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Deutsches modifiziertes Health Anxiety Inventory (MK-HAI)

  • Autor/in: Bailer, J. & Witthöft, M.
  • In ZIS seit: 2006
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis71
  • Zusammenfassung: Der vorliegende Fragebogen erfasst die Tendenz zu gesundheitsbezogenen Sorgen. Die Entwicklung der Skala beruht auf den Arbeiten von Salkovskis et al. (2002) und stellt die deutsche und gekürz ... mehrte Version der von ihnen erstellten Skala dar. weniger
    Abstract: The present questionnaire records the trend towards health-related concerns. The development of the scale is based on the work of Salkovskis et al. (2002) and represents the German and abbreviated ... mehrversion of the scale produced by them. weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch
  • Anzahl der Items: 14
  • Reliabilität: Cronbachs Alpha = .93
  • Validität: Hinweise auf die konvergente und die diskriminante Validität.
  • Konstrukt: Angst
  • Schlagwörter: Sorge, Krankheit, Angst | worry, sickness, anxiety
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: nein
  • Entwicklungsstand: validiert
    • Instruktion

      Der folgende Fragebogen besteht aus insgesamt 14 Fragen. Lesen Sie bitte jede dieser Aussagen aufmerksam durch und überlegen Sie, ob diese Aussage auf Sie persönlich für die letzten 6 Monate zutrifft oder nicht. Zur Bewertung jeder Aussage steht Ihnen eine fünffach abgestufte Skala zur Verfügung. Kreuzen Sie bitte an:

      -       SA = Starke Ablehnung, wenn Sie der Aussage auf keinen Fall zustimmen oder sie für völlig unzutreffend halten

      -       A = Ablehnung, wenn Sie der Aussage eher nicht zustimmen oder sie für unzutreffend halten

      -       N = Neutral, wenn die Aussage weder richtig noch falsch, also weder zutreffend noch unzutreffend ist

      -       Z =  Zustimmung, wenn Sie der Aussage eher zustimmen oder sie für zutreffend halten

      -       SZ = Starke Zustimmung, wenn Sie der Aussage nachdrücklich zustimmen oder sie für völlig zutreffend halten.

       

      Items

       

      Nr.

      Item

      1

      Ich verbringe viel Zeit damit, mir Sorgen um meine Gesundheit zu machen.

      2

      Ich beachte Schmerzen stärker als die meisten anderen Menschen (in meinem Alter).

      3

      Mir sind körperliche Empfindungen oder Veränderungen oft bewusst.

      4

      Ich versuche mich oft gegen Gedanken an Krankheit zu wehren, schaffe es aber oft nicht.

      5

      Ich habe oft Angst, eine ernsthafte Krankheit zu haben.

      6

      Mir kommen regelmäßig Bilder in den Sinn, in denen ich mich als krank sehe.

      7

      Es fällt mir oft schwer, mich von Gedanken über meine Gesundheit abzulenken.

      8

      Ich bin zunächst erleichtert, wenn mir mein Arzt versichert, dass alles in Ordnung ist, aber die Sorgen kehren immer nach einiger Zeit zurück.

      9

      Wenn ich von einer Krankheit höre, denke ich oft, dass ich diese Krankheit haben könnte.

      10

      Wenn ich eine körperliche Empfindung oder Veränderung bemerke, frage ich mich immer, was es bedeutet.

      11

      Gewöhnlich gehe ich davon aus, dass ich ein hohes Risiko habe, eine ernsthafte Krankheit zu entwickeln.

      12

      Ich denke oft, dass ich eine ernsthafte Krankheit haben könnte.

      13

      Wenn ich eine unklare körperliche Empfindung spüre, fällt es mir oft schwer, an andere Dinge zu denken.

      14

      Meine Familie / meine Freunde würden sagen, dass ich mir zu viele Sorgen um meine Gesundheit mache.

       

       

      Antwortvorgaben

      5-stufiges Antwortformat mit den Optionen:

      -       SA = Starke Ablehnung,

      -       A = Ablehnung,

      -       N = Neutral,

      -       Z = Zustimmung,

      -       SZ = Starke Zustimmung.

      Kodierung von 0 (SA) bis 4 (SZ).

       

      Auswertungshinweise

      Die Antworten werden mit 0 (SA) bis 4 (SZ) kodiert. Durch Aufsummierung der so bestimmten Antwortwerte können Befragte einen Gesamtantwortwert zwischen 0 und maximal 56 erreichen.

       

       

    Das von Salkovskis und Kollegen entwickelte Health Anxiety Inventory (HAI) basiert auf der Annahme, dass Krankheitsängstlichkeit ein kontinuierliches, eindimensionales Konstrukt ist, mit Ausprägungen von schwachen, subklinischen gesundheitsbezogenen Sorgen bis hin zu extremen hypochondrischen Krankheitsüberzeugungen (Salkovskis et al., 2002). Inhaltlich orientierte sich die Itemkonstruktion an kognitiv-behavioralen Modellen der Krankheitsängstlichkeit (z.B. Warwick & Salkovskis, 1990). Die Fehlinterpretation körperlicher Empfindungen als Zeichen einer ernsthaften Erkrankung ist dabei zentraler Bestandteil der Intensivierung und Aufrechterhaltung von Krankheitsängsten.
    Ein weiteres Ziel war die Entwicklung eines Instruments, welches zwischen spezifischer Krankheitsängstlichkeit, anderen Angststörungen (z.B. Panik und soziale Phobie) und körperlichen Erkrankungen ohne ausgeprägte Krankheitsängstlichkeit differenziert. Daher wurden explizit doppeldeutige Formulierungen (z.B. Ich bin der Überzeugung, körperlich krank zu sein) vermieden, die in alternativen Operationalisierungen verwendet werden.

     

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Die deutsche modifizierte Kurzform des Health Anxiety Inventory (MK-HAI) basiert auf einer von Salkosvskis et al. (2002) vorgeschlagenen, auf 14 Items gekürzten Fassung des HAI. Die 14 Items wurden auf Grund ihrer Trennschärfe und inhaltlichen Validität aus der ursprünglichen Langform mit 64 Items ausgewählt (Salkovskis et al., 2002). Die Items wurden zunächst von zwei Diplompsychologen (C. Rockenbach und M. Witthöft) mit sehr guten englischen Sprachkenntnissen unabhängig voneinander ins Deutsche übertragen. Der Erstautor dieser Dokumentation glich diese Übersetzungen ab und vereinheitlichte sie.

    In der englischen Version sind jedem der 14 Items vier mögliche Antwortoptionen mit zunehmender Intensität zugeordnet – z.B.  Item 1: (a) I do not worry about my health. (b) I occasionally worry about my health. (c) I spend much of my time worrying about my health. (d) I spend most of my time worrying about my health. Für die hier dargestellte deutsche Version wurde ein ökonomischeres Antwortformat gewählt, das z.B. von Schmitt und Maes (1999) bereits früher für das Beck Depressions Inventar vorgeschlagen wurde. Dazu wurde jeweils die dritte und damit die zweitstärkste Aussage der Originalversion als ideal erachtet und mit einem 5-stufigen bipolaren Antwortformat zur Abbildung des Grades der Zustimmung kombiniert. Nur für Item 11 wurde die stärkste Aussage bzw. die vierte Stufe des Original-Antwortformats anstelle der dritten Option beibehalten. So konnten die ursprünglich 62 Aussagen der Kurzversion des HAI auf 14 Aussagen reduziert werden. Der Grad der Zustimmung oder Ablehnung kann dadurch zudem für jedes Item vergleichbar ausgedrückt werden.

     

    Stichproben

    Die psychometrischen Eigenschaften der MK-HAI wurden mit den Daten von 449 Studierenden der Universität Mannheim ermittelt. Sie nahmen 2004 an einer Befragung zur "Häufigkeit von Beschwerden, Erkrankungen und Krankheitsängsten" teil. Das Durchschnittsalter betrug 23.1 Jahre (SD = 2.8; Range: 18 - 40). 53.9 % der Teilnehmenden waren Männer, 3.1 % studierten Psychologie und 10 % waren krankheitsängstlich, d.h. sie erreichten einen Gesamtwert für den Whiteley Index von mindestens 5 (Barsky et al., 1986).

     

    Durchführung

    Den Mannheimer Studierenden wurde der MK-HAI im Rahmen einer Diplomarbeit (Schwarz, 2005) gemeinsam mit anderen Fragebogen zum Thema "Krankheitsängste bei Studenten" vorgelegt. Die Erhebung fand von Mai 2004 bis Februar 2005 an der Universität Mannheim statt. Die Teilnehmer wurden auf dem Campus der Universität angesprochen. Anreiz zur Teilnahme war eine Verlosung. Zusätzlich konnten sich teilnehmende Studierende der Psychologie Versuchspersonenstunden bescheinigen lassen. Die Bearbeitung der Fragebogen dauerte circa 30 Minuten.

     

    Variablen und Auswertungsmethode

    Die von den Autoren der englischen Originalversion postulierte einfaktorielle Struktur der MK-HAI wurde mit einer konfirmatorischen Faktorenanalyse und einem robusten Maximum Likelihood (ML) Schätzer (MLM-Estimator) geprüft. Sein Vorteil gegenüber dem traditionellen ML-Schätzer liegt darin, dass er zu stabileren und weniger inflationierten Parameterschätzungen führt, wenn Daten, wie die hier herangezogenen, offensichtlich die Annahme einer multivariaten Normalverteilung nicht erfüllen (t3). Herangezogen wurde dazu Mplus 2.02 (Muthén & Muthén, 1998). Dieses Programm ermöglicht eine Spezifikation und Prüfung solcher Modelle in einem integrierten und verallgemeinerten Ansatz zur Formulierung und Testung von Mess- und Strukturmodellen mit latenten Variablen (vgl. Glöckner-Rist & Hoijtink, 2003). Bei 50 Studierenden fehlten Antworten zu einzelnen Items. Die Daten dieser Befragten wurden aus den Analysen ausgeschlossen.

     

    Itemanalysen

    Nach einer konfirmatorischen Faktorenanalyse mit robuster Maximum Likelihood Schätzung für kontinuierlich verteilte Indikatoren (Mplus 2.02; Muthén & Muthén, 1998) ist eine von den Autoren der englischen Originalversion postulierte eindimensionale Strukturierung der Beantwortung der MK-HAI mit den Daten vereinbar ( = 269.2; df = 77; p < .01; CFI = .93; TLI = .91; RMSEA = .08; SRMR = .05). Die Passung des dazu spezifizierten einfaktoriellen ModellsName=abb2; HotwordStyle=BookDefault; fundort=d130;  (Abbildung 1) kann jedoch durch die freie Schätzung der Residuenkorrelation der Items 3 (Mir sind körperliche Empfindungen oder Veränderungen oft bewusst) und 10 (Wenn ich eine körperliche Empfindung oder Veränderung bemerke, frage ich mich immer, was es bedeutet) verbessert werden ( = 217.2; df = 76; p < .01; CFI = .95; TLI = .94; RMSEA = .07; SRMR = .04). Die spezifische Gemeinsamkeit dieser Indikatoren liegt darin, dass sie anders als die übrigen Items nicht Krankheitsängste oder gesundheitsbezogene Sorgen ausdrücken, sondern nur eine körperbezogene Selbstaufmerksamkeit. Theoretisch ist zu erwarten, dass sie die Ausbildung oder Aufrechterhaltung von Krankheitsängsten fördern oder verstärken kann, aber nicht notwendig muss. Damit übereinstimmend wird beiden Items am häufigsten zugestimmt, d.h. sie sind zum Teil deutlich leichterName=t3; HotwordStyle=BookDefault; fundort=d130;  als die anderen Items (Tabelle 1). Beide sind zudem am schwächsten mit dem allen MK-HAI Beantwortungen gemeinsamen FaktorName=abb2; HotwordStyle=BookDefault; fundort=d130;  assoziiert. (Abbildung 1) Als besonders wenig valide und reliabel ist dabei nach den Faktor-Item Assoziationen Item 3 zu beurteilen.

     

    Abbildung 1.Einfaktorielles Messmodell für das Health Anxiety Inventory

    Inwieweit sich die MK-HAI durch eine Reformulierung oder einen Ausschluss dieser beiden Items optimieren lässt, die offensichtlich andere, wenn auch assoziierte Konstrukteinflüsse erfassen, ist Gegenstand aktueller Untersuchungen.

     

    Tabelle 1

    Mittelwerte (M) und korrigierte Trennschärfen (T) für die Items des MK-HAI

    Item

    M

    T

    1

    1.03

    .75

    2

    .93

    .62

    3

    2.15

    .45

    4

    .73

    .75

    5

    .91

    .78

    6

    .56

    .67

    7

    .55

    .68

    8

    .65

    .65

    9

    .71

    .66

    10

    1.78

    .62

    11

    .96

    .60

    12

    .75

    .78

    13

    1.03

    .69

    14

    .59

    .70

    Cronbachs alpha

     

    .93

     

    Itemkennwerte

    Die Mittelwerte bzw. SchwierigkeitenName=t3; HotwordStyle=BookDefault; fundort=d130;  der Items variieren zwischen .55 und 2.15, die korrigierten TrennschärfenName=t3; HotwordStyle=BookDefault; fundort=d130;  zwischen .45 und .78 (Tabelle 1). Zur Beurteilung der formalen Validität und der Reliabilität der Items liegen zudem die Ergebnisse einer konfirmatorischen Faktorenanalyse vor.

     

     

    Reliabilität

    Die interne Konsistenz der 14 Items ist nach einem Cronbachs Alpha von .93 als gut zu beurteilen. Daten zur Retest-Reliabilität liegen noch nicht vor.

     

    Validität

    Die MK-HAI wurde u.a. mit dem Ziel entwickelt, hypochondrische von nicht-hypochondrischen Befragten unterscheiden zu können sowie von Befragten mit spezifischer Krankheitsängstlichkeit, anderen Angststörungen (z.B. Panik und soziale Phobie) und körperlichen Erkrankungen ohne ausgeprägte Krankheitsängstlichkeit. Zur Bestimmung der konvergenten und diskriminanten Validität wurden deshalb Zusammenhänge zwischen der Beantwortung der MK-HAI und den folgenden Selbstbeurteilungsskalen geprüft:

    a)     Dem Whiteley-Index (WI; Pilowsky, 1967; deutsch: Rief et al., 1994). Er erfasst mit 14 Items hypochondrische Ängste und Überzeugungen. Er gliedert sich nach mehreren Studien (Rief et al., 1994; Hinz et al., 2003) in die drei Subskalen "Krankheitsängste", "somatische Beschwerden" und "Krankheitsüberzeugung". Antwortsummenwerte können für die drei Subskalen und das Gesamtinstrument gebildet werden.

    b)     Dem Penn-State-Worry-Questionnaire (PSWQ; Meyer, Miller, Metzger & Borkovec, 1990; deutsch: Stöber, 1995). Er erfasst mit 16 Items zum pathologischem sich Sorgen das Kernsyndrom einer generalisierten Angststörung nach dem Diagnostic and Statistical Manual of the American Psychiatric Association (DSM IV; APA 1994).

    c)     Der deutschen Fassung des Patient Health Questionnaires (PHQ; Spitzer et al., 1999; deutsch: PHQ-D; Löwe et al., 2002), der unter anderem mit drei Skalen allgemeine Ängstlichkeit, Depressivität und somatische Beschwerden (Kroenke et al., 2002) ermittelt.

    In Übereinstimmung mit dem einleitend beschriebenen Konstruktionsziel korrelieren die für die MK-HAI ermittelten Summenwerte zwar hoch mit denen für die Whiteley-Subskala Krankheitsängste (r = .71), aber nur mittel oder schwach (.46 > r > .24) mit denen für die beiden anderen Whiteley-Subskalen, dem für den PSWQ sowie denen für die drei PHQ-D Dimensionen Somatisierung, Ängstlichkeit und Depressivität.

     

    Deskriptive Statistiken

    Die MittelwerteName=t3; HotwordStyle=BookDefault; fundort=d130;  für die Items liegen vor (Tabelle 1). Weibliche und nach einem Summenwert von > 5 für den Whiteley Index (Barsky et al., 1986) als hypochondrisch klassifizierte Studierende waren nach ihrer Beantwortung der MK-HAI krankheitsängstlicherName=t1; HotwordStyle=BookDefault; fundort=d130;  als Männer und nicht-hypochondrische Personen (Tabelle 2).

     

    Tabelle 2

    Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) für die Beantwortung des MK-HAI durch männliche (N = 249) und weibliche (N = 249) Studierende und solche mit (N = 45) und ohne (N = 404) Krankheitsangst nach dem Whiteley Index, sowie t-Werte (t) und Irrtumswahrscheinlichkeiten (p) zur Prüfung ihrer statistischen Bedeutsamkeit

     

    M

    SD

    t

    p

    Geschlecht

     

     

    2.00

    .05

     

    Frauen

    14.43

    10.71

     

     

     

    Männer

    12.48

    9.92

     

     

    Krankheitsangst

     

     

    12.54

    .00

     

    Whiteley Niedrig

    11.58

    8.79

     

     

     

    Whiteley Hoch

    29.49

    9.12

     

     

     

     

    • PD Dr. Josef Bailer, E-Mail: bailer@zi-mannheim.deHotwordStyle=None; ; , Dipl.-Psych. Michael Witthöft; Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Abteilung Klinische Psychologie, J5, 68159 Mannheim.