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Internale-Externale-Kontrollüberzeugung-4 (IE-4)

  • Autor/in: Kovaleva, A., Beierlein, C., Kemper, C. J. & Rammstedt, B.
  • In ZIS seit: 2014
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis184
  • Zusammenfassung: Die IE-4 ist eine ökonomische Skala zur Erfassung des psychologischen Merkmals Kontrollüberzeugung nach Rotter (1966). Die Skala ist einfach in verschiedenen Erhebungsmodi zu administrieren. Die dokum ... mehrentierten Befunde sprechen für die psychometrische Güte der IE-4. Die Anwendung der IE-4 in (sozialwissenschaftlichen) Untersuchungen zur Messung der Kontrollüberzeugungen bei volljährigen Befragten der deutschsprachigen Allgemeinbevölkerung kann somit empfohlen werden. weniger
    Abstract: The IE-4 is an economic scale for recording the psychological characteristic of control conviction according to Rotter (1966). The scale is easy to administer in different survey modes. The documented ... mehr findings indicate the psychometric quality of the IE-4. The application of the IE-4 in surveys in social sciences to measure locus of control in adult respondents of the German-speaking general population can therefore be recommended. weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch (original), englisch
  • Anzahl der Items: 4
  • Reliabilität: Retest-Reliabilität = .56 bis .64; McDonalds Omega = .53 bis .71
  • Validität: Hinweise auf die inhaltliche Validität, faktorielle Validität, konvergente, divergente und prädiktive Validität
  • Konstrukt: internale und externale Kontrollüberzeugung
  • Schlagwörter: Kontrollüberzeugung | locus of control
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: ja
  • URL Webseite: http://www.gesis.org/kurzskalen-psychologischer-merkmale ; Pretesting 
  • Entwicklungsstand: validiert, normiert
    • Instruktion

      Die folgenden Aussagen können mehr oder weniger auf Sie zutreffen. Bitte geben Sie bei jeder Aussage an, inwieweit diese auf Sie persönlich zutrifft.

       

      Items

      Subskalen: IKÜ = internale Kontrollüberzeugung, EKÜ = externale Kontrollüberzeugung

       

      Nr.

      Items (deutsch)

      Items (englisch)

      Subskalen

      1

      Ich habe mein Leben selbst in der Hand.

      I'm my own boss.

      IKÜ

      2

      Wenn ich mich anstrenge, werde ich auch Erfolg haben.

      If I work hard, I will succeed.

      IKÜ

      3

      Egal ob privat oder im Beruf: Mein Leben wird zum großen Teil von anderen bestimmt.

      Whether at work or in my private life: What I do is mainly determined by others.

      EKÜ

      4

      Meine Pläne werden oft vom Schicksal durchkreuzt.

      Fate often gets in the way of my plans.

      EKÜ

       

      Antwortvorgaben

      Die vier Items werden mittels einer Skala mit fünfstufigem Antwortformat von "trifft gar nicht zu" (1) bis "trifft voll und ganz zu" (5) beantwortet.

       

      Auswertungshinweise

      Die Werte der beiden Items werden pro Subskala zu einem Skalenwerten gemittelt. Die mittleren Skalenwerte der beiden Subskalen der IE-4 liegen zwischen 1 und 5. Für die Auswertung von IE-4 sind keine Auswertungshilfen notwendig. Die erhobenen Werte können unmittelbar in die Auswertung eingehen. Die Referenzwerte der deutschen Population für die Interpretation von Skalenwerten sind im Abschnitt Deskriptive Statistiken (Normierung) zu finden.

       

      Anwendungsbereich

      Die IE-4-Skala wurde als Forschungsinstrument für sozialwissenschaftliche Untersuchungen unterschiedlichster Art und Fragestellung entwickelt. Als Zielgruppe wurde daher die deutschsprachige Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren gewählt. Ausgenommen sind Personen, deren sprachliche oder kognitive Fähigkeiten oder deren Wahrnehmungsfähigkeiten, z. B. durch Seh- oder Hörschwäche, unzureichend sind, um die Items zu verstehen. Die Itemformulierungen wurden mittels kognitiver Pretests für die Zielgruppe optimiert. Auch die empirisch ermittelten Gütekriterien beziehen sich auf diese Zielgruppe.

      Die IE-4-Skala kann prinzipiell in unterschiedlichen Erhebungsmodi eingesetzt werden. Im Rahmen unserer Validierung setzten wir die Skala im CAPI-Modus (Computer Assisted Personal Interview) und in Papierform (Selbstausfüller) ein. Vor einem Einsatz der IE-4-Skala in Mixed-Mode-Designs sollte allerdings eine Prüfung der Invarianz erfolgen.

      Die Durchführungszeit der IE-4- Skala im CAPI-Modus setzt sich aus dem Vorlesen der Items durch den Interviewer und der Beantwortung durch die Befragungsperson zusammen. In 75% der CAPI-Interviews dauert die Durchführung 51 Sekunden oder weniger (Perzentil 75 = 51s). Die Durchführungsdauer in den anderen getesteten Erhebungsmodi war vergleichbar.

       

       

    Das Persönlichkeitskonstrukt Kontrollüberzeugung (engl. locus of control of reinforcement) ist ursprünglich in den Rahmen der sozialen Lerntheorie eingebunden (Rotter, 1954, 1966). Kontrollüberzeugung ist definiert als generalisierte Erwartung der internen bzw. externen Verstärkung, wobei internale Kontrollüberzeugung das Ausmaß beschreibt, in dem ein Individuum überzeugt ist, Ereignisse kontrollieren zu können und diese als Konsequenz seines eigenen Verhaltens erlebt. Externale Kontrollüberzeugung ist definiert als das Ausmaß, in dem das Individuum das Geschehen als Schicksal, Zufallsumstände oder unter der Kontrolle von "mächtigen Anderen" betrachtet, auf die es keinen Einfluss hat (Levenson, 1972; Rotter, 1966).

    Es wird angenommen, dass Kontrollüberzeugung durch die personalisierte Wahrnehmung und Lernerfahrung in spezifischen sozialen Situationen entsteht (vgl. Rotter, 1966; 1975). Demnach beeinflusst diese Lernerfahrung die Wahrnehmung, das Verhalten und die weiteren Lernerfahrungen in ähnlichen sozialen Situationen und entwickelt sich in Folge dessen zur Erwartung von Kontrolle über Ereignisse in entsprechenden Kontexten. Die Lernerfahrung aus den verschiedenen Kontexten entwickelt sich zu einer generalisierten Kontrollüberzeugung. Die generalisierte Kontrollüberzeugung ist eine dauerhafte, kontextübergreifende Erwartung, die an das eigene Selbstbild, das Weltwissen und die Summe aller Lernerfahrungen geknüpft ist und somit eine übergeordnete Funktion für das zielgerichtete Handeln hat. Das Konstrukt hat den Stellenwert einer Persönlichkeitseigenschaft und ist von zentraler Bedeutung für die Erklärung und Vorhersage des Verhaltens eines Individuums (Krampen, 1991; Levenson, 1972; Rotter, 1966; Skinner, 1996).

    Verschiedene Ansätze zur Erfassung der Kontrollüberzeugung wurden entwickelt: (1) Rotter (1966) postuliert ein unidimensionales Kontinuum mit extremer Ausprägung der internalen Kontrollüberzeugung an einem Pol und extremer Ausprägung der externalen Kontrollüberzeugung am anderen. Seine Annahme bildet die Grundlage der Internal / External Locus of Control Scale (ROT-IE, Rotter, 1966). (2) Levenson (1972) schlägt eine Veränderung des unidimensionalen Ansatzes vor. Bei der Entwicklung der Internal, Powerful Others, and Chance-Scale (IPC, Levenson, 1972) unterscheidet sie drei Dimensionen: eine, die internale Kontrollüberzeugung abbildet (Internal) und zwei weitere Dimensionen, die die verschiedenen Aspekte der externalen Kontrollüberzeugung beinhalten, nämlich die sozial bedingte Externalität (Powerful Others) und die fatalistische Externalität (Chance). (3) Diese dreidimensionale Struktur wird von Krampen (1991) in eine vierdimensionale modifiziert. Dabei schlägt Krampen ein handlungstheoretisches Modell der Persönlichkeit vor, in dem die internale Kontrollüberzeugung durch zwei Dimensionen, Selbstkonzept eigener Fähigkeiten und Internalität, erfasst wird. Die externale Kontrollüberzeugung wird nach wie vor in Soziale und Fatalistische Externalität unterteilt. Die faktoranalytischen Untersuchungen mit den drei beschriebenen Modellen der Kontrollüberzeugung konnten keine eindeutigen Belege für eines der Modelle erbringen (z. B. Ahle, 2002; Gurin, Gurin, Lao & Beattie, 1969; Mielke, 1979; Skinner, 1996). (4) Jakoby und Jacob (1999) entwickelten eine zweidimensionale Struktur. Die Autoren gründen ihren Ansatz auf der Annahme von Rotter (1966), dass Internalität und Externalität zwei wichtige Aspekte der Struktur von Kontrollüberzeugung sind und der Annahme von Levenson (1979), dass die Kontrollüberzeugung aus verschiedenen Dimensionen besteht. Dabei wurden die von Levenson vorgeschlagenen Aspekte der externalen Kontrollüberzeugung, Soziale Externalität und Fatalistische Externalität, in einer Dimension zusammengeführt. Diese zweifaktorielle Struktur des Konstrukts wurde in den Kurzskalen zur Messung von Kontrollüberzeugung in Bevölkerungsumfragen (KMKB) umgesetzt und zeigt sich als evident und gut replizierbar (Jakoby & Jacob, 1999; Kovaleva, Beierlein, Kemper & Rammstedt, 2010). Der empirisch belegte zweidimensionale Ansatz diente als Grundlage für die Konstruktion der aktuell vorliegenden IE-4-Skala (für Details siehe Kovaleva, 2012).

     

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Die Entwicklung der IE-4-Skala basiert auf der Klassischen Testtheorie. Die empirie- und theoriegeleitete Itemselektion erfolgte über ein zweistufiges Verfahren. In einem ersten Konstruktionsschritt wurden 20 Items entwickelt. Von diesen wurden auf Grundlage der über den kognitiven Prestest ermittelten Verständlichkeit der Items für die Zielgruppe, der faktorenanalytischen Untersuchungen sowie der inhaltlich-theoretischen Aspekte, vier Items ausgewählt (für Details zur Konstruktion siehe Kovaleva, 2012). Die Basis für die Validierung der Skala bilden zwei umfangreiche Stichproben (Tabelle 1).

    Um die Skala auch in englischsprachigen Untersuchungen einsetzen zu können, wurde diese übersetzt. Die Übersetzung der IE-4-Skala wurde nach den Empfehlungen der Internationalen Test-Kommission (International Test Commission - ITC, 2010) durchgeführt. Die ITC empfiehlt ein zweistufiges Verfahren: Zunächst übersetzten zwei vereidigte Übersetzer mit Englisch als Muttersprache die Items unabhängig voneinander. Eine Übersetzung war britisches, die andere amerikanisches Englisch. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt. Während des Treffens erarbeitete die Forschungsgruppe der Autoren zusammen mit den beiden Übersetzern und einem Experten für Fragebogenübersetzung bei GESIS die vorliegende Version der englischen Übersetzung.

     

    Stichproben

    Stichprobe 1 (siehe Tabelle 1) ist eine Quotenstichprobe, geschichtet nach den Merkmalen Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland (N = 539). Die Grundgesamtheit ist definiert als "alle in der Bundesrepublik Deutschland in Privathaushalten lebenden deutschsprachigen Personen ab 18 Jahren". Die Erhebung erfolgte in zwei Wellen mit einem zeitlichen Abstand von 6 bis 10 Wochen. Die Daten wurden im Rahmen eines persönlich-mündlichen Interviews (CAPI, Computer Assisted Personal Interview) sowie durch einen schriftlichen Fragebogen (Selbstausfüller) erhoben (mittlere Gesamtdauer der Erhebung 53 Minuten; SD = 12).

    Stichprobe 2 ist eine Zufallsstichprobe mit N = 1134 Probanden, die repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung über 18 Jahren ist. Sie wurde mithilfe des ADM-Stichprobensystem F2F (Random Route) der Arbeitsgemeinschaft deutscher Marktforschungsinstitute gezogen (ADM e. V., 2001). Die Daten dieser Untersuchung wurden vollständig im CAPI-Modus erhoben (mittlere Gesamtdauer der Erhebung 43 Minuten; SD = 13).

     

    Tabelle 1

    Stichprobencharakteristika

     

    Stichprobe 1
    Welle 1

    Stichprobe 1
    Welle 2

    Stichprobe 2

    Stichprobe

     

    Umfang [N]

    539

    338

     

    Art

    Quote

    Quote

    Zufall

    Modus

    CAPI, Papier

    CAPI, Papier

    CAPI

    Zusammensetzung

     

    Geschlecht [% Frauen]

    52.5

    52.1

    55.6

    Alter [M (SD)]

    47.2 (15.2)

    46.7 (15.1)

    53.3 (18.4)

    Bildung  ≤ 9 Jahre

    44.7

    45.3

    37.2

                    10 Jahre

    30.2

    27.9

    37.0

                     ≥ 11 Jahre

    23.7

    25.4

    25.8

    Anmerkung: CAPI = Computer Aided Personal Interview, CAWI = Computer Aided Web Interview, Papier = Papierversion (Selbstausfüller)

     

    Variablen und Auswertungsmethode

    Die Fragebögen für die beiden Untersuchungen sowie die Schulungsunterlagen für die Interviewer wurden von den Autoren der vorliegenden Arbeit konzipiert. Die Fragebögen enthielten umfangreiche Fragen zu soziodemographischen Angaben, die IE-4-Skala, verschiedene Persönlichkeitsskalen wie z.B. die Kurzskala zur Messung von Kontrollüberzeugungen in Bevölkerungsumfragen (KMKB; Jakoby & Jacob, 1999), die Satisfaction With Life Scale (SWLS; Diener, Emmons, Larsen & Griffin, 1985), das Big Five Inventory-10 (BFI-10; Rammstedt & John, 2007), die Allgemeine Selbstwirksamkeit Kurzskala (ASKU; Beierlein, Kovaleva, Kemper & Rammstedt, 2012), die Skala Optimismus-Pessimismus-2 (SOP2, Kemper et al., 2012), die Acht-Item-Skala zur Erfassung vom impulsiven Verhalten (I-8; Kovaleva, Kemper, Beierlein & Rammstedt, 2012) sowie diverse für die Sozialwissenschaften interessante Inhaltsvariablen, z.B. Wichtigkeit verschiedener Aspekte der Arbeitstätigkeit, Lebenszufriedenheit, Bildung. Die Erhebungen wurden von unabhängigen kommerziellen Anbietern durchgeführt. Um die psychometrische Güte der konstruierten Skala zu überprüfen, wurden auf Grundlage der oben beschriebenen Stichproben Kennwerte für die Reliabilität und verschiedene Aspekte der Validität berechnet (für Details zur Validierung von Persönlichkeitsskalen siehe Bühner, 2011; Lienert & Raatz, 1998).

     

    Itemanalysen

    Die IE-4-Skala beinhaltet zwei Subskalen, eine für die Erfassung internaler und eine für die Erfassung externaler Kontrollüberzeugung. Jede Skala besteht aus zwei Items. Die Faktorstruktur der Skalen konnte belegt werden (siehe Validierung).

     

    Itemkennwerte

    Die Items der IE-4-Skala und deren deskriptive Kennwerte sind in Tabelle 2 dargestellt. Die psychometrischen Kennwerte der beiden Subskalen sind unter den dazugehörigen Items zu finden.

     

    Tabelle 2

    Deskriptive Kennwerte der Items und Subskalen der IE-4

    Nr.

    Item

    M

    SD

    Sch

    Kurt

    1

    Ich habe mein Leben selbst in der Hand. 

    4.20

    .89

    -1.15

    1.16

    2

    Wenn ich mich anstrenge, werde ich auch Erfolg haben.

    4.03

    .97

    -.82

    .08

     

    Subskala IKÜ

    4.12

    .81

    -.99

    .97

    3

    Egal ob privat oder Beruf: Mein Leben wird zum großen Teil von anderen bestimmt.

    2.40

    1.15

    .46

    -.69

    4

    Meine Pläne werden oft vom Schicksal durchkreuzt.

    2.72

    1.21

    .23

    -.83

     

    Subskala EKÜ

    2.56

    .96

    .32

    -.45

    Anmerkung: N = 1134; M = Mittelwert, SD = Standardabweichung, Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis, IKÜ = internale Kontrollüberzeugung, EKÜ = externale Kontrollüberzeugung.

     

     

    Objektivität

    Unter Objektivität wird der Grad verstanden, in dem eine Messung unabhängig vom Untersucher ist (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese bezieht sich auf verschiedene Phasen einer Untersuchung: Durch-führung, Auswertung und Interpretation. Im Falle eines Face-to-Face-Interviews hängt die Durchführungsobjektivität von dem Interviewer ab, der die Daten erhebt. Sie ist gegeben, wenn dieser sich bei der Vorgabe der Skala genau an die Instruktionen und den Wortlaut der Items hält. Bei entsprechend geschulten Interviewern ist die Durchführungsobjektivität üblicherweise gewährleistet (Rammstedt, 2010b). Auswertungsobjektivität betrifft die numerische und kategoriale Auswertung des Antwortverhaltens der Befragten nach festgelegten Regeln (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese ist bei der IE-4 vollständig gegeben, da die Verrechnungsvorschriften der Werte auf den Items klar festgelegt sind und keinen Interpretationsspielraum zulassen. Interpretationsobjektivität ist gegeben, wenn die aus den Befragungsergebnissen gezogenen Schlüsse über verschiedene Forscher vergleichbar sind. Zur Maximierung der Interpretationsobjektivität sollte das Wissen der Forscher über die Messintention der Skala und über die Interpretation der quantitativen Messwerte vergleichbar sein (Rammstedt, 2010b). Durch die Normierung, kann auch die Interpretationsobjektivität der IE-4 als gegeben angesehen werden.

     

    Reliabilität

    Unter Reliabilität oder Messgenauigkeit einer Skala versteht man den Grad der Genauigkeit, mit dem ein Persönlichkeits- oder Verhaltensmerkmal erfasst wird (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Zwei Arten der Reliabilität wurden für die IE-4 berechnet: die Retest-Reliabilität und die Skalenhomogenität. Die Skalenhomogenität der IE-4 wurde im Rahmen von Strukturgleichungsmodellen auf der Grundlage der Ladungen und Fehlervarianzen aus den Messmodellen geschätzt. Als Schätzer wurde der Koeffizient ω von McDonald (1999, S. 90) verwendet. Der Koeffizient gibt das Ausmaß an, in dem eine latente Variable (Konstrukt) die gemeinsame Varianz aller Items wiedergibt (Krohne & Hock, 2007). Laut Schweizer (2011) ist dieser Schätzer der Reliabilität besser geeignet als Cronbach α. Die Interpretation der Höhe von McDonald ω ist analog zu Cronbach α. Die Reliabilitätskoeffizienten der IE-4 sind in Tabelle 3 dargestellt. Die Retest-Reliabilität der beiden Subskalen der IE-4 beträgt rtt = .56 für IKÜ und rtt = .64 für EKÜ. Dies legt nahe, dass Kontrollüberzeugung ein Konstrukt mittlerer Stabilität ist (für ähnliche Befunde siehe Beretvas, Suizzo, Duham & Yarnell, 2008; Brosschot, Gebhardt & Godaert, 1994; Robert & Tiggemann, 1982; Zerega, Tseng & Greever, 1976).

     

    Tabelle 3

    Items und deskriptive Statistiken der SOP2 aus Stichprobe 3

    Skala

    rtt

    ω¹

    ω²

    Internale Kontrollüberzeugung (IKÜ) 

    .56

    .71

    .70

    Externale Kontrollüberzeugung (EKÜ)

    .64

    .63

    .53

    Anmerkung: rtt = Retest-Reliabilität; ω1= McDonald ω Stichprobe 1; ω² = McDonald ω Stichprobe 2. 

     

    Die Homogenität der beiden Subskalen der IE-4 wurde anhand des Koeffizienten ω von McDonald geschätzt. Dieser beträgt für IKÜ ω = .71 in Stichprobe 1 und ω = .70 in Stichprobe 2. Für EKÜ ergibt sich ω = .67 in Stichprobe 1 und ω = .53 in Stichprobe 2. Insgesamt liegen die Reliabilitätskoeffizienten in einem Bereich, der für Gruppenuntersuchungen als hinreichend bewertet wird (vgl. Aiken & Groth-Marnat, 2006). Beide Subskalen unterscheiden sich allerdings deutlich im Hinblick auf die Homogenität. Die Omega-Koeffizienten sind für EKÜ niedriger als für IKÜ.

     

    Validität

    Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn ein Item das zu messende Konstrukt wirklich bzw. hinreichend präzise abbildet (Bühner, 2011). Um zu überprüfen, ob ein Verfahren inhaltlich valide ist, wird üblicherweise dessen Konstruktion detailliert beleuchtet (Rammstedt, 2010b). Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn das zu messende Konstrukt a priori hinreichend definiert ist und die Items von einem Expertengremium im Hinblick auf ihre Gültigkeit beurteilt wurden. Die inhaltliche Validität der Items wurde mit Hilfe der kognitiven Interviews gesichert (für Details siehe Kovaleva, 2012). Dabei wurden Flüssigkeit und Verständlichkeit der Itemformulierungen sowie die Augenscheinvalidität geprüft. Die Itemformulierungen der Subskalen wurden aufgrund der Ergebnisse von kognitiven Interviews optimiert.

    Die faktorielle Validität der IE-4 wurde auf Basis von Stichprobe 1 geprüft. Dazu wurde die IE-4 gemeinsam mit einem alternativen Maß für das Konstrukt Kontrollüberzeugung, dem KMKB (Jakoby & Jacob, 1999), modelliert. Die konfirmatorische Faktorenanalyse belegt die zweifaktorielle Struktur der Skala in Welle 1 (χ²/df = 2.02; RMSEA = .04 (90% CI = .03-.06); CFI = .98; TLI = 95; SRMR = .03) und in Welle 2 (χ²/df = 2.55; RMSEA = .07 (90% CI = .05-.08); CFI = .96; TLI = 93; SRMR = .04). Das Modell mit vier latenten und zehn manifesten Variablen wird zu beiden Zeitpunkten bestätigt (vgl. Brown, 2006; Schweizer, 2010). Abbildung 1 zeigt die standardisierten Ladungen in den beiden Wellen.

     

    http://www.gesis.org/fileadmin/kurzskalen/misc/IE4_faktorielleValiditaet.png

    Abbildung 1. Gemeinsame Konfirmatorische Faktorenanalyse der Subskalen von IE-4 und KMKB (faktorielle Validität). Die standardisierten Ladungen der Welle 1 sind vor dem Schrägstrich und die Ladungen der Welle 2 hinter dem Schrägstrich wiedergegeben. Der Robust-Maximum-Likelihood-Schätzer wurde angewendet. Die großen Ovale bilden die latenten Faktoren ab (Subskalen), die Quadrate repräsentieren manifeste Variablen (Items), die Fehlervarianzen sind in den kleinen Kreisen zu finden. IKÜ = internale Kontrollüberzeugung, EKÜ = externale Kontrollüberzeugung, It = Item, jj = Item des KMKB.

    Die Korrelationen der latenten Dimensionen, die die gleichen Konstrukte erfassen, sind sehr hoch (vgl. Brown, 2006) mit r = .92 bzw. .97 für die Skalen IKÜ und r = .97 bzw. .99 für die EKÜ. Die Ergebnisse deuten demnach darauf hin, dass die IE-4 mit ihren vier Items die Konstrukte internale und externale Kontrollüberzeugung zum einen theoriekonform als zwei distinkte aber korrelierte Faktoren erfasst; zum anderen ist die Erfassung inhaltlich mit anderen gängigen Skalen zu internaler/externaler Kontrollüberzeugung vergleichbar (hier das KMKB).

    Bei der Konstruktvalidierung werden anhand theoretischer Überlegungen positive, negative und Nullbeziehungen einer zu validierenden Skala mit anderen empirischen Indikatoren postuliert (nomologisches Netzwerk) und es wird getestet, ob sich das vorhergesagte Muster empirisch zeigt (Krohne & Hock, 2007). Im Rahmen der Validierung wurden Validitätskoeffizienten der IE-4 für psychologische Merkmalsvariablen und sozialwissenschaftliche Inhaltsvariablen berechnet. Ziel war, aus der Fachliteratur bekannte Korrelate von Kontrollüberzeugung mit der IE-4 zu replizieren und neue Korrelate aufzuzeigen. Die Ergebnisse sind in den Tabellen 4 und 5 zusammengefasst. Die Interpretation der empirisch ermittelten Validitätskoeffizienten erfolgt nach den Vorgaben von Cohen: kleiner Effekt (r = .10), mittlerer Effekt (r = .30), starker Effekt (r = .50).

    Im Folgenden werden zunächst die Validitätskoeffizienten der IE-4 für die psychologischen Kriterien berichtet (siehe Tabelle 4). Erwartungsgemäß ergibt sich ein hoher positiver Zusammenhang zwischen der IKÜ und der allgemeinen Selbstwirksamkeit von r = .61. Ein positiver moderater Zusammenhang wird auch zwischen IKÜ und Optimismus festgestellt (.36). Ebenfalls erwartungskonform zeigt sich der Zusammenhang zwischen IKÜ und Lebenszufriedenheit (r = .53). In Bezug auf impulsives Verhalten zeigte sich der Zusammenhang von IKÜ mit dem Konstrukt Beharrlichkeit, das die Umsetzung eigener Ideen und Pläne erfasst (r = .37). Abweichend von Rossier, Rogozzi und Berthound (2002) fanden wir Zusammenhänge mit der IKÜ nicht nur für Extraversion (r = .36), Neurotizismus (r = -.29) und Gewissenhaftigkeit (r = .28), sondern auch für Offenheit (r = .29). Für EKÜ haben die oben genannten statistischen Beziehungen erwartungsgemäß meist ein umgekehrtes Vorzeichen und fallen niedriger aus.

     

    Tabelle 4

    Validitätskoeffizienten der IE-4 für psychologische Kriterien

    Konstrukt

    IKÜ

    EKÜ

    Allgemeine Selbstwirksamkeit

    .61***

    -.32**

    Optimismus

    .36**

    -.32**

    Lebenszufriedenheit¹

    .53***

    -.48***

    Impulsives Verhalten

     

    Dringlichkeit

    -.01

    .24**

    Vorbedacht

    .22**

    -.17**

    Beharrlichkeit

    .37**

    -.22**

    Risikobereitschaft

    .22**

    -.06*

    Big Five-Persönlichkeitsfaktoren

     

    Verträglichkeit

    .09**

    -.15**

    Gewissenhaftigkeit

    .28**

    -.21**

    Offenheit

    .29**

    -.12**

    Neurotizismus

    -.29**

    .29**

    Extraversion

    .36**

    -.20**

    Anmerkung: N = 1134; IKÜ = internale Kontrollüberzeugung; EKÜ = externale Kontrollüberzeugung; ¹N = 539, Lebenszufriedenheit wurde mit der SWLS-Skala (Diener, et al., 1985) erfasst; * = p < .05; ** = p < .01; *** = p < .001.

     

    Neben den Validitätskoeffizienten der IE-4 für psychologische Variablen wurden auch Zusammenhänge mit sozialwissenschaftlichen Inhaltsvariablen ermittelt (siehe Tabelle 5). Frühere Studien fanden bedeutsame Zusammenhänge zwischen IKÜ beziehungsweise EKÜ und der Wichtigkeit verschiedener Aspekte des Arbeitsplatzes (Borg & Noll, 1990), der Lebenszufriedenheit (Diener, 1984; Rammstedt, 2007), dem allgemeinem schulischen Bildungsniveau (Jakoby & Jacob, 1999; Rossier, Rigozzi & Berthoud, 2002; Kovaleva, Beierlein, Kemper & Rammstedt, 2010) und dem monatlichen Einkommen (Caliendo, Cobb-Clark & Uhlendorff, 2010). Um die Konstruktvalidität der IE-4-Skala zu überprüfen, wurden die Korrelationen mit diesen Kriterien in Stichprobe 2 berechnet (Tabelle 5). Erwartungsgemäß fanden sich substanzielle Zusammenhänge zwischen IKÜ und wichtigen Aspekten der beruflichen Tätigkeit wie Aufstiegschancen sowie Möglichkeiten zur selbstständigen Gestaltung und Einteilung der Arbeit (r = .28 bzw. .26), Abwechslung bei der Arbeit (r = .23) und dem Verhältnis zu den Kollegen (r = .20).

     

    Tabelle 5

    Validitätskoeffizienten der IE-4 für sozialwissenschaftliche Kriterien

    Kriterien

    IKÜ

    EKÜ

    Wichtigkeit verschiedener Aspekte des Arbeitsplatzes

     

    Verdienstmöglichkeiten

    -.06

    -.04

    Arbeitsbedingungen

    .16**

    -.13**

    Abwechslung bei der Arbeit

    .23**

    -.14**

    Verhältnis zu Kollegen

    .20**

    -.07*

    Aufstiegschancen

    .28**

    -.13**

    Sicherheit vor Entlassung

    .02

    .00

    Arbeitszeitregelung

    .13**

    -.04

    Ansehen der Tätigkeit in der Öffentlichkeit

    .17**

    -.10**

    Möglichkeiten zur selbstständigen Gestaltung und Einteilung der Arbeit

    .26**

    -.17**

    Weitere Variablen

     

    Allgemeine Schulbildung

    .17**

    -.18**

    Durchschnittliches monatliches Einkommen

    .19**

    -.21**

    Anmerkung: N = 1134; IKÜ= internale Kontrollüberzeugung; EKÜ = externale Kontrollüberzeugung; * = p < .05; ** = p < .01; *** = p < .001.

     

    Die Korrelation zwischen allgemeiner Schulbildung und IKÜ beträgt r = .17. Der Zusammenhang mit EKÜ ist negativ (r = -.18). Dieses Zusammenhangsmuster konnte auch mittels einer Varianzanalyse bestätigt werden, wobei sich ein signifikanter Effekt der verschiedenen Bildungsabschlüsse auf IKÜ (F(2;1097) = 19.53; p < .001; η² = .034) und auf EKÜ (F(2;1097) = 16.61; p < .001; η² = .029) zeigte. Post-Hoc-Tests zeigen, dass Personen mit hohen Bildungsabschlüssen in IKÜ die höchsten Werte erzielen (M = 4.32, SD = .66) und die niedrigsten in EKÜ (M = 2.31, SD = .88). Personen mit mittlerer Bildung sind in beiden Subskalen im mittleren Bereich (M = 4.15, SD = .77 für IKÜ und M = 2.56, SD = .88 für EKÜ), während Personen mit geringer Bildung die niedrigsten Mittelwerte in IKÜ (M = 3.94, SD = .90) und die höchsten in EKÜ aufweisen (M = 2.73, SD = .96). Neben den erwartungskonformen Korrelationen mit Bildung korrelieren die IE-4-Subskalen auch erwartungsgemäß mit dem durchschnittlichen monatlichen Netto-Einkommen, nämlich IKÜ .19 und EKÜ -.21.

     

    Deskriptive Statistiken (Normierung)

    Die Referenzwerte (Tabelle 6 - Tabelle 7) basieren auf der Zufallsstichprobe (Stichprobe 2) und erlauben dem Anwender einen Vergleich der IE-4-Werte aus seiner Untersuchung mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel mit Männern oder Frauen, mit Personen unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichen Alters. Die Altersgruppen in (Tabelle 6. - Tabelle 7) wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.


     

    Tabelle 6

    Referenzwerte IE-4: Interne Kontrollüberzeugung

    Geschlecht

    Bildung

    Altersgruppen

    Gesamt (Alter)

     

     

    18 - 35

    36 - 65

    > 65

     

     

     

     

    M

    SD

    M

    SD

    M

    SD

    M

    SD

    Männlich

    gering

    3.92

    .83

    4.13

    .86

    3.99

    .85

    4.03

    .85

     

    mittel

    4.11

    .76

    3.97

    .87

    4.33

    .69

    4.09

    .81

     

    hoch

    4.46

    .59

    4.19

    .71

    4.35

    .68

    4.31

    .68

     

    Gesamt

    4.20

    .75

    4.09

    .82

    4.14

    .80

    4.13

    .80

    Weiblich

    gering

    3.76

    1.01

    3.81

    1.00

    3.91

    .89

    3.86

    .94

     

    mittel

    4.33

    .77

    4.12

    .73

    4.10

    .70

    4.17

    .74

     

    hoch

    4.47

    .61

    4.21

    .67

    4.43

    .53

    4.34

    .64

     

    Gesamt

    4.31

    .77

    4.06

    .81

    4.02

    .83

    4.11

    .81

    Gesamt (Geschlecht)

    gering

    3.86

    .90

    3.97

    .95

    3.95

    .87

    3.95

    .90

     

    mittel

    4.27

    .77

    4.06

    .79

    4.22

    .70

    4.14

    .77

     

    hoch

    4.46

    .60

    4.20

    .68

    4.38

    .62

    4.32

    .65

     

    Gesamt

    4.27

    .76

    4.07

    .82

    4.08

    .82

    4.12

    .81

      Anmerkung: N = 1134

     

    Tabelle 7

    Referenzwerte IE-4: Externe Kontrollüberzeugung

    Geschlecht

    Bildung

    Altersgruppen

    Gesamt (Alter)

     

     

    18 - 35

    36 - 65

    > 65

     

     

     

     

    M

    SD

    M

    SD

    M

    SD

    M

    SD

    Männlich

    gering

    2.79

    .84

    2.66

    .92

    2.65

    1.02

    2.67

    .96

     

    mittel

    2.42

    1.02

    2.59

    .98

    2.31

    .89

    2.48

    .96

     

    hoch

    2.37

    1.10

    2.18

    .71

    2.33

    .88

    2.27

    .87

     

    Gesamt

    2.51

    1.02

    2.49

    .91

    2.51

    .98

    2.50

    .95

    Weiblich

    gering

    3.03

    1.12

    2.93

    1.02

    2.65

    .91

    2.79

    .98

     

    mittel

    2.55

    1.00

    2.69

    .97

    2.39

    .91

    2.61

    .97

     

    hoch

    2.15

    .67

    2.49

    1.05

    2.36

    .77

    2.34

    .89

     

    Gesamt

    2.45

    .94

    2.71

    1.01

    2.55

    .90

    2.60

    .97

    Gesamt (Geschlecht)

    gering

    2.89

    .96

    2.80

    .98

    2.65

    .96

    2.73

    .97

     

    mittel

    2.52

    1.00

    2.66

    .97

    2.35

    .89

    2.56

    .97

     

    hoch

    2.24

    .87

    2.34

    .91

    2.34

    .83

    2.31

    .88

     

    Gesamt

    2.47

    .97

    2.61

    .97

    2.53

    .94

    2.56

    .96

      Anmerkung: N = 1134

    Prof. Dr. Constanze Beierlein, Hochschule Hamm-Lippstadt, E-Mail: constanze.beierlein@hshl.de