusammenhang zwischen Theismus und der Häufigkeit des Kirchengangs. Ebenfalls findet sich ein kleiner Effekt des Zusammenhangs zwischen Humanismus, Naturalismus und Konfessionslosigkeit. Entsprechend weist Theismus einen hohen negativen Zusammenhang mit Konfessionslosigkeit auf, während Humanismus und Naturalismus leicht negativ mit der Häufigkeit des Kirchengangs zusammenhängen. Insgesamt sprechen diese Ergebnisse für das Vorliegen von Konstrukt- und Kriteriumsvalidität aller Dimensionen der Skala zur Erfassung kosmologischer Überzeugungen.

     

    Tabelle 4

    Korrelationen der Dimensionen Theismus, Humanismus und Naturalismus mit relevanten Variablen

     

    Theismus (LS)

    Humanismus (LS)

    Nihilismus (LS)

    Konfessions-

    losigkeit

    Häufigkeit Kirchengang

     

    Theismus

     .71

    -.08

    -.17

    -.49

     .56

     

    Humanismus

    -.22

     .22

     .25

     .15

    -.22

     

    Naturalismus

    -.18

     .21

     .24

     .12

    -.21

     

    Anm.: Korrelationskoeffizienten nach Spearman, LS = Lebenssinn-Skala. Alle Korrelationen sind signifikant, p < .01 (einseitig).

     

    Deskriptive Statistiken (Normierung)

    Die Dimension Theismus ist leicht rechtsschief mit einer negativen Kurtosis (Schiefe = .17, Kurtosis = -1.27). Die beiden anderen Dimensionen dagegen sind leicht linksschief mit unterschiedlicher Kurtosis (Humanismus: Schiefe = -.55, Kurtosis = -.52; Naturalismus: Schiefe = -1.01, Kurtosis = .26). Die absoluten Werte von Schiefe und Kurtosis sind in allen Fällen nicht viel größer als 1, sodass man davon ausgehen kann, dass keine bedeutsame Abweichung von der Normalverteilung vorliegt. Dies bestätigt auch ein Sichtvergleich mit den Normalverteilungskurven im Histogramm.

    In den Tabellen 5 bis 7 sind deskriptive Statistiken in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die Skala zur Erfassung kosmologischer Überzeugungen dargestellt. Diese wurden 2012 im Rahmen der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) ermittelt. Die Daten wurden zuvor gewichtet, sodass sie einen Vergleich der Skalenwerte mit relevanten Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe ermöglichen, zum Beispiel von Männern oder Frauen oder von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde folgendermaßen vorgenommen: Es besteht ein geringes Bildungsniveau, wenn (noch) kein Schulabschluss oder ein Volks-/Hauptschulabschluss vorliegt. Bei einem Realschulabschluss handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei einer (Fach-)Hochschulreife um ein hohes Bildungsniveau.

     

    Tabelle 5

    Deskriptive Statistiken kosmologischer Überzeugungen: Theismus

    Geschlecht

    Bildung

    N

    MW

    SD

    Männlich

    Gering

    532

    2.77

    1.41

    Mittel

    451

    2.36

    1.34

    Hoch

    442

    2.56

    1.42

    Gesamt

    1,425

    2.58

    1.40

    Weiblich

    Gering

    414

    3.16

    1.33

    Mittel

    516

    2.69

    1.38

    Hoch

    411

    2.88

    1.42

    Gesamt

    1,341

    2.90

    1.39

    Gesamt (Geschlecht)

    Gering

    946

    2.94

    1.38

    Mittel

    967

    2.54

    1.38

    Hoch

    853

    2.72

    1.42

    Gesamt

    2,766

    2.73

    1.40

    Anm.: N = 2,766. Gewichtete Daten. Die Items wurden zuvor umkodiert, sodass ein höherer Mittelwert eine höhere Zustimmung zu den Items ausdrückt.


     

    Tabelle 6

    Deskriptive Statistiken kosmologischer Überzeugungen: Humanismus

    Geschlecht

    Bildung

    N

    MW

    SD

    Männlich

    Gering

    532

    3.59

    1.11

    Mittel

    451

    3.29

    1.19

    Hoch

    442

    3.23

    1.12

    Gesamt

    1,425

    3.39

    1.15

    Weiblich

    Gering

    414

    3.65

    1.02

    Mittel

    516

    3.40

    1.17

    Hoch

    411

    3.31

    1.14

    Gesamt

    1,341

    3.45

    1.12

    Gesamt (Geschlecht)

    Gering

    946

    3.62

    1.07

    Mittel

    967

    3.35

    1.18

    Hoch

    853

    3.27

    1.13

    Gesamt

    2,766

    3.42

    1.14

     Anm.: N = 2,766. Gewichtete Daten. Die Items wurden zuvor umkodiert, sodass ein höherer Mittelwert eine höhere Zustimmung zu den Items ausdrückt.

     

    Tabelle 7

    Deskriptive Statistiken kosmologischer Überzeugungen: Naturalismus

    Geschlecht

    Bildung

    N

    MW

    SD

    Männlich

    Gering

    532

    4.08

    .97

    Mittel

    451

    4.13

    1.00

    Hoch

    442

    3.78

    1.19

    Gesamt

    1,425

    4.00

    1.07

    Weiblich

    Gering

    414

    3.87

    1.06

    Mittel

    516

    3.94

    1.06

    Hoch

    411

    3.67

    1.16

    Gesamt

    1,341

    3.84

    1.10

    Gesamt (Geschlecht)

    Gering

    946

    3.99

    1.02

    Mittel

    967

    4.03

    1.04

    Hoch

    853

    3.73

    1.18

    Gesamt

    2,766

    3.92

    1.08

    Anm.: N = 2,766. Gewichtete Daten. Die Items wurden zuvor umkodiert, sodass ein höherer Mittelwert eine höhere Zustimmung zu den Items ausdrückt.

     

    Nebengütekriterien

    Um die Testfairness der Skala zur Erfassung kosmologischer Überzeugungen zu überprüfen, wurden anhand von Strukturgleichungsmodellen verschiedene Formen der Messinvarianz zwischen verschiedenen Alterskategorien und Religionszugehörigkeiten systematisch überprüft. Kann die Messinvarianz bestätigt werden, ist Testfairness gegeben, weil dann keine systematische Diskriminierung bestimmter Testpersonen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit vorliegt.

    Konfigurale Messinvarianz liegt vor, wenn die Anzahl der Faktoren und die Ladungsmuster der Items auf den Faktoren in allen Gruppen gleich sind. Bei metrischer Messinvarianz sind zusätzlich die Faktorladungen der manifesten Variablen in allen Gruppen gleich, die Items bilden demnach das Konstrukt in allen Gruppen in gleicher Stärke ab. Skalare Messinvarianz ist gegeben, wenn in allen Gruppen die Faktorladungen und Intercepts der manifesten Variablen gleich sind. Dadurch besteht in allen Gruppen der gleiche Zusammenhang zwischen Testitems und dem zu erfassenden Merkmal und die Itemschwierigkeiten sind in allen Gruppen gleich.

    Die Religionszugehörigkeiten beinhalten im ursprünglichen Datensatz acht Kategorien („evangelisch ohne Freikirche“, „evangelische Freikirche“, „römisch-katholisch“, „andere christliche Religion“, „andere nicht-christliche Religion“, „keine Religionsgemeinschaft“, „verweigert“, „keine Angabe“) und wurden im Vorfeld zu zwei Kategorien („christliche Religion“ und „andere oder keine Religion“) zusammengefasst. Ebenso wurde das Alter von sechs auf drei Antwortkategorien (18-44 Jahre, 45-74 Jahre und ≥ 75 Jahre) reduziert, indem jeweils zwei aufeinanderfolgende Kategorien zusammengefasst wurden.

    Die Ergebnisse der Analyse sind in den Tabellen 8 und 9 dargestellt. Mittels Chi-Quadrat-Test und Überprüfung der CFI-Differenz wurde jeweils das striktere Modell mit dem weniger strikten Modell verglichen. Nach Cheung und Rensvold (2002) liegt eine bedeutsame Änderung im Vergleich zum Ausgangsmodell vor, wenn die Differenz zwischen den CFI-Werten ΔCFI > -.01 beträgt. Eine signifikante Differenz im Chi-Quadrat-Test dient zudem als Indikator für eine statistisch signifikante Änderung des Modells durch die festgelegten Einschränkungen im Vergleich zum Ausgangsmodell.

     

    Tabelle 8

    Prüfung auf Messinvarianz kosmologischer Überzeugungen – Alter

    N = 2,950

    RMSEA

    CFI

    χ²

    df

    Δχ²

    Δdf

    Konfigurale Messinvarianz

    .04

    .99

    85.07

    18

     

     

    Metrische Messinvarianz

    .03

    .99

    95.57

    30

       10.50

    12

    Skalare Messinvarianz

    .03

    .98

    160.71

    42

       65.14***

    12

    Anm.: 18-44 J.: n = 1,040, 45-74 J.: N = 825, > 74 J.: N = 911, ***p ≤ .001.

     

    Das Modell der metrischen Messinvarianz weist für die verschiedenen Alterskategorien eine sehr gute Gesamtpassung auf. Für das skalare Messinvarianzmodell liegt eine statistisch signifikante Chi-Quadrat-Differenz zum Modell metrischer Messinvarianz (Δχ² (12) = 65.14, p ≤ .001) vor. Da die Differenz zwischen den CFI-Werten jedoch nur ΔCFI = -.01 beträgt, kann nach Cheung und Rensvold (2002) davon ausgegangen werden, dass skalare Messinvarianz gegeben ist. Die Werte des RMSEA und des CFI, die sich alle im akzeptablen Bereich befinden, deuten ebenfalls darauf hin, dass keine bedeutsame Verletzung der Messinvarianz vorliegt. Somit sind Struktur, Faktorladungen und Intercepts (Regressionskonstanten) des Modells über alle Gruppen hinweg gleich und es ist ein aussagekräftiger Vergleich der Personen aus den unterschiedlichen Gruppen bezüglich der kosmologischen Überzeugungen möglich.

     

    Tabelle 9

    Prüfung auf Messinvarianz kosmologischer Überzeugungen – Glaubensrichtung

    N = 2,950

    RMSEA

    CFI

    χ²

    df

    Δχ²

    Δdf

    Konfigurale Messinvarianz

    .04

    .99

    64.27

    12

     

     

    Metrische Messinvarianz

    .04

    .99

    89.21

    18

      24.94***

    6

    Skalare Messinvarianz

    .10

    .86

    717.87

    24

    628.66***

    6

    Anm.: Christlich: N = 1,868, Andere/keine: N = 1,082, ***p ≤ .001.

     

    Über die Kategorien der Glaubensrichtung liegt eine statistisch signifikante Chi-Quadrat-Differenz (Δχ² (6) = 24.94, p ≤ .001) zwischen dem Modell metrischer und konfiguraler Messinvarianz vor. Da sich die CFI-Werte der beiden Modelle jedoch nicht unterscheiden, kann nach Cheung und Rensvold (2002) davon ausgegangen werden, dass metrische Messinvarianz gegeben ist. Zwischen dem Modell skalarer und metrischer Messinvarianz liegt ebenfalls eine signifikante Chi-Quadrat-Differenz (Δχ² (6) = 628.66, p ≤ .001) vor. Bei der Differenz der CFI-Werte von ΔCFI = -.13 handelt es sich nach Cheung und Rensvold (2002) um einen bedeutsamen Unterschied. Daher kann über die verschiedenen Kategorien der Religionszugehörigkeit lediglich metrische Messinvarianz angenommen werden. Das Modell hat damit in allen Gruppen die gleiche Struktur und die gleichen Faktorladungen. Die Intercepts (Regressionskonstanten) können aber in den verschiedenen Gruppen unterschiedliche Werte haben. Es kann daher itemspezifische Schwierigkeitsunterschiede zwischen den Gruppen geben. Mittelwertsvergleiche können daher innerhalb, nicht aber zwischen Gruppen vorgenommen werden.


     

     

    •       Bianka Breyer, GESIS Leibniz Institute for the Social Sciences, Survey Design and Methodology, P.O. Box 12 21 55, 68072 Mannheim, Germany, E-Mail: bianka.breyer@gesis.org
    •       Daniel Danner, GESIS Leibniz Institute for the Social Sciences, Survey Design and Methodology, P.O. Box 12 21 55, 68072 Mannheim, Germany, E-Mail:daniel.danner@gesis.org

    Die Skala wurde unter anderem in den folgenden Studien eingesetzt:

    -       ALLBUS 1982 (einige Items)

    -       ALLBUS 1991 (Item 1)

    -       ALLBUS 1992

    -       ALLBUS 2002

    -       ALLBUS/GGSS 2008 (Item 1)

    -       ALLBUS 2012

    -       Säkularisierung und Entsäulung in den Niederlanden 1984 (einige Items, niederländisch)

    -       Kirchenmitgliedschafts-Studie der EKD 1992 (Item 4)

    -       Youth in Europe 2005 (in ähnlicher Form)

    -       Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung 2010 (einige Items)