Open Access Repositorium für Messinstrumente

AkkordeonDetailedScaleViews

Generalisierte Selbstwirksamkeitserwartung

  • Autor/in: von Collani, G. & Schyns, B.
  • In ZIS seit: 1999
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis17
  • Zusammenfassung: Generelle Selbstwirksamkeitserwartung beschreibt ein globales Persönlichkeitskonstrukt. Die Entwicklung der Skala basiert auf der Lerntheorie von Bandura (1977) und auf den Arbeiten von Sherer et al. ... mehr (1982), Schwarzer (1994), Speyer und Frese (1997), Snyder et al. (1991), Pearlin et al. (1981) und Stäudel (1981). weniger
    Abstract: General self-efficacy expectation describes a global personality construct. The development of the scale is based on the learning theory of Bandura (1977) and on the works of Sherer et al.(1982), Schw ... mehrarzer (1994), Speyer und Frese (1997), Snyder et al. (1991), Pearlin et al. (1981) and Stäudel (1981). weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch
  • Anzahl der Items: 41
  • Reliabilität: Cronbachs Alpha = .74 bis .94; Split-half-Reliabilität = .94; Korrelation von Lang- und Kurzform = .92
  • Validität: Hinweise auf die Konstruktvalidität
  • Konstrukt: Selbstwirksamkeit
  • Schlagwörter: Selbstwirksamkeit | self-efficacy
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: nein
  • URL Datenarchiv: http://dx.doi.org/10.4232/1.11311
  • Entwicklungsstand: validiert
    • Instruktion

      Zur Instruktion liegen keine Angaben vor.

       

      Items

      Nr.

      Item

      Polung

      Kurz-skala

      1

      Wenn ich beschließe, etwas zu tun, beginne ich sofort damit.

      -

       

      2

      Ich fühle mich unsicher, was meine Fähigkeiten angeht, etwas zu bewerkstelligen.

      +

       

      3

      Ich gebe auf, bevor ich eine Sache zu Ende geführt habe.

      *

       

      4

      Wenn ich Pläne mache, bin ich sicher, dass ich sie auch verwirklichen kann.

      -

       

      5

      Wenn ich etwas das erste Mal nicht schaffe, versuche ich es solange, bis ich es schaffe.

      -

       

      6

      Misserfolg spornt mich zu noch größeren Anstrengungen an.

      -

       

      7

      Ich fühle mich den meisten Anforderungen (im Leben) gewachsen.

      -

      X

      8

      Oft fühle ich mich meinen Problemen ausgeliefert.

      *

       

      9

      Was auch immer passiert, ich werde schon klar kommen.

      -

      X

      10

      Wenn mir jemand Widerstand leistet, finde ich Mittel und Wege, mich durchzusetzen.

      -

       

      11

      Wenn etwas zu schwierig aussieht, bemühe ich mich erst gar nicht.

      +

       

      12

      Schwierigkeiten sehe ich gelassen entgegen, weil ich mich immer auf meine Fähigkeiten verlassen kann.

      -

       

      13

      Ich gebe leicht auf.

      +

       

      14

      Durch meine bisherigen Erfahrungen bin ich gut auf die Zukunft vorbereitet.

      -

       

      15

      Ich fühle mich in meinem Leben gelegentlich hin und her geworfen.

      *

       

      16

      Ich schätze meine Fähigkeiten als hoch ein.

      -

       

      17

      Ich bin eine selbstsichere Person.

      -

       

      18

      Wenn ich etwas erreichen will, kann ich Rückschläge überwinden, ohne mein Ziel aufzugeben.

      -

      X

      19

      Wenn ich etwas Unangenehmes erledigen muss, führe ich es auch konsequent zu Ende.

      -

       

      20

      Wenn ich versuche, etwas Neues zu lernen, gebe ich  schnell auf, falls ich nicht gleich erfolgreich bin.

      +

       

      21

      Wenn ich mit einem Problem konfrontiert werde, habe ich meist mehrere Ideen, wie ich damit fertig werde.

      -

       

      22

      Eines meiner Probleme ist es, dass ich mich nicht an eine Arbeit heransetzen kann, wenn ich es eigentlich machen sollte.

      *

       

      23

      Wenn ich mir wichtige Ziele setze, erreiche ich sie selten.

      +

       

      24

      Auch bei überraschenden Ereignissen glaube ich, dass ich gut damit zurechtkommen werde.

      -

      X

      25

      Für jedes Problem habe ich eine Lösung.

      -

      X

      26

      Ich verfolge meine Ziele energisch.

      -

       

      27

      Durch mein eigenes Zutun war ich bisher  ziemlich erfolgreich im Leben.

      -

      X

      28

      Ich werde mit meinen eigenen Problemen nicht fertig.      

      +

       

      29

      Ich habe wenig Kontrolle über die Dinge, die ich erlebe.

      +

       

      30

      Wenn ich vor einer schwierigen Situation stehe, fühle ich mich der Situation meist gewachsen.

      -

      X

      31

      Es bereitet mir keine Schwierigkeiten, meine Absichten und Ziele zu verwirklichen.

      -

      X

      32

      Ich bin anscheinend nicht imstande, die meisten Probleme, die im Leben auftauchen, zu bewältigen.

      +

       

      33

      In unerwarteten Situationen weiß ich immer, wie ich mich verhalten soll.

      -

       

      34

      Wenn ich mit einer neuen Sache konfrontiert werde, weiß ich, wie ich damit umgehen kann.

      -

       

      35

      Wenn ich ein Ziel erreichen will, schaffe ich es gewöhnlich auch.

      -

      X

      36

      Wenn ich mit einer neuen Aufgabe konfrontiert werde, habe ich oft die Befürchtung, dass ich sie nicht bewältigen kann.

      +

       

      37

      Ich erreiche die Ziele, die ich mir setze.

      -

       

      38

      Ich vermeide es, Schwierigkeiten ins Auge zu sehen.

      +

      X

      39

      Wenn unerwartete Probleme auftauchen, kann ich sie nicht gut bewältigen.

      +

       

      40

      Ich vermeide es, neue Dinge zu lernen, wenn sie mir zu schwierig erscheinen.

      +

       

      41

      Die Lösung schwieriger Probleme gelingt mir immer, wenn ich mich darum bemühe.

      -

       

      Anmerkungen: (*) = ausgeschlossenes Item

       

      Antwortvorgaben

      6-stufige Ratingskalen mit Benennung der Endpunkte: 1 = "stimmt völlig" und 6 = "stimmt überhaupt nicht".

       

      Auswertungshinweise

      Für die Auswertung werden die Antworten zu den  Einzelitems addiert. Die positiv formulierten Items müssen umkodiert werden, so dass ein hoher Wert eine hohe generalisierte Selbstwirksamkeitserwartung bedeutet.

       

    Theoretischer Ausgangspunkt für die Entwicklung der Skala zur generalisierten Selbstwirksamkeitserwartung ist die Theorie von Bandura (1977ff.), der allerdings unter Selbstwirksamkeitserwartung ein spezifisches Konstrukt zur Verhaltensvorhersage in spezifischen Situationen versteht. Es gibt jedoch auch Ansätze, die ein Konstrukt generalisierte Selbstwirksamkeitserwartung postulieren (Chen, Gully & Eden, 2001; Schwarzer, 1994; Sherer et al., 1982; zu einer Kritik an der Skala von Sherer et al. siehe Woodruff & Cashman, 1993). Dabei wird unter generalisierter Selbstwirksamkeitserwartung ein globales Persönlichkeitskonstrukt verstanden, das sowohl die Selbstwirksamkeitserwartungen in spezifischen Situationen beeinflusst, in das aber auch situationsspezifische Erwartungen eingehen (vgl. Shelton, 1990). Nach Wang und Richarde (1988) unterscheiden sich generalisierte und spezifische Selbstwirksamkeitserwartung u.a. psychometrisch. Nach Cervone (1997) unterscheiden sie sich darüber hinaus auch konzeptionell.

    Bei der hier vorgenommenen Neuentwicklung wurde versucht, verschiedene Maße zur Selbstwirksamkeitserwartung sowie zu verwandten Konstrukten in einem Erhebungsinstrument zu kombinieren. Ausgewählt wurden dazu die generellen Skalen von Sherer et al. (1982) und von Schwarzer (1994) sowie die generalisierte arbeitsbezogene Selbstwirksamkeitserwartung von Speier und Frese (1997, 4 Items, die sich auf generalisierte Selbstwirksamkeitserwartung beziehen).

    Als weitere Konstrukte wurden die Agency-Unterskala der Hope-Skala (Snyder et al., 1991) sowie Sense of Mastery (Pearlin et al., 1981) in die neu entwickelte Skala einbezogen. Beide scheinen eine hinreichende Ähnlichkeit zur Selbstwirksamkeitserwartung zu haben, um mit ihr ein übergreifendes Konstrukt zu bilden. Das gleiche traf auch auf die Problemlösekompetenz nach Stäudel (1988) zu.

     

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Entwickelt wurde die Skala aus verschiedenen Skalen zur generellen Selbstwirksamkeitserwartung und verwandten Konstrukten. Im Einzelnen gingen Items aus folgenden Skalen ein:

    -       Skala zur Generellen Selbstwirksamkeitserwartung von Sherer et al. (1982): 17 Items (Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 11, 13, 17, 19, 20, 22, 23, 32, 38, 39, 40),

    -       Skala zur Generalisierten Kompetenzerwartung von Schwarzer (1994): 10 Items (Nr. 9, 10, 12, 21, 24, 25, 31, 33, 34, 41),

    -       Generalisierte arbeitsbezogene Selbstwirksamkeitserwartung nach Speier und Frese (1997): 4 Items (16, 18, 35, 36),

    -       Hope-Skala von Snyder et al. (1991): 4 Items (14, 26, 27, 37),

    -       Sense of Mastery (Pearlin et al., 1981): 4 Items (8, 15, 28, 29),

    -       Skala Heuristische Kompetenz von Stäudel (1988): 2 Items (7, 30).

    Ursprünglich bestand die Skala aus 41 Items. Ausgeschlossen wurden die Items 3, 8, 15, 22 auf Grund teststatistischer Befunde zur Trennschärfe und den Faktorladungen. Es liegt auch eine Kurzform mit zehn Items (7, 9, 18, 24, 25, 27, 30, 31, 35, 37) vor, die aufgrund von statistischen Kriterien (Ergebnisse explorativer und konfirmatorischer Faktorenanalysen, Trennschärfenindizes) ausgewählt wurden. Die Kurzform operationalisiert Selbstwirksamkeitserwartung enger als die Langform und zwar als Überzeugung aufgrund eigener Fähigkeiten und Kompetenz, Aufgaben erfolgreich über verschiedene Situationen hinweg  bewältigen zu können (vgl. Chen, Gully & Eden, 2001). Die Items der Kurzform entstammen vier verschiedenen Skalen (Skalen von Speier & Frese, Snyder, Schwarzer, Stäudel). Aus der Skala von Sherer sind keine Items enthalten.

     

    Stichproben

    Befragt wurden 108 berufstätige und 45 arbeitslose Personen (88 Frauen, 64 Männer, 1 ohne Angabe). Das Durchschnittsalter betrug 38.7 Jahre (SD = 11.2). 4.7% der Befragten hatten die Hauptschule abgeschlossen, 39.2% hatten mittlere Reife und 55.4% Abitur.

     

    Itemanalysen

    Das Konstrukt "Generalisierte Selbstwirksamkeitserwartung" ist nach den Daten der herangezogenen Stichrobe eindimensional. Die Varianzaufklärung des ersten Faktors der Hauptkomponentenanalyse beträgt 32.9% (Tabelle 1).

     

    Tabelle 1

    Faktorladungen (FA, Hauptkomponentenanalyse) und Trennschärfen (T) der Items

     

    FA

    T

    1

    .43

    .40

    2

    .43

    .40

    3*

    .38

    .40

    4

    .45

    .42

    5

    .66

    .64

    6

    .53

    .50

    7

    .67

    .62

    8*

    .40

    .38

    9

    .57

    .52

    10

    .52

    .47

    11

    .55

    .53

    12

    .53

    .50

    13

    .65

    .64

    14

    .56

    .53

    15*

    .38

    .37

    16

    .51

    .47

    17

    .68

    .65

    18

    .69

    .65

    19

    .49

    .47

    20

    .42

    .40

    21

    .61

    .56

    22*

    .37

    .36

    23

    .53

    .48

    24

    .65

    .60

    25

    .63

    .58

    26

    .70

    .67

    27

    .67

    .63

    28

    .68

    .65

    29

    .53

    .50

    30

    .69

    .65

    31

    .69

    .64

    32

    .64

    .61

    33

    .61

    .57

    34

    .58

    .53

    35

    .73

    .68

    36

    .54

    .52

    37

    .73

    .68

    38

    .58

    .56

    39

    .56

    .53

    40

    .50

    .49

    41

    .46

    .41

    Anm.: * = Aufgrund ihrer Trennschärfe oder Faktorenladung ausgeschlossene Items. Die Berechnungen erfolgten mit SPSS 8.0

     

    Itemkennwerte

    Die Faktorladungen der Hauptkomponentenanalyse und die Trennschärfen der Items liegen vor (siehe Tabelle 1).

     

     

    Reliabilität

    Die interne Konsistenz der Skala beträgt nach Cronbachs Alpha .94, ebenso die Split-Half Reliabilität nach Spearman-Brown. Cronbachs Alpha für die 10-Item Kurzform beträgt .89 und für eine weitere Kurzform mit acht Items .74. Die Lang- und die 10-Item Kurzform korrelieren .92.

     

    Validität

    Ermittelt wurde die Konstruktvalidität anhand korrelativer Beziehungen zu anderen Skalen (siehe Tabelle 2). Die Korrelationen entsprechen den Erwartungen und können sinnvoll interpretiert werden: Für die 10-Item Kurzform wurden in einer unabhängigen Stichprobe (N=159) Korrelationen von .63 mit allgemeinem Selbstwertgefühl (Rosenberg) und von .37 mit Need for Cognition (nach Petty & Cacioppo) ermittelt. In einer kosovarischen Stichprobe (N=204, Sommer 2002) ergaben sich mit einer Kurzform aus 8 Items folgende Korrelationen: mit allgemeinem Selbstwertgefühl (Rosenberg) .41, mit positiver bzw. negativer Affektivität (PANAS) .34 bzw. -.32, mit allgemeiner Lebenszufriedenheit .53.

     

    Tabelle 2

    Korrelationen (r) zwischen der Selbstwirksamkeitsskala und anderen Instrumenten sowie Anzahl der Probanden (N) und Mittelwerte (M) und Streuungen (SD) der Instrumente

     

    r

    N

    M

    SD

    Generalisierte Selbstwirksamkeitserwartung

     

    143

    2.28

    .63

    1. Arbeitsbezog Selbstwirksamkeitserwartung

    .80**

    126

    2.29

    .66

    2. Internale Kontrollüberzeugung     

    .47**

    139

    4.23

    .61

    3. Self-Esteem (Rosenberg)           

    .66**

    62

    2.42

    .39

    4. Unsicherheit                      

    .59**

    65

    3.11

    .66

    5. NEO-PI: Neurotizismus             -

    -.61**

    69

    2.39

    .60

    6. HAKEMP (HOM)                      

    .48**

    63

    .46

    .27

    7. HAKEMP (HOP)                      

    .62**

    66

    .51

    .31

    Anm. ** sign. 0.01. Die Berechnungen erfolgten mit SPSS 8.0

     

    Deskriptive Statistiken (Normierung)

    Der durchschnittliche Gesamtwert der Skala "Generalisierte Selbstwirksamkeitserwartung" beträgt in der beschriebenen Stichprobe 86.7 (SD = 24.1). Der Rang der Summenwerte reicht von 38 bis 162 Punkte.

     

     

    •    Prof. Dr. Gernot von Collani, HotwordStyle=None;  Universtität Leipzig, Institut für Allgemeine Psychologie, Seeburgstr. 14-20, 04103 Leipzig, E-Mail: collani@rz.uni-leipzig.de
    •   Dr. Birgit Schyns, E-Mail: schyns@moldzio.com

     

    Die Skala wurde unter anderem in folgenden Studien eingesetzt:

    -       Sächsische Längsschnittstudie – Welle 16 (2002)

    -       Sächsische Längsschnittstudie – Welle 23 (2009)