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Machiavellismus

  • Autor/in: Henning, H. & Six, B.
  • In ZIS seit: 1997
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis126
  • Zusammenfassung: Die Skala erfasst die Tendenz zu einer relativ geringen affektiven Beteiligung in interpersonellen Beziehungen, einer relativ geringen Bindung an konventionelle Moralvorstellungen, Realitätsangepassth ... mehreit und relativ geringe ideologische Bindung. Die Entwicklung der Skala basiert auf der Arbeit von Christie und Geis (1970). weniger
    Abstract: The scale measures the tendency towards a relatively low affective participation in interpersonal relationships, a relatively low attachment to conventional moral concepts, reality adaptation and a re ... mehrlatively low ideological attachment. The development of the scale is based on the work of Christie and Geis (1970). weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch
  • Anzahl der Items: 18
  • Reliabilität: Split-half-Reliabilität = .70 bis .82; Retest-Reliabilität = .83
  • Validität: Validierungshinweise werden nicht gegeben
  • Konstrukt: Machiavellismus
  • Schlagwörter: Machiavellismus, Moral, Realität | machiavellianism, morality, reality
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: ja
  • URL Datenarchiv: http://dx.doi.org/10.4232/1.0979
  • Entwicklungsstand: erprobt, normiert
    • Instruktion

      Die Instruktion ist standardisiert. Der genaue Wortlaut der Anweisung liegt jedoch nicht vor.

       

      Items

      Nr.

      Item

      1

      Im Umgang mit Menschen ist es am besten, ihnen das zu sagen, was sie hören wollen.

      2

      Es ist nicht so wichtig, wie man gewinnt, sondern, dass man gewinnt.

      3

      Bescheidenheit ist nicht nur unnützlich, sie ist sogar schädlich.

      4

      Jeder ist sich selbst der Nächste.

      5

      Man sollte am Guten so lange wie möglich festhalten, aber im Notfall vor dem Schlechten nicht zurückschrecken.

      6

      Um eine gute Idee durchzusetzen, ist es unwichtig, welche Mittel man anwendet.

      7

      Sicheres Auftreten ist mehr wert als Empfänglichkeit für Gefühle.

      8

      Man sollte nur dann den wahren Grund seiner Absichten zeigen, wenn es einem nützt.

      9

      Wer sich für die Zwecke anderer ausnützen lässt, ohne es zu merken, verdient kein Mitleid.

      10

      Ein weitgestecktes Ziel kann man nur erreichen, wenn man sich manchmal auch etwas außerhalb des Erlaubten bewegt.

      11

      In Gesellschaft ist es günstiger, sich der Meinung des jeweiligen Gastgebers anzupassen.

      12

      Für das eigene Vorwärtskommen muss die Familie manchmal Opfer bringen.

      13

      Man kann ein Versprechen ruhig brechen, wenn es für einen selbst vorteilhaft ist.

      14

      Man soll seine Bekanntschaften unter dem Gesichtspunkt auswählen, ob sie einem nützen können.

      15

      Meistens ist es günstiger, seine wahren Absichten für sich zu behalten.

      16

      Das Wichtigste im Leben ist, nicht den Anschluss zu verlieren.

      17

      Wer einem anderen zum Aufstieg verhilft, richtet sich selbst zugrunde.

      18

      Man muss die Taten der Menschen nach dem Erfolg beurteilen.

       

      Antwortvorgaben

      6-stufige Kategorialskalen: Stimme zu - Stimme nicht zu. Für die Itemselektion wurden die Kategorien dichotomisiert.

       

      Auswertungshinweise

      Es wird ein ungewichteter Summenindex gebildet.

    Der theoretische Bezug wird über die Arbeiten und das als Machiavellismus bezeichnete theoretische Rollenmodell von Christie und Geis (1970) hergestellt. Es wurde mit der Intention entwickelt, die erfolgreiche Anwendung interpersoneller Macht zu erklären. Christie und Geis stellen vier Merkmale zur Beschreibung der machiavellistischen Persönlichkeit zusammen: Eine relativ geringe affektive Beteiligung in interpersonellen Beziehungen, eine relativ geringe Bindung an konventionelle Moralvorstellungen, Realitätsangepasstheit und relativ geringe ideologische Bindung.

     

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    "Ziel der Untersuchung war es, ein Messinstrument zu erstellen, das 'spezifisch objektive' Messung (Rasch, 1960) ermöglicht, d.h. eine von der Referenzstichprobe unabhängige Bestimmung von Personen- und Itemkennwerten zulässt" (Henning und Six, 1977, S. 190). Die Machiavellismus-Skala der Autoren ist deshalb das Resultat von vier unabhängig angewandten Analyse- bzw. Skaliertechniken (Itemanalyse, Faktorenanalyse, SCAMMO-Technik und Raschskalierung).

    Für die Skalenvorform wurden 81 Items aus folgenden Quellen ausgewählt: 46 Items der MACH II-Skala von Christie und Geis, 9 Items aus der Skalenvorform des MK von Cloetta (1972), 9 Items aus den Werken von Machiavelli (Discorsi, I1 Principe) und 18 Neuformulierungen der Autoren. Diese 81 Items wurden den Versuchspersonen mit 6-stufigen Antwortskalen  vorgelegt.

    Für die Itemselektion wurden diese Kategorien anschließend dichotomisiert. Zur Selektion der Items wurde zunächst die SCAMMO (Scale Analysis MOKKEN)-Technik mit den Kriteriumswerten H1 = .27 (untere Grenze für die Itemhomogenität) und einem Signifikanzniveau von alpha = 0.05 eingesetzt. Sie führte zu einer Auswahl von 21 Items mit einem Skalenhomogenitäts-Koeffizienten von H = .37. Eine ausführliche Beschreibung der MOKKEN-Skalenanalyse geben Henning und Six (1977, S. 190 - 194). Zum Vergleich wurde eine klassische Item- und Faktorenanalyse mit den 81 Ausgangsitems durchgeführt. Nach 7 Selektionsschritten führte die klassische Itemanalyse zu 21 Items, die jedoch nicht völlig mit den nach der SCAMMO-Technik analysierten Items übereinstimmten.

    Letztlich führte eine Hauptkomponentenanalyse - ebenfalls von den Grunditems ausgehend - zu drei Faktoren, die 27,4 % Gesamtvarianz aufklärten. Der erste Faktor vereinigte 8,6 % Gesamtvarianz bei 28 Items auf sich. Für die Skalenendform wurden nur die Items dieses Faktors berücksichtigt. Als "Schnittmenge" dieser drei unabhängig gewonnenen Itemsätze verblieben 18 Items, die als Ausgangspunkt für die Skalenendform dienten.

    Die Items Nr. 1, 10, 14, 15 der Skalenendform sind mit der Machiavellismus-Subskala von Cloetta (1972) identisch, Items 6 und 8 wurden leicht modifiziert.

     

    Stichproben

    Die Stichprobe umfasste N = 211 Personen (Lehrer, Handwerker, Arbeiter und Hausfrauen). N = 156 waren zwischen 20 und 30 Jahren alt, N = 55 waren zwischen 40 und 50 Jahren alt. 132 der Vpn waren männlich. (Tabelle 2)

     

    Itemanalysen

    Die Hauptkomponentenanalyse der 18 Items weist nach dem SCREE-Test auf eine einfaktorielle Lösung hin. Durch den ersten Faktor werden 43% der aufgeklärten und 22% der gesamten Varianz bestimmt. Die Ladungen (Tabelle 1) auf dem 1. Faktor (unrotiert) sind ausgewiesen.

     

    Tabelle 1

    Faktorladungen und Item-Gesamt-Korrelationen (rit) der Items

    Item

    Faktorladung

    rit

    1

    .47

    .38

    2

    .66

    .57

    3

    .45

    .37

    4

    .49

    .43

    5

    .45

    .40

    6

    .45

    .39

    7

    .39

    .33

    8

    .60

    .52

    9

    .51

    .44

    10

    .41

    .37

    11

    .44

    .40

    12

    .33

    .30

    13

    .42

    .35

    14

    .44

    .39

    15

    .49

    .43

    16

    .38

    .34

    17

    .44

    .39

    18

    .55

    .46

     

    Itemkennwerte

    Die Item-Gesamt-Korrelationen (Tabelle 1) liegen vor. Die mittlere Trennschärfe beträgt .40. Die Ladungen der Items auf dem Zielfaktor (Tabelle 1) weisen auf eine formale Gültigkeit hin.

    Reliabilität

    Die Split-Half-Reliabilität beträgt .70, nach Spearman-Brown-Korrektur .82. Die Retest- Reliabilität für 38 Studienanfänger in Psychologie betrug nach 7 Wochen rtt = .83.

     

    Validität

    Validierungshinweise werden nicht gegeben.

     

    Deskriptive Statistiken

    Der Mittelwert der Gesamtskala beträgt M = 6.9, die Streuung s = 4.0. Die Verteilungsparameter (Tabelle 2) verschiedener Subgruppen (Berufsgruppen, Alter, Geschlecht, Schulabschluss) liegen vor.

     

    Tabelle 2

    Merkmale der Normstichprobe

     

    M

    s

    N

    Berufsgruppen

     

     

     

    1. Lehrer

    5.25

    3.74

    20

    2. Verwaltungsangestellte

    6.83

    3.72

    18

    3. Handwerker

    8.62

    4.34

    21

    4. Technische Berufe

    8.91

    3.19

    33

    5. Arbeiter/Facharbeiter

    8.24

    4.48

    17

    6. Hausfrauen

    7.66

    4.03

    22

    7. Schüler/Studenten

    4.74

    2.83

    61

     

     

     

    192

    Alter

     

     

     

    Gruppe 1: 20 – 30

    6.48

    3.78

    156

    Gruppe 2: 40 – 50

    8.00

    4.34

    55

     

     

     

    211

    Geschlecht

     

     

     

    männlich

    7.36

    4.84

    132

    weiblich

    5.88

    3.44

    74

     

     

     

    206

    Schulabschluss

     

     

     

    1. Hauptschule

    8.57

    3.78

    82

    2. Realschule

    6.88

    3.91

    17

    3. Fachschule

    6.39

    3.75

    26

    4. Abitur

    5.24

    3.53

    79

    5. Sonstige

    5.75

    2.59

    4

     

     

     

    208

    Anmerkung der Hrsg.: Abweichungen von der angegebenen Stichprobengröße n=211 sind vermutlich auf fehlende Werte zurückzuführen.

     

    Eine leicht gekürzte Form des Instruments wurde u.a. 1994 erneut in einer Studie zur Gewalt Jugendlicher der Universität Bielefeld eingesetzt. Aus dieser Untersuchung liegen ebenfalls Angaben zu psychometrischen Eigenschaften des Instruments vor, die zusätzlich zu den im Folgenden hier berichteten eingesehen werden können (Tabelle 3).

     

    Tabelle 3

    Eigenschaften des Instruments Machiavellismus

    Anzahl der Items

    14

    Quelle der Items

    Henning/Six

    Itemmittelwerte

    1.43 (MA11)

    (min/max) (Item)

    2.71 (MA13)

    Inter-Item-Korr. (min/max/mean)

    .05/ .47/ .26

    Skalenmittelwert

    2.00

    Skalenvarianz

    .28

    Skalenwerte (min/max)

    1 / 3.8

    Anzahl der fehlenden/gültigen Werte

    66 / 738

    Reliabilitätskoeffizient

    .83

    Item-Skala-Korr.

    .34 (MA2)

    (min/max) (Item)

    .58 (MA5)


     

     

    •      Prof. Dr. Bernd Six, Bergische Universität, Gesamthochschule Wuppertal, Fachbereich 1, Gesellschaftswissenschaften, Gaußstr. 20, D-42119 Wuppertal.