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Gerechtigkeitsideologien

  • Autor/in: Stark, G., Liebig, S., & Wegener, B.
  • In ZIS seit: 1999
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis162
  • Zusammenfassung: Gerechtigkeitsideologien beschreiben einen Kernbereich von Werthaltungen, die mit Gerechtigkeitsüberzeugungen zu tun haben. Die vier Gerechtigkeitsideologien Askriptivismus, Etatismus, Individ ... mehrualismus und Fatalismus wurden vom Berliner Gerechtigkeitsprojekt mit den Daten des International Social Justice Project (ISJP) empirisch rekonstruiert. Das Instrument wurde bereits in zwölf Ländern eingesetzt. weniger
    Abstract: Ideologies of justice describe a core area of values that have to do with beliefs in justice. The four ideologies of justice - ascriptivism, etatism, individualism and fatalism - were empirically r ... mehreconstructed by the Berlin Justice Project using data from the International Social Justice Project (ISJP). The instrument has already been used in twelve countries. weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch, englisch (original)
  • Anzahl der Items: 8
  • Reliabilität: keine Angaben
  • Validität: keine Angaben
  • Konstrukt: Gerechtigkeitsideologie
  • Schlagwörter: Werthaltungen, Askriptivismus, Etatismus, Individualismus, Fatalismus | value attitudes, askriptivism, etatism, individualism, fatalism
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: ja
  • URL Datenarchiv: http://dx.doi.org/10.4232/1.3217
  • Entwicklungsstand: erprobt, normiert
    • Instruktion

      Wegen ihrer Herkunft aus unterschiedlichen Fragebatterien werden die hier dokumentierten acht Indikatoren mit unterschiedlichen Instruktionen vorgegeben:

       

      Items

      -       Indikatoren (1) und (2):Hier sind einige Aussagen zur Rolle des Staates in Deutschland. Sagen Sie mir bitte zu jeder Aussage, ob Sie voll zustimmen, etwas zustimmen, weder zustimmen noch ablehnen, oder ob Sie etwas oder ganz ablehnen. (I will now read out some statements that have been made about the role of government in ... (country). Using one of the phrases on this card, please tell me how much you agree or disagree with each statement.)

      -       Indikatoren (3) und (4): Jetzt einige Fragen über die Einkommen in Deutschland. Auf dieser Liste stehen einige Aussagen. Sagen Sie mir bitte zu den einzelnen Aussagen, ob Sie voll zustimmen, etwas zustimmen, weder zustimmen noch ablehnen, etwas ablehnen oder ganz ablehnen. (Now some questions about incomes in ... (country). For each statement I read, tell me to what extent you agree or disagree with each, using the phrases on this card.)

      -       Indikatoren (5) und (6): Diese Aussagen beschäftigen sich damit, was man in Deutschland für gerecht halten kann. Würden Sie bitte wieder sagen, ob Sie voll zustimmen, etwas zustimmen, weder zustimmen noch ablehnen, etwas ablehnen oder ganz ablehnen. (Here are some more statements that are sometimes made about what is just and unjust in ... (country). Using the same card tell me how much you agree or disagree with each.)

      -       Indikatoren (7) und (8): Hier sind einige Aussagen über Einkommen und Vermögen. Bitte geben Sie an, ob Sie ihnen: voll zustimmen, etwas zustimmen, ob Sie weder zustimmen noch ablehnen, oder ob Sie etwas ablehnen oder ganz ablehnen. (I will read out some statements about wealth and income. For each statement please tell me how much you agree with each, using a phrase from this card.)

       

      Nr.

      Item

      Englische Version

      Kurzbezeichnung des Indikators

      1

      Der Staat sollte für alle einen Mindestlebensstandard garantieren.

      The government should guarantee everyone a minimum standard of living.

      Staat: minimalen Lebensstandard garantieren (v129)

      2

      Der Staat sollte für alle, die arbeiten wollen, einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen.

      The government should provide a job for everyone who wants one.

      Staat: Arbeitsplätze garantieren (v131)

      3

      Ein Anreiz für Leistung besteht nur dann, wenn die Unterschiede im Einkommen groß genug sind.

      There is an incentive for individual effort only if differences in income are large enough.

      hohe Einkommensdifferenzen: Leistungsanreiz (v112)

      4

      Es hat schon seine Richtigkeit, wenn Unternehmer große Gewinne machen, denn am Ende profitieren alle davon.

      It is all right if businessmen make good profits because everyone benefits in the end.

      hohe Einkommensdifferenzen: alle profitieren (v113)

      5

      Es ist zwecklos, sich über soziale Gerechtigkeit zu streiten, weil sich die Verhältnisse doch nicht ändern lassen.

      There is no point arguing about social justice since it is impossible to change things.

      man kann sowieso nichts ändern (v213)

      6

      So wie die Zustände heute sind, weiß man gar nicht mehr, was eigentlich gerecht ist.

      The way things are these days, it is hard to know what is just anymore.

      weiß nicht, was gerecht ist (v214)

      7

      Es ist gerecht, dass man das, was man sich durch Arbeit verdient hat, behält, auch wenn das heißt, dass einige reicher sind als andere.

      People are entitled to keep what they have earned, even if this means some people will be wealthier than others.

      gerecht: Reichtum auf Grund eigener Arbeit (v202)

      8

      Es ist gerecht, dass Eltern ihr Vermögen an ihre Kinder weitergeben, auch wenn das heißt, dass die Kinder reicher Eltern im Leben bessere Chancen haben.

      People are entitled to pass on their wealth to their children.

      gerecht: Vererbung von Reichtumsprivilegien (v204)

       

      Antwortvorgaben

      Bei allen Indikatoren eine 5-stufige Skala mit den Antwortkategorien:

      1 = stimme voll und ganz zu (strongly agree); 2 = stimme etwas zu (somewhat agree); 3 =  weder / noch (neither agree nor disagree); 4 = lehne etwas ab (somewhat disagree); 5 = lehne ganz ab (strongly disagree).

      Eine Darstellung der vollständigen Fragebatterien kann den Projektdokumentationen des ISJP entnommen werden (Kleebaur & Wegener, 1991: Fragen 28a-d, 31a-e, 47a-g, 48a-d; Christoph et al. 1998: Fragen 47a-d, 51a-c, 82a-g, 83h-q; Christoph et al., 1998: Codebuch Band I: Variablen v111-v114, v129-v131, v200-v214).

       

      Auswertungshinweise

      Die hier vorgestellten Gerechtigkeitsideologien lassen sich für weitergehende Analysen in zwei grundsätzlich verschiedenen Weisen nutzen:

      -       Verwendung aus der Faktorenanalyse der Gesamtstichprobe resultierenden Faktorwerte um globale Länderunterschiede darzustellen und weitergehend zu analysieren (zum Beispiel durch Verwendung der Gerechtigkeitsideologien als unabhängige Variablen in Regressionsanalysen);

      -       Verwendung der hier vorgestellten Dimensionsstruktur der acht Basisindikatoren im Rahmen von weitergehenden Analysen (zum Beispiel in Strukturgleichungsmodellen).

      Es ist auch darauf hinzuweisen, dass die hier vorgestellte Faktorenanalyse von einer Unabhängigkeit der Einstellungsdimensionen ausgeht. Eine einfache mathematische Verknüpfung der Gerechtigkeitsideologien (z.B. Indexbildung oder Berechnung von Differenzen) ist von daher auf der Basis des hier vorgestellten Instruments nicht sinnvoll.

       

       

    Gerechtigkeitsideologien beschreiben einen Kernbereich von Werthaltungen, die mit Gerechtigkeitsüberzeugungen zu tun haben. Der Begriff bringt zum Ausdruck, dass es sich dabei um kollektive Überzeugungen handelt, die im Sinne der Deviationen Paretos Rechtfertigungen von Präferenzen für Verteilungsregime darstellen (Pareto, 1962; Boudon, 1988). Gerechtigkeitsideologien beschreiben Muster von Präferenzen, die sich auf die Frage richten, wem Verantwortung für Ressourcenzuteilungen zugewiesen wird und wie die Verteilungsergebnisse auszusehen haben.

    Anknüpfend an die Kulturtheorie der Anthropologin Mary Douglas (1982, 1996) wird davon ausgegangen, dass Gerechtigkeitsideologien Reaktionen auf die sozialen Umwelten sind, in denen Menschen leben. Für Douglas (1982; 1996) variieren diese sozialen Umwelten auf zwei Dimensionen in der von ihr geprägten Terminologie: nach Abstufungen von grid und group. Mit grid ist eine Dimension der Individuation, mit group hingegen eine der sozialen Inkorporation gemeint. Je umfassender und strikter Menschen externen Zwängen ausgeliefert sind, die sich aus dem Hierarchiegefüge eines Sozialaufbaus und den damit verbundenen Regulationen ergeben, umso weniger können sie ihr Leben selbst bestimmen (grid). Gleichzeitig ist die soziale Umwelt durch das Ausmaß gekennzeichnet, in dem die Menschen Teil abgegrenzter sozialer Einheiten sind (group). Je stärker das Individuum in diesem Sinne inkorporiert ist, umso mehr werden seine Entscheidungen von Gruppennormen determiniert. In einem Fall besteht die soziale Kontrolle also in dem Zwang, Regeln zu befolgen, die für bestimmte soziale Hierarchiepositionen gelten; im anderen geht es um das Ausmaß, in dem eine Person den bestehenden Gruppennormen unterworfen ist. Beide Dimensionen können unabhängig voneinander variieren: Die soziale Umwelt übt entweder starke oder schwache hierarchiebedingte Restriktionen aus und sie involviert den Menschen in entweder starker oder schwacher sozialer Schließung. Da die Überzeugungen und Werthaltungen Hilfsmittel sind, um Verhaltensweisen in diesen sozialen Umwelten zu rechtfertigen, variieren auch die Denkstile nach den möglichen orthogonalen Abstufungen von grid und group. Betrachtet man nur die extremen Ausprägungen, so ergeben sich vier Denkstile. Entsprechend lassen sich auch vier Denkstile der Gerechtigkeit  oder Gerechtigkeitsideologien unterscheiden: Askriptivismus, Etatismus, Individualismus und Fatalismus (Wegener & Liebig, 1993, 1998).

    Wer unter den Bedingungen hoher Hierarchisierung und starker Gruppeneinbindung lebt, findet es natürlich, in abgeschlossenen Gruppen zu leben und den Normen dieser Gruppen unterworfen zu sein. Zugleich sind es diese Personen gewohnt, starre, an die jeweiligen sozialen Positionen gebundene Regeln zu befolgen. Sie werden deshalb auch ein Interesse daran haben, die Verantwortung für Verteilungsungleichheit nicht zu personalisieren (Thompson et al., 1990, S. 59). Für sie ist die faktische Verteilung von Privilegien und Gütern naturgegeben oder askriptiv überliefert. Eine Veränderung der eingefahrenen Verteilungsmechanismen und -ergebnisse kommt für sie deswegen nicht in Betracht. Die unter diesen Bedingungen naheliegende Gerechtigkeitsideologie ist daher Askriptivismus (Wegener & Liebig, 1993), ein Standpunkt, der die gegebenen Ungleichheitsverhältnisse bewahrt.

    Menschen deren soziale Umwelt sie zwar inkorporiert, ihnen aber nur eine schwache hierarchische Struktur vermittelt, leben mit einer klaren Gruppenzugehörigkeit ohne hierarchiebedingten Restriktionen unterworfen zu sein. Deshalb ist aus dieser Sicht auch eine weitgehende Verteilungsgleichheit anzustreben. Doch diese Personen sind nicht nur Egalitaristen, sondern sie vertreten häufig auch einen Etatismus, wenn es um die Verteilung von Gütern in einer Gesellschaft geht. Sie appellieren damit an die Autorität des Staates. Weil er die Schuld an der ungerechten Verteilung von Reichtum und Armut trägt, muss eine Umverteilung ihrer Meinung nach auch von staatlichen Instanzen vorgenommen werden.

    Wenn nicht nur die hierarchiebedingten Restriktionen schwach sind, sondern Personen auch weitgehend frei von Solidarität und Gruppenzwängen existieren, werden sie eine individualistische Gerechtigkeitsideologie vertreten. Aus der Sicht des Individualismus steht fest, dass nur der Tüchtige mit Erfolg belohnt wird; nur eigener Einsatz und Leistung zählen; nur durch Leistung erworbene Verdienste sind gerecht. Deswegen ist ein Verteilungssystem, das auf Wettbewerb beruht und Robustheit belohnt, die Grundlage dieser Gerechtigkeitsideologie.

    Wer sich hingegen den Restriktionen, die sich aus seiner Stellung im sozialen Hierarchiegefüge ergeben, in starkem Maße ausgesetzt sieht, ohne sich auf die Solidarität einer Gruppe stützen zu können, wird auf die Dauer dazu gebracht, sich fatalistisch in sein Schicksal zu fügen. Zwar ist die Verminderung sozialer Ungleichheit der Wunsch dieser Personen, es fehlt ihnen aber die Bindung an eine Gruppe, auf deren Solidarität sie rechnen können. Ihre Gerechtigkeitsideologie besteht in resignativer Verneinung von Gerechtigkeit, in Fatalismus.

     

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Die vier Gerechtigkeitsideologien Askriptivismus, Etatismus, Individualismus und Fatalismus wurden vom Berliner Gerechtigkeitsprojekt mit den Daten des International Social Justice Project (ISJP) empirisch rekonstruiert. An diesem internationalen, gemeinschaftlichen Forschungsprogramm sind Sozialwissenschaftler aus zwölf Ländern beteiligt (Kluegel, Mason & Wegener, 1995). Ziel des Vorhabens ist, die Einstellungen zur sozialen Gerechtigkeit und sozialen Ungleichheit der Bevölkerungen in diesen zwölf Ländern vergleichend zu untersuchen.

    Die Basis der in den jeweiligen Landessprachen abgefassten Fragebögen war ein gemeinsam erarbeiteter englischsprachiger Fragebogen. Eine Vergleichbarkeit der verwendeten Fragestellungen wurde zusätzlich durch Rückübersetzungen der Fragebögen ins Englische und anschließende Modifizierungen der nationalen Fragebögen erhöht.

    Die Tatsache, dass ein einheitlicher englischer Fragebogen die Grundlage aller nationalen Untersuchungen war, legt es auch nahe, in den nachfolgenden Indikatorenbeschreibungen neben den deutschen Indikatorenformulierungen in Klammern auch die englischen Formulierungen anzugeben. Den ausführlichen Beschreibungen der acht verwendeten Indikatoren sind jeweils deren nachfolgend verwendeten Kurzbeschreibungen und die Variablennummern des ISJP-Datensatzes angefügt.

    Der Operationalisierung der vier Gerechtigkeitsideologien liegen acht Indikatoren zugrunde, die sich als Auswahl aus einer wesentlich größeren Anzahl von Fragen zur Rolle der Regierung, zur Bedeutung von Unterschieden der Einkommen und Vermögen sowie zur allgemeinen Gerechtigkeitssituation ergeben und mit denen sich die vier Konstrukte messen lassen. Die Auswahl der Indikatoren erfolgte theoriegeleitet und empirisch auf Grund des Augenscheins. Das empirische Auswahlkriterium war dabei eine hohe Stabilität der Faktorstrukturen in der Gesamtstichprobe (vgl. Tabelle 1.0) und in den nach Ländern und Befragungszeitpunkten getrennt untersuchten Teilstichproben (vgl. Tabelle A1 – A22 im Anhang).

     

    Tabelle 1

    Skalierung der Werteskalen der Items: Auf Grund der Antwortskalen der acht Basisindikatoren der Faktorlösung, der Richtung der Faktorladungen in der Faktorlösung der Gesamtstichprobe sowie der teilweisen Invertierung der Faktorwerte entsprechen in den folgenden Tabellen positive Mittelwerte einer über und negative Mittelwerte einer unter dem Durchschnitt liegenden Befürwortung bzw. Ablehnung einer Gerechtigkeitsideologie.

     

    M

    s

    Min

    Max

    Gerechtigkeitsideologien

    1.0 Gesamtstichprobe (N=21573)

    Etatismus

    0.000

    0.754

    -2.765

    0.772

    Askriptivismus

    0.000

    0.724

    -3.767

    0.692

    Individualismus

    0.000

    0.742

    -1.777

    1.377

    Fatalismus

    0.000

    0.675

    -1.887

    1.444

    Anmerkungen. Die Datenanalysen wurden mit Stata Version 6.0 durchgeführt

     

    Auf eine Darstellung der vollständigen Fragebatterien wird hier verzichtet. Sie können den Projektdokumentationen des ISJP entnommen werden (Kleebaur & Wegener, 1991: Fragen 28a-d, 31a-e, 47a-g, 48a-d; Christoph et al., 1998: Fragen 47a-d, 51a-c, 82a-g, 83h-q; Christoph et al., 1998: Codebuch Band I: Variablen v111-v114, v129-v131, v200-v214)

    Auf Grund ihrer Herkunft aus unterschiedlichen Fragebatterien waren den einzelnen Indikatoren verschiedene einleitende Texte vorangestellt.

     

    Stichproben

    Im Rahmen des ISJP wurden in den Teilnehmerländern gleichlautende standardisierte allgemeine Bevölkerungsumfragen an repräsentativen Zufallsstichproben (Tabelle 2) durchgeführt. Die ersten Befragungen fanden im Frühjahr und Sommer 1991 statt. Im Herbst 1996 wurden in der Mehrzahl der vormals sozialistischen Länder (Bulgarien, Estland, Russland, Tschechische Republik, Ungarn und Deutschland Ost) und in Westdeutschland genaue Replikationen vorgenommen, um Trendveränderungen nach fünf Jahren messen zu können.


     

    Tabelle 2

    Technische Daten der ISJP-Befragungen in den Teilnehmerländern

    Land

    Umfrage-institut

    Basis des Auswahl-verfahrens

    Alter der Befragten

    Befragungs-zeitraum

    Interview-verfahren

    Aus-schöpfungs-quoten

    Reali-sierte Stich-probe

     

    1. Erhebungswelle des ISJP

    Bulgarien

    Academy of Science

    alle Haushalte

    18+

    1.6 - 15.7.1991

    mündliches Interview

    86.0 %

    1.405

    Ostdeutschland

    ZUMA/INFAS

    alle Haushalte: ADM-Design

    18+

    1.4. - 15.6.1991

    mündliches Interview

    62.5 %

    1.019

    Westdeutschland

    ZUMA/ INFAS

    alle Haushalte: ADM-Design

    18+

    1.4. - 15.6.1991

    mündliches Interview

    63.0 %

    1.837

    Ungarn

    TARKI

    Adressenliste

    18+

    17.7. - 30.7.1991

    mündliches Interview

    74.1 %

    1.000

    Japan

    k.A.

    Wählerverzeichnis.

    20+

    17.7. - 17.9.1991

    mündliches Interview

    51.8 %

    777

    Niederlande

    SRF

    repräsentatives Telepanel1

    18+

    31.5. - 11.6.1991, 8.11.-25.11.1991

    Selbsteing.: Computer mit Modem

    66.1 %

    1.783

    Polen

    ISS (Polen)

    alle Haushalte

    18+

    20.6. - 2.7.1991

    mündliches Interview

    79.0 %

    1.542

    Großbritannien

    RSGB

    Adressenliste der Post

    18+

    3.5. - 17.7.1991

    mündliches Interview

    66.1 %

    1.319

    USA

    ISR/SRC

    Telefonnr.-Liste: RDD-Design

    18+

    10.3. - 20.7.1991

    telefonische Interviews

    68.1 %

    1.414

    Russland

    VCIOM

    lokale polizeil. Adressenlisten

    16+

    20.10.-25.11.1991

    mündliches Interview

    76.3 %

    1.734

                         

     

    Land

    Umfrage-institut

    Basis des Auswahl-verfahrens

    Alter der Befragten

    Befragungs-zeitraum

    Interview-verfahren

    Aus-schöpfungs-quoten

    Reali-sierte Stich-probe

    Land

    Umfrage-institut

    Basis des Auswahlver-fahrens

    Alter der Befrag-ten

    Befragungs-zeitraum

    Interview-verfahren

    Ausschöp-fungsquoten

    Reali-sierte Stich-probe

    Slowenien

    ISS (Slovenien)

    Einwohnerliste

    18+

    1.6. - 28.8.1991

    mündliches Interview

    91.1 %

    1.375

    Tschechoslowakei

    STEM

    Adressenliste

    18+

    26.6. - 14.7.1991

    mündliches Interview

    82.7 %

    Tschechien: 810, Slowakei: 370

    Estland

    Saar Pool

    alle Haushalte

    18+

    14.2. - 9.3.1991

    mündliches Interview

    unpräzise Angabe: 89%

    1.000

     

    2. Erhebungswelle des ISJP

    Bulgarien

    Vitosha Research

    Adressenliste

    18+

    30.11.-14.12.1996

    mündliches Interview

    74.5%

    1.636

    Ostdeutschland

    GFM-GETAS

    alle Haushalte: ADM-Design

    18+

    16.11.-31.12.1996, 1.1.-15.1.1997

    mündliches Interview

    72.0%

    1.137

    Westdeutschland

    GFM-GETAS

    alle Haushalte: ADM-Design

    18+

    16.11.-31.12.1996, 1.1.-15.1.1997

    mündliches Interview

    67.2%

    987

    Ungarn

    TARKI

    Adressenliste

    18+

    15.9.-30.9.1996

    mündliches Interview

    unpräzise Angabe: 95%

    1.001

    Russland

    VCIOM

    alle Haushalte

    18+

    1.6.-17.6.1996

    mündliches Interview

    67.1%

    1.585

    Tschech Republik

    STEM

    Adressenliste

    18+

    15.9-29.10.1995

    mündliches Interview

    77.8%

    1.246

    Estland

    Saar Pool

    k.A.

    17+

    19.6.-2.7.1996

    k.A.

    k.A.

    1.025

                                   

     

    Die dieser Instrumentenbeschreibung beigefügten Indikatoren- und Itembeschreibungen erfolgen deshalb sowohl für die Gesamtstichprobe als auch für die verschiedenen Teilstichproben. Des Weiteren beziehen sich die angegebenen Kennwerte nur auf jene Fälle, die in allen acht Indikatoren gültige Werte aufwiesen. Durch diesen fallweisen Ausschluss von Missing-Werten fallen 17% der Fälle der Gesamtstichprobe aus der Analyse heraus, wobei der Anteil derartiger Missing-Fälle in den Teilstichproben erheblich variiert.

     

    Itemanalysen

    Die vier Gerechtigkeitsideologien sind Ergebnis einer explorativen Faktorenanalyse (Maximum-Likelihood-Extraktion, orthogonal rotiert). Die Faktorlösung für die Gesamtstichprobe (Tabelle 3) spiegelt wider, dass die acht Indikatoren sehr hoch mit den jeweiligen Gerechtigkeitsideologien korrelieren. Der erste Test (4 vs. 0 Faktoren) bestätigt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von unter 0.00 Prozent, dass mind.  zwei  verschiedene Faktoren  bzw. Dimensionen in  den untersuchten Variablen vorhanden  sind. Der zweite Test (4 vs. mehr Faktoren) gibt an, dass man mit einer Wahrscheinlichkeit von 96.53 Prozent irren würde, wenn man die gefundene Faktorlösung als abweichend von einer Faktorlösung einschätzen würde, die die in den Daten vorhandenen Zusammenhänge perfekt widerspiegelt.

     

    Tabelle 3

    Faktorstruktur der Gerechtigkeitsideologien der Gesamtstichprobe aller ISJP-Länder

     

    Etatismus

    Askriptivismus

    Fatalismus

    Individualismus

    h2

    v129

    .681

    .013

    -.070

    -.014

    .47

    v131

    .562

    -.023

    -.183

    -.079

    .36

    v112

    .001

    .032

    -.048

    .568

    .33

    v113

    -.131

    .091

    .079

    .493

    .27

    v213

    .079

    .013

    -.613

    .017

    .38

    v214

    .144

    .080

    -.619

    -.021

    .41

    v202

    -.047

    .351

    .014

    .196

    .16

    v204

    .007

    .699

    -.060

    .032

    .49

    Anteil durch alle Faktoren erklärten Varianz

    39.6%

    27.5%

    16.9%

    16.0%

     

     

    N=21573, Log Likelihood bei 4 Faktoren: -.035305

    Likelihood Ratio Test:

     

     

     

    4  vs.  0  Faktoren:

    chi2 (32) = 12960.19, p =  0.0000

    4  vs. mehr Faktoren:

    chi2 (2) =  0.07, p =  0.9653

    Anmerkungen. v129 Staat soll minimalen Lebensstandard garantieren, v131 Staat soll Arbeitsplätze garantieren, v112 Hohe Einkommensdiff. sind Leistungsanreiz, v113 Von hohen Einkommensdiff. profitieren alle, v213 Man kann sowieso nichts ändern, v214 Man weiß nicht mehr, was gerecht ist, v202 Reichtum auf Grund eigener Arbeit ist gerecht, v204 Vererbung von Reichtumsprivilegien ist gerecht. Die Datenanalysen wurden mit Stata Version 6.0 durchgeführt. Extraktionsmethode: Maximum-Likelihood, Rotationsverfahren: orthogonal

     

    Die Faktorlösungen der Teilstichproben (siehe Tabellen B1 – B15 im Anhang) zeigen, dass sich die in der Gesamtstichprobe gefundene Faktorstruktur auch in einer getrennten Analyse der Teilstichproben ergibt. Die auftretenden, bedeutsamen Abweichungen der Faktorladungen  haben in keinem Fall eine grundsätzlich andere Indikatorenstruktur der Einstellungsdimensionen zur Folge. Unterschiede zeigen sich jedoch in der Stärke der verschiedenen Einstellungsdimensionen in den verschiedenen Teilstichproben. Dieses spiegelt sich in den Tabellen in einer von der Faktorlösung der Gesamtstichprobe abweichenden Reihenfolge der Gerechtigkeitsideologien wider.

    Die auf der Grundlage der Faktorlösung der Gesamtstichprobe errechneten Faktorwerte der vier Einstellungsdimensionen/ Gerechtigkeitsideologien werden weiter durch die Anzahl der Fälle, ihre Mittelwerte und Streuungen sowie ihr Minimum und Maximum in der Gesamtstichprobe (Tabelle 1) und in den Teilstichproben (Tabelle A2 – A22 im Anhang)  näher beschrieben. Um einen direkten Vergleich der Ausprägungen der vier Einstellungsdimensionen zu erleichtern, wurden dabei die Skalen der Gerechtigkeitsideologien Etatismus, Askriptivismus und Individualismus invertiert.

    Ein Vergleich der Ausprägungen der Gerechtigkeitsideologien in den verschiedenen Stichproben wird wiederum durch gesonderte Tabellen (Tabellen D1 – D8 im Anhang) erleichtert, die die Deskriptionsmaße der einzelnen Gerechtigkeitsideologien in der Gesamtstichprobe und den Teilstichproben zusammenfassen.

     

    Itemkennwerte

    Auf eine über die Faktorenanalyse hinausgehende Prüfung der Güte der Einzelitems wurde auf Grund der hohen Stabilität und Qualität der Faktorlösung verzichtet.

     

     

    Als Kriterium der Güte des Gesamtinstruments ist in erster Linie die hohe Stabilität der Faktorlösung in den verschiedenen Stichproben (siehe Tabelle B1 – B15 im Anhang) anzusehen. Auf Grund des nicht-experimentellen Untersuchungsansatzes ist es wenig sinnvoll, hier die strengen Maßstäbe der statistischen Testtheorie anzulegen. Zudem ist, auf Grund des Umstandes, dass die dargestellten Gerechtigkeitsideologien auf jeweils nur zwei Indikatoren basieren, der Nutzen einer Reliabilitätsanalyse zur Beurteilung der Güte der gefundenen Einstellungsdimensionen nur eingeschränkt aussagekräftig.

     

    Deskriptive Statistiken (Normierung)

    Als Deskriptionsmaße werden für die acht Indikatoren die Anzahl der Fälle, die Mittelwerte und Streuungen in der Gesamtstichprobe (Tabelle 4) und in den Teilstichproben (siehe Tabelle C1 – C22 im Anhang) angegeben. Auf die gesonderte Benennung der jeweiligen Minima und Maxima wird verzichtet, da die Indikatorenausprägungen bis auf eine besonders gekennzeichnete Ausnahme in allen Teilstichproben jeweils zwischen 1 und 5 variieren. Um einen Vergleich der Indikatorausprägungen in den verschiedenen Stichproben zu erleichtern werden die Deskriptionsmaße für die einzelnen Indikatoren in der Gesamtstichprobe und den Teilstichproben in gesonderten Tabellen (Tabelle D1 – D8 im Anhang) zusammengefasst.

     

    Tabelle 4

    Indikatorbeschreibung für die Gesamtstichprobe (N=21573)

    Indikator

    M

    SD

    Staat: minimalen Lebensstandard garantieren (v129)

    1.686

    1.075

    Staat: Arbeitsplätze garantieren (v131)

    1.828

    1.207

    hohe Einkommensdifferenzen: Leistungsanreiz (v112)

    2.523

    1.255

    hohe Einkommensdifferenzen: alle profitieren (v113)

    3.066

    1.374

    man kann sowieso nichts ändern (v213)

    2.971

    1.458

    weiß nicht, was überhaupt gerecht ist (v214)

    2.383

    1.325

    gerecht: Reichtum auf Grund eigener Arbeit (v202)

    1.761

    0.931

    gerecht: Vererbung von Reichtumsprivilegien (v204)

    1.406

    0.773