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Skala Optimismus-Pessimismus-2 (SOP2)

  • Autor/in: Kemper, C. J., Beierlein, C., Kovaleva, A., & Rammstedt, B.
  • In ZIS seit: 2014
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis185
  • Zusammenfassung: Die SOP2 ist eine ökonomische Skala zur Erfassung des psychologischen Merkmals Optimismus-Pessimismus. Die Skala ist einfach in verschiedenen Erhebungsmodi zu administrieren. Die berichteten Befunde s ... mehrprechen für die psychometrische Güte der SOP2 und erlauben die Messung der individuellen Ausprägung von (volljährigen) Befragten aus der deutschsprachigen Allgemeinbevölkerung. weniger
    Abstract: The SOP2 is an economic scale to measure the psychological characteristic optimism-pessimism. The scale is easy to administer in different survey modes. The reported findings speak for the psychometri ... mehrc quality of the SOP2 and allow the measurement of the individual expression of adult interviewees from the German-speaking general population. weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch (original), englisch
  • Anzahl der Items: 2
  • Reliabilität: Retest-Reliabilität = .59; McDonalds Omega = .74 bis .83
  • Validität: Hinweise auf die inhaltliche, faktorielle, konvergente, divergente und prädiktive Validität
  • Konstrukt: Optimismus, Pessimismus
  • Schlagwörter: Optimismus, Pessimismus | optimism, pessimism
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: ja
  • URL Webseite: http://www.gesis.org/kurzskalen-psychologischer-merkmale
  • Entwicklungsstand: validiert
    • Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und ein weiteres, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass Begriffe Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet.

       

      Items

      Nr.

      Items (deutsch)

      Items (englisch)

      1

      Optimisten sind Menschen, die mit Zuversicht in die Zukunft blicken und meistens Gutes erwarten. Bitte schätzen Sie sich selbst ein: Wie optimistisch sind Sie im Allgemeinen?

      Optimists are people who look to the future with confidence and who mostly expect good things to happen. How would you describe yourself? 

      How optimistic are you in general?

      2

      Pessimisten sind Menschen, die voller Zweifel in die Zukunft blicken und meistens Schlechtes erwarten. Bitte schätzen Sie sich selbst ein: Wie pessimistisch sind Sie im Allgemeinen?

      Pessimists are people who are full of doubt when they look to the future and who mostly expect bad things to  happen. How would you describe yourself? How pessimistic are you in general? 

       

      Antwortvorgaben

      Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

       

      Auswertungshinweise

      Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Normierung siehe Tabelle 4).

       

      Anwendungsbereich

      Die SOP2 wurde als Forschungsinstrument für sozialwissenschaftliche Untersuchungen unterschiedlichster Art und Fragestellung entwickelt. Als Zielgruppe wurde daher die deutschsprachige Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren gewählt. Ausgenommen sind Personen, deren sprachliche oder kognitive Fähigkeiten oder deren Wahrnehmungsfähigkeiten, z. B. durch Seh- oder Hörschwäche, unzureichend sind, um die Items zu verstehen. Die Itemformulierungen wurden mittels kognitiver Pretests für die Zielgruppe optimiert. Auch die empirisch ermittelten Gütekriterien beziehen sich auf diese Zielgruppe.

      Die SOP2 kann prinzipiell in unterschiedlichen Erhebungsmodi eingesetzt werden. Im Rahmen unserer Validierung haben wir die Skala im CAPI-Modus (Computer Assisted Personal Interview), im CAWI-Modus (Computer Assisted Web Interview) und in Papierform (Selbstausfüller) eingesetzt. Vor einem Einsatz der SOP2 in Mixed-Mode-Designs sollte allerdings eine Prüfung der Invarianz erfolgen.

      Die Durchführungszeit der SOP2 im CAPI-Modus setzt sich aus dem Vorlesen der Items durch den Interviewer und der Beantwortung durch die Befragungsperson zusammen. In 75% der CAPI-Interviews dauert die Durchführung 30 Sekunden oder weniger (Perzentil75 = 30). Die Durchführungsdauer in den anderen getesteten Erhebungsmodi war vergleichbar.

       

    Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Als Grundlage für die Skalenkonstruktion diente die Konstruktdefinition nach Scheier und Carver (1985). Diese ist in der Optimismusforschung weit verbreitet und anerkannt. Es wurden zwei Items entwickelt, von denen eines „generalisierte positive Erwartungen“ und das andere „generalisierte negative Erwartungen“ erfasst. Als Antwortskala auf der die Befragungspersonen ihre Einschätzung abgeben müssen, wurde eine siebenstufige Ratingskala von „gar nicht“ bis „sehr“ optimistisch bzw. pessimistisch gewählt. Kognitive Pretests deuteten auf interindividuelle Unterschiede in der Interpretation der Begriffe optimistisch und pessimistisch hin. Um damit einhergehende Messfehler bei der Itembeantwortung zu minimieren, wurde der Skala Optimismus- bzw. Pessimismus eine entsprechende Merkmalsdefinition vorangestellt. Die SOP2 wurde im Rahmen einer Serie von drei Studien entwickelt und validiert. Im folgenden Anschnitt werden die Stichproben näher beschrieben. Die Charakteristika der Stichproben können Tabelle 1 entnommen werden.

    Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurde eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.

     

    Stichproben

    Stichprobe 1 (siehe Tabelle 1) ist eine Quotenstichprobe, geschichtet nach den Merkmalen Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland (N = 539). Die Grundgesamtheit war definiert als „alle in der Bundesrepublik Deutschland in Privathaushalten lebenden deutschsprachigen Personen ab 18 Jahren“. Die Erhebung erfolgte in zwei Wellen mit einem zeitlichen Abstand von 6 bis 10 Wochen. An Welle 2 nahmen N = 338 Befragungspersonen der Welle 1 teil. Die Daten wurden im Rahmen eines persönlich-mündlichen Interviews (CAPI) oder durch die Vorgabe eines Papierfragebogens erhoben. Die Erhebung dauerte im Mittel 53 Minuten (SD = 12).

    Bei Stichprobe 2 handelt es sich ebenfalls um eine Quotenstichprobe, geschichtet nach Geschlecht, Alter und Bildung (N = 741), die im Internet erhoben wurde (CAWI). Grundgesamtheit waren die Teilnehmer eines Online-Access-Pools im Alter von 18 Jahren oder älter, die in Deutschland leben. Die Bearbeitung des Onlinefragebogens dauerte im Mittel 23 Minuten (SD = 8).

    Stichprobe 3 mit N = 1134 Befragungspersonen ist eine Zufallsstichprobe, die repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland über einem Alter von 18 Jahren ist. Sie wurde mithilfe des ADM-Stichprobensystem F2F (Random Route) der Arbeitsgemeinschaft deutscher Marktforschungsinstitute gezogen. Die Daten dieses Interview wurden vollständig im CAPI-Modus erhoben (Dauer: M = 43, SD = 13).


     

    Tabelle 1

    Charakteristika der drei Stichproben

     

    Stichprobe 1
    Welle 1

    Stichprobe 1
    Welle 2

    Stichprobe 2

    Stichprobe 3

    Stichprobe

     

    Umfang [N]

    539

    338

    741

    1134

    Art

    Quote

    Quote

    Quote

    Zufall

    Modus

    CAPI, Papier

    CAPI, Papier

    CAWI

    CAPI

    Zusammensetzung

     

    Geschlecht [% Frauen]

    52.5

    52.1

    51.8

    55.6

    Alter [M(SD)]

    47.2 (15.2)

    46.7 (15.1)

    48.3 (13.0)

    53.3 (18.4)

    Bildung  ≤ 9 Jahre

    44.7

    45.3

    40.1

    37.2

                    10 Jahre

    30.2

    27.9

    29.1

    37.0

                     ≥ 11 Jahre

    23.7

    25.4

    30.8

    25.8

    Anm.: CAPI = Computer Aided Personal Interview, CAWI = Computer Aided Web Interview, Papier = Papierversion (Selbstausfüller)

     

    Variablen und Auswertungsmethode

    Die Fragebogenbatterie beinhalteten neben den SOP2 umfangreiche soziodemographische Angaben, weitere psychologische Maße sowie eine etablierte Optimismusskala und einige sozialwissenschaftliche Validierungsmaße. Die Items zu den soziodemographischen Angaben wurden größtenteils den demographischen Standards des Statistischen Bundesamtes entnommen (2010). Für die Validierung kamen etablierte Standardinstrumente, z. B. zur Erfassung von Lebenszufriedenheit (SWLS, Diener, Emmons, Larsen & Griffin, 1985; nur in Stichprobe 1), Kontrollüberzeugungen (Jakoby& Jacob, 1999; nur in Stichprobe 1), Optimismus (LOT-R, Glaesmer, Hoyer, Klotsche & Herzberg, 2008; nur in Stichprobe 1), den Hauptdimensionen der Persönlichkeit nach dem Fünf-Faktoren-Modell (BFI-10, Rammstedt & John, 2007), Selbstwert (Rosenberg, 1989; nur in Stichprobe 2), Impulsivität (UPPS, Kämpfe & Mitte, 2009; nur in Stichprobe 2), allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung (Schwarzer & Jerusalem, 1999; nur in Stichprobe 1) und eigens entwickelte Skalen zum Einsatz (siehe GESIS Website). An für die sozialwissenschaftliche Forschung relevanten Maßen wurde unter anderem Netzwerkgröße, Belastungen am Arbeitsplatz und Effort-Reward-Imbalance (Siegrist et al., 2004), Gesundheitszustand, Parteipräferenz, Einkommen, Wertanlagen und Devianz erhoben. Alle Erhebungen wurden von unabhängigen kommerziellen Anbietern durchgeführt. Um die psychometrische Güte der konstruierten Skala zu überprüfen, wurden auf der Grundlage der oben beschriebenen Stichproben Kennwerte für die Reliabilität und verschiedene Aspekte der Validität berechnet (für Details zur Validierung von Persönlichkeitsskalen siehe Bühner, 2011; Lienert & Raatz, 1998).

     

    Itemanalysen

    Die Faktorstruktur konnte belegt werden (siehe Validierung).

     

    Itemkennwerte

    In Tabelle 2 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 1).

     

    Tabelle 2. Items und deskriptive Statistiken der SOP2 aus Stichprobe 3

    Nr.

    Item

    M

    SD

    Sch

    Kurt

    rit

    1

    Optimisten sind Menschen, die mit Zuversicht in die Zukunft blicken und meistens Gutes erwarten. Bitte schätzen Sie sich selbst ein: Wie optimistisch sind Sie im Allgemeinen? 

    4.9

    1.5

    -.60

    -.08

    .66

    2

    Pessimisten sind Menschen, die voller Zweifel in die Zukunft blicken und meistens Schlechtes erwarten. Bitte schätzen Sie sich selbst ein: Wie pessimistisch sind Sie im Allgemeinen?

    2.8

    1.4

    .71

    -.05

    .66

     

    Skalenwert SOP2

    5.1

    1.3

    -.68

    .19

     

    Anm.: Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis, N = 1134

     

    Objektivität

    Unter Objektivität wird der Grad verstanden, in dem eine Messung unabhängig vom Untersucher ist (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese bezieht sich auf verschiedene Phasen einer Untersuchung: Durchführung, Auswertung und Interpretation. Im Falle eines Face-to-Face-Interviews hängt die Durchführungsobjektivität von dem Interviewer ab, der die Daten erhebt. Sie ist gegeben, wenn dieser sich bei der Vorgabe der Skala an die genauen Instruktionen und den Wortlaut der Items hält. Bei entsprechend geschulten Interviewern ist die Durchführungsobjektivität üblicherweise gewährleistet (Rammstedt, 2010b). Auswertungsobjektivität betrifft die numerische und kategoriale Auswertung des Antwortverhaltens der Befragten nach festgelegten Regeln (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese ist bei der SOP2 vollständig gegeben, da die Verrechnungsvorschriften der Werte auf den Items klar festgelegt sind und keinen Interpretationsspielraum zulassen. Interpretationsobjektivität ist gegeben, wenn die aus den Befragungsergebnissen gezogenen Schlüsse über verschiedene Forscher vergleichbar sind. Zur Maximierung der Interpretationsobjektivität sollte das Wissen der Forscher über die Messintention der Skala und über die Interpretation der quantitativen Messwerte vergleichbar sein (Rammstedt, 2010b). Durch die Normierung kann auch die Interpretationsobjektivität der SOP2 als gegeben angesehen werden.

     

    Reliabilität

    Unter der Reliabilität oder Messgenauigkeit einer Skala versteht man den Grad der Genauigkeit, mit dem ein bestimmtes Merkmal erfasst wird (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Die Reliabilität der SOP2 wurde im Rahmen von Strukturgleichungsmodellen (SEM; Jöreskog, 1969) auf Grundlage der Ladungen und Fehlervarianzen aus den Messmodellen in den drei Stichproben geschätzt. Als Schätzer wurde der Koeffizient ω von McDonald (1999, S. 90) verwendet. Der Koeffizient gibt das Ausmaß an, in dem eine latente Variable (Konstrukt) von den Items geteilte Varianz reflektiert (Krohne & Hock, 2007). Laut Schweizer (2011) ist dieser Schätzer der Reliabilität besser geeignet als Cronbach α. Die Interpretation der Höhe von McDonald ω ist analog zu Cronbach α. Die Schätzer der Reliabilität für die SOP2 wurden anhand der Ladungen des Optimismus- und des Pessimismusitems auf dem gemeinsamen Faktor ermittelt und betragen in Stichprobe 1 ω = .80 für Welle 1 und ω = .83 für Welle 2, in Stichprobe 2 ω = .74 und ω = .80 in Stichprobe 3. Demnach liegt die Reliabilität der SOP2 zwischen .74 und .83. Dies entspricht einer für Gruppenuntersuchungen ausreichenden Reliabilität. Neben McDonald ω wurde auch die Stabilität der SOP2-Skalenwerte durch eine Korrelation in den beiden Wellen von Stichprobe 1 ermittelt. Die Stabilität liegt bei rtt = 59.

     

    Validität

    Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn ein Item das zu messende Konstrukt wirklich bzw. hinreichend präzise abbildet (Bühner, 2011). Eine empirische Prüfung der Inhaltsvalidität ist meist nicht möglich. Um zu überprüfen, ob ein Verfahren inhaltlich valide ist, wird üblicherweise dessen Konstruktion detailliert beleuchtet (Rammstedt, 2010b). Die inhaltliche Validität ist gegeben, wenn das zu messende Konstrukt a priori hinreichend definiert und die Items von einem Expertengremium im Hinblick auf ihre Gültigkeit beurteilt werden. Die inhaltliche Validität der SOP2 wurde sichergestellt, indem die Formulierung der Items eng an der Definition des Konstrukts orientiert war. Außerdem wurden die Itemformulierungen von einem Expertengremium generiert und anschließend in einem kognitiven Pretest für die anvisierte Zielgruppe optimiert.

    Faktorielle Validität kann als gegeben angesehen werden, wenn die Annahmen über die dimensionale Struktur des zu erfassenden Konstrukts überprüfbar sind und belegt werden können. Zur internalen Struktur des Konstrukts Optimismus-Pessimismus gibt es allerdings nach ca. 30 Jahren der Forschung bislang noch keinen Konsens. Manche Forscher konzeptualisieren das Konstrukt als eindimensional mit einem Optimismus- und einem Pessimismuspol (Kam & Meyer, 2012; Rauch, Schweizer & Moosbrugger, 2007; Scheier & Carver, 1985). Andere gehen von einer zweidimensionalen Konzeptualisierung, mit zwei distinkten aber korrelierten unipolaren Dimensionen, aus (Chang, Maydeu-Olivares & D'Zurilla, 1997; Herzberg, Glaesmer & Hoyer, 2006). Aufgrund der inkonsistenten Befunde und Positionen überprüften Kemper et al. (2012) die internale Struktur der SOP2 mit Stichprobe 1. Sie kamen zu dem Schluss, dass ein Generalfaktormodell, mit zwei Gruppenfaktoren für positive und negative Erwartungen und einem übergeordneten Faktor „Generalisierte Erwartungen“, die Daten angemessen beschreibt (χ² = .04, df = 1, p> .05, RMSEA = .00, SRMR = .003, CFI = 1). Dieses Modell erlaubt eine Integration der in der Fachliteratur geäußerten, scheinbar konträren, Positionen. Der SOP2 wurde daher dieses Modell zugrunde gelegt, das mit den empirischen Daten von Stichprobe 1 vereinbar ist.

    Bei der Konstruktvalidierung werden anhand theoretischer Überlegungen positive, negative und Nullbeziehungen einer zu validierenden Skala mit anderen empirischen Indikatoren postuliert (nomologisches Netzwerk) und getestet, ob sich das vorhergesagte Muster empirisch belegen lässt (Krohne & Hock, 2007). Im Rahmen der Validierung der SOP2 wurde zunächst die Korrelation mit dem LOT-R bestimmt, einem alternativen Maß für das Konstrukt Optimismus-Pessimismus. Anschließend wurde versucht, weitere aus der Fachliteratur bekannte typische Korrelate von Optimismus-Pessimismus mit der SOP2 zu replizieren (siehe Tabelle 3). Die praktische Bedeutsamkeit der im Folgenden berichteten empirisch ermittelten Validitätskoeffizienten wird nach den Richtlinien von Cohen (1992) vorgenommen: kleiner Effekt (r = .1), mittlerer Effekt (r = .3), starker Effekt (r = .5).

     

    Tabelle 3

    Validitätskoeffizienten der SOP2

     

    Stichprobe 1
    (N = 539)

    Stichprobe 2
    (N = 741)

    Stichprobe 3
    (N = 1134)

    Optimismus-Pessimismus

    LOT-R

    .68**

    -

    -

    Soziodemographische Variablen

    Alter

    -.03

    .19**

    -.07*

     

    Geschlecht

    -.02

    .05

    .02

     

    Einkommen

    .21**

    -

    .18**

     

    Bildung: Schuljahre

    .17**

    .04

    .16**

     

    Bildung: Bücher

    -

    .13**

    .19**

    Einschätzung Zukunft

    ALLBUS 2010

    -

    -

    .21**

    Zufriedenheit

    Leben

    .58**

    .50**

    .46**

     

    Arbeit

    -

    -

    .28**

     

    Partner

    -

    -

    .26**

     

    Gesundheit

    -

    -

    .35**

    Gesundheitsstatus

    physisch

    -

    -

    -.30**

     

    psychisch

    -

    -

    -.38**

    Selbstkonzept

    Selbstwirksamkeit

    -

    .43**

    -

     

    Selbstwert

    -

    .55**

    -

    Persönlichkeit

    Neurozitismus

    -.42**

    -.43**

    -.38**

     

    Extraversion

    .49**

    .33**

    .34**

     

    Offenheit

    .32**

    .12**

    .23**

     

    Verträglichkeit

    .19**

    .09*

    .25**

     

    Gewissenhaftigkeit

    .26**

    .21**

    .23**

    Anm.: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. * = p < .05, ** = p< .01.

     

    Die höchste Korrelation weist die SOP2 erwartungsgemäß mit einem alternativen Maß für das Konstrukt Optimismus-Pessimismus auf, mit dem LOT-R. Ebenfalls starke Zusammenhänge (vgl. Cohen, 1992) finden sich für die globale Lebenszufriedenheit, die kognitiven und affektiven Komponenten des Selbstkonzepts, Selbstwirksamkeit und Selbstwert, und die Persönlichkeitsmerkmale Neurotizismus und Extraversion des Fünf-Faktoren-Modells. Lebenszufriedenheit und Extraversion korrelieren positiv mit (positiven) generalisierten Erwartungen. Neurotizismus weist hingegen erwartungsgemäß einen negativen Zusammenhang mit der SOP2 auf. Moderate Effekte finden sich für die spezifischen Maße der Zufriedenheit, für Indikatoren der physischen und psychischen Gesundheit und die übrigen Persönlichkeitsmerkmale aus dem Fünf-Faktoren-Modell.

    Für die sozialwissenschaftliche Forschung sind insbesondere die Zusammenhänge der SOP2 mit soziodemographischen Variablen und sozioökonomischen Erfolgsvariablen von Interesse. Mit Letzteren weist die SOP2 zwar geringe, aber noch immer substantielle Effekte, auf. So finden sich zum Beispiel Zusammenhänge mit den sozioökonomischen Erfolgsvariablen Einkommen und Bildung, gemessen über die Anzahl der Schuljahre und die Anzahl der Bücher im Elternhaus. Die genannten Zusammenhänge konnten in mehreren Stichproben gesichert werden. Weiterhin korreliert die SOP2 mit einem Maß aus dem ALLBUS 2010, in dem Befragte ihre zukünftige wirtschaftliche Lage einschätzen sollen (r = .21, p< .01; Frage aus ALLBUS 2010: Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?). Mit den soziodemographischen Variablen Alter und Geschlecht korreliert die SOP2 nur unwesentlich. Für das Geschlecht treten konsistent über alle Stichproben Nullkorrelationen auf. Für Alter findet sich zwar in Stichprobe 2 und 3 ein signifikanter Zusammenhang, allerdings weisen die Koeffizienten unterschiedliche Vorzeichen auf. Insgesamt sind die Befunde zum Alter demnach inkonsistent.

     

    Deskriptive Statistiken

    In Tabelle 4 sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt. Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichen Alters. Die Altersgruppen in Tabelle 4 wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.


     

    Tabelle 4

    Referenzwerte für die SOP2

    Geschlecht

    Bildung

    Altersgruppen

    Gesamt (Alter)

     

     

    18 - 35

    36 - 65

    > 65

     

     

     

     

    M

    SD

    M

    SD

    M

    SD

    M

    SD

    Männlich

    gering

    4.83

    1.01

    4.80

    1.29

    4.88

    1.34

    4.84

    1.28

     

    mittel

    4.95

    1.61

    5.18

    1.31

    4.95

    1.43

    5.07

    1.39

     

    hoch

    5.64

    1.20

    5.30

    1.41

    4.97

    1.48

    5.32

    1.38

     

    Gesamt

    5.20

    1.33

    5.09

    1.34

    4.91

    1.38

    5.05

    1.35

     

    Weiblich

    gering

    4.79

    1.79

    4.81

    1.39

    4.97

    1.28

    4.90

    1.37

     

    mittel

    5.22

    1.26

    5.17

    1.25

    5.23

    1.35

    5.19

    1.27

     

    hoch

    5.33

    1.13

    5.44

    1.12

    5.27

    1.25

    5.38

    1.14

     

    Gesamt

    5.21

    1.29

    5.14

    1.28

    5.07

    1.29

    5.14

    1.28

     

    Gesamt (Geschlecht)

    gering

    4.81

    1.37

    4.81

    1.34

    4.93

    1.31

    4.87

    1.32

     

    mittel

    5.14

    1.36

    5.17

    1.27

    5.08

    1.39

    5.15

    1.32

     

    hoch

    5.45

    1.16

    5.37

    1.26

    5.10

    1.38

    5.35

    1.25

     

    Gesamt

    5.21

    1.30

    5.12

    1.30

    4.99

    1.34

    5.10

    1.32

    Anm.:N = 1134


     

     

     

    •       Dr. Christoph J. Kemper, E-Mail: contact@christoph-kemper.net
    •       Prof. Dr. Constanze Beierlein, Hochschule Hamm-Lippstadt, E-Mail: constanze.beierlein@hshl.de