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Allgemeines Umweltbewusstsein

  • Autor/in: Wingerter, C.
  • In ZIS seit: 2001
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis208
  • Zusammenfassung: Die Skala "Allgemeines Umweltbewusstsein" erfasst Umweltbewusstsein als allgemeine Überzeugung oder Weltbild. Die Erfassung dieses Konstrukts basiert auf einem Rational-Choice-Modell, bei dem ... mehrangenommen wird, dass Überzeugungen bezüglich der Umwelt und deren Wertschätzung auf rationalen Entscheidungen fußen. Es werden drei Subskalen unterschieden: intrinsisches Naturverständnis, instrumentelles Naturverständnis und Natur als Existenzgrundlage. weniger
    Abstract: The scale "General Environmental Awareness" captures environmental awareness as a general belief or world view. This construct is based on a rational choice model that assumes that environmental be ... mehrliefs and values are based on rational decisions. Three subscales are distinguished: intrinsic understanding of nature, instrumental understanding of nature and nature as the basis of existence. weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch
  • Anzahl der Items: 11
  • Reliabilität: Cronbachs Alpha = .46 bis .68
  • Validität: Es liegen Hinweise auf die faktorielle und die Kriteriumsvalidität vor.
  • Konstrukt: Umweltbewusstsein
  • Schlagwörter: Umweltverhalten | environmental behavior
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: nein
  • Entwicklungsstand: validiert
    • Instruktion

      Item 1 bis Item 8: Im Folgenden haben wir eine Reihe von Aussagen. Bitte sagen Sie mir zu jeder Aussage, in welchem Maße Sie zustimmen.

      Item 9 bis Item 11: Jetzt noch ein paar weitere Aussagen. Bitte sagen Sie mir auch diesmal zu jeder Aussage, in welchem Maße Sie zustimmen.

       

      Items

      Nr.

      Item

      Variablen-bezeichnung

      1

      Die Menschen haben das Recht, die Natur nach ihren Bedürfnissen umzugestalten.

      F12A

      2

      Pflanzen und Tiere existieren hauptsächlich, um von den Menschen genützt zu werden.

      F12B

      3

      Tiere sollten ähnliche Lebensrechte wie Menschen haben.

      F12C

      4

      Um die Umwelt schützen zu können, braucht Deutschland wirtschaftliches Wachstum.

      F12E

      5

      Es gibt Grenzen des Wachstums, die unsere industrialisierte Welt schon überschritten hat oder sehr bald erreichen wird.

      F12F

      6

      Wissenschaft und Technik werden viele Umweltprobleme lösen, ohne dass wir unsere Lebensweise ändern müssen.

      F12H

      7

      Wir vertrauen zu sehr der Wissenschaft und der Technik und zu wenig unseren Gefühlen.

      F12J

      8

      Das meiste, was Wissenschaft und Technik hervorgebracht haben, schadet der Umwelt.

      F12K

      9

      Es beunruhigt mich, wenn ich daran denke, unter welchen Umweltverhältnissen unsere Kinder und Enkelkinder wahrscheinlich leben müssen.

      F13A

      10

      Wenn ich Zeitungsberichte über Umweltprobleme lese oder entsprechende Fernsehsendungen sehe, bin ich oft empört und wütend.

      F13B

      11

      Wenn wir so weitermachen wie bisher, steuern wir auf eine Umweltkatastrophe zu.

      F13D

       

      Antwortvorgaben

      Die Zustimmung zu den Aussagen wurde jeweils auf fünfstufigen Skalen erfasst. Dazu wurden den Befragten Karten (für jeden Fragenblock eigene) mit den Aufschriften „stimme überhaupt nicht zu“, „stimme eher nicht zu“, „teils/teils“, „stimme weitgehend zu“ und „stimme voll und ganz zu“ gegeben, die jeweils zur Beantwortung einer Frage gezeigt werden sollten. Die Antwortalternativen wurden so kodiert, dass ein Wert von Fünf die volle Zustimmung und Eins die volle Ablehnung bedeutet: 1 = „stimme überhaupt nicht zu“, 2 = „stimme eher nicht zu“, 3 = „teils/teils“, 4 = „stimme weitgehend zu“ und 5 = „stimme voll und ganz zu“.

       

      Auswertungshinweise

      Es liegen keine Angaben vor.

       

       

    Die Skala "Allgemeines Umweltbewusstsein" soll Umweltbewusstsein als allgemeine Überzeugungen oder Weltbilder erfassen (vgl. auch Preisendörfer, 1999). Dieses Konstrukt wird hier in einem Rational-Choice-Modell verwendet. Die Erfassung der es konstituierenden allgemeinen Überzeugungen bzw. Weltbilder soll deshalb Aussagen darüber zulassen, warum Umwelt von einer Person überhaupt als schützenswert oder wertvoll betrachtet wird.

    In Anlehnung an die Überlegungen von Catton und Dunlap (1978) und Dunlap und Van Liere (1984; 1978) zu umweltrelevanten Weltbildern wie das "dominant social paradigm" und das "new environmental paradigm" und in Anlehnung an einen Artikel von Johnson (1996) über die logischen Zusammenhänge zwischen diesen beiden Weltbildern wurden drei mögliche Sichtweisen herausgearbeitet, die grundsätzlich eine Wertschätzung der natürlichen Umwelt implizieren (Wingerter, 1999):

    Bei einem intrinsischen Naturverständnis wird Natur erstens um ihrer selbst Willen als wertvoll erachtet. Sie ist dort integraler Bestandteil des gesamten Weltbildes einer Person und der Verlust einer intakten natürlichen Umwelt würde als nicht ersetzbar bewertet. Eine zweite Haltung beurteilt Natur unter instrumentellen Gesichtspunkten. Natur wird primär als Ressource verstanden und dient der Befriedigung vielfältiger menschlicher Interessen. Auch hier bedeutet eine Verschlechterung der Umweltqualität zwar einen Verlust, aber nur solange bis das gleiche Bedürfnis alternativ befriedigt werden kann. Eine Einsicht in die Gefährdung der menschlichen Existenzgrundlagen führt zu einer dritten Form der Wertschätzung der Natur. Sie schließt zwei wichtige Überzeugung ein: Zum einen wird Natur als eine unabdingbare Grundlage menschlicher Existenz angesehen. Zum anderen wird davon ausgegangen, dass die Menschen durch ihr Handeln die Natur und somit ihre Existenzgrundlage zunehmend verschlechtern.

    Bei der Entwicklung des hier dokumentierten Instruments wurde davon ausgegangen, dass diese drei Naturverständnisse bzw. Dimensionen eines allgemeinen Umweltbewusstseins unabhängig voneinander sind. D. h., dass beispielsweise ein hohes instrumentelles Naturverständnis eine hohe Einsicht in die Gefährdung der Existenzgrundlagen nicht ausschließt. Oder, dass die Überzeugung einer Person auf einer Dimension nicht unumgänglich einen entsprechenden Wert auf einer anderen Dimension impliziert.

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Zur Identifizierung möglicher Überzeugungen oder Weltbilder eines allgemeinen Umweltbewusstseins wurde zunächst eine Faktorenanalyse (Hauptachsenanalyse, SPSS 9.0) mit einer Vielzahl allgemeiner Statements zum Umweltbereich durchgeführt. Die Zahl der extrahierten Faktoren orientierte sich am Kriterium von Eigenwerten grösser Eins. Um eine klarere Faktorstruktur zu erhalten, wurde eine Varimax-Rotation durchgeführt, da theoretisch eine Unabhängigkeit der Dimensionen postuliert wird. Die Analyse führte zur Auswahl von 11 Items. Sie bilden drei Faktoren (siehe Tabelle 1), die in Übereinstimmung mit den drei theoretisch erwarteten Dimensionen eines allgemeinen Umweltbewusstseins Handlungsbereitschaften, Meinungen zur Umweltpolitik und die relative Wichtigkeit von Umweltschutz und Arbeitsplatz erfassen. Eine ähnliche Faktorenstruktur beschreiben Luber (1995) und Scherer (1996).

     

    Tabelle 1

    Ladungen der theoretisch postulierten Faktoren Existenzgrundlage (1), instrumentelles Naturverständnis (2) und intrinsisches Naturverständnis (3) auf den Items nach einer Hauptachsen-analyse mit orthogonaler Faktorenextraktion (Varimax)

    Item

     

    1

    2

    3

    F12A

    Recht, Natur umzugestalten

    -.11

    .63

    -.05

    F12B

    Pflanzen/Tiere nur zum Nutzen 

    -.02

    .72

    .03

    F12C

    Tiere Rechte wie Menschen 

    .25

    -.06

    .24

    F12E

    Wachstum, um Umwelt zu schützen

    -.02

    .40

    .08

    F12F

    Wachstumsgrenzen überschritten

    .24

    -.12

    .27

    F12H

    Technik kann Umweltprobleme lösen

    -.08

    .42

    -.13

    F12J

    viel Technik, wenig Gefühl

    .15

    -.09

    .50

    F12K

    Technik schadet Umwelt

    .11

    -.03

    .57

    F13A

    schlechte Umwelt: Kind/Enkel 

    .68

    -.06

    .10

    F13B

    Umweltberichte machen wütend 

    .68

    -.01

    .14

    F13D

    Gefahr Umweltkatastrophe

    .53

    -.16

    .26

     

    Stichproben

    Die zur Konstruktion des Instruments herangezogenen Daten stammen aus der Umfrage "Umweltbewusstsein in Deutschland 1996", die im Auftrag des Umweltbundesamtes und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit durchgeführt wurde. Sie führte in Westdeutschland zu 1095, in Ostdeutschland zu 1212 auswertbaren persönlichen Interviews. Die Repräsentativität dieser Stichprobe im Vergleich zu den Zahlen des statistischen Landesamtes Wiesbaden lässt sich dem Codebuch entnehmen (Diekmann & Gautschi, 1994). Differenzen zur amtlichen Statistik zeigen sich am deutlichsten in einer Unterrepräsentation von ledigen Personen (6 Prozentpunkte) und einer Überrepräsentation von Ein- und Zweipersonenhaushalten (bis zu 10 Prozentpunkten).

     

    Itemanalysen

    In einer vorab zur Itemselektion durchgeführten explorativen Faktorenanalyse (Hauptachsenanalyse, SPSS 9.0, siehe Tabelle 1) wurden drei Dimensionen identifiziert. Aufgrund der theoretischen Vorannahmen wurden in dieser die Faktoren orthogonal extrahiert (Varimax). Eine weitere Faktorenanalyse unter Verwendung einer obliquen Rotation (Oblimin) führt zwar auf die gleiche Faktorenstruktur (siehe Abbildung 1). Es zeigen sich aber teilweise deutliche Korrelationen zwischen den einzelnen Faktoren.

     

    Abbildung 1. Inter-Faktorkorrelationen und Faktorenladungen nach einer Faktorenanalyse mit obliquer Rotation

     

    Dies könnte darauf hinweisen, dass ein ausgeprägtes intrinsisches Naturverständnis und die Einsicht in die Gefährdung der Existenzgrundlagen tendenziell gemeinsam vertreten werden. Wingerter (1999) konnte auf der Basis der Faktorwerte der schiefwinklig bestimmten Faktoren jedoch nicht belegen, dass das Naturverständnis für das Umweltverhalten in West- und Ostdeutschland eine andere Bedeutung hat. Es bleibt somit theoretisch und empirisch genauer zu klären, z.B. durch interkulturelle Gruppenvergleiche oder solche über die Zeit, worauf dieser Zusammenhang zwischen den beiden Dimensionen zurückzuführen sein könnte.

     

    Itemkennwerte

    Die Trennschärfen der Items und Cronbachs Alpha "if item deleted" werden in Tabelle 2 berichtet. Bei der Bestimmung der Cronbachs Alpha für die drei Dimensionen des allgemeinen Umweltbewusstseins wurden jeweils die Variablen verwendet, die diesen aufgrund inhaltlicher Überlegungen und entsprechender Faktorladungen zuzuordnen sind. Da auf Item F12C und Item F12F gleichzeitig zwei Faktoren laden (siehe Abbildung 1), wurden ihre Reliabilitäten wiederholt in den verschiedenen Dimensionskontexten berechnet.


     

    Tabelle 2

    Trennschärfen der Items (T) und Cronbachs Alpha if item deleted (CA) für die drei Dimensionen des allgemeinen Umweltbewusstseins

    Item

     

    T

    CA

    F12A

    Recht, Natur umzugestalten

    .45

    .50

    F12B

    Pflanzen/Tiere nur zum Nutzen 

    .47

    .48

    F12E

    Wachstum, um Umwelt zu schützen

    .31

    .60

    F12H

    Technik kann Umweltprobleme lösen

    .35

    .57

    F12J

    viel Technik, wenig Gefühl

    .36

    .36

    F12K

    Technik schadet Umwelt

    .33

    .39

    F12C

    Tiere Rechte wie Menschen 

    .23

    .48

    F12F

    Wachstumsgrenzen überschritten

    .24

    .46

    F13A

    schlechte Umwelt: Kind/Enkel 

    .50

    .52

    F13B

    Umweltberichte machen wütend 

    .47

    .53

    F13D

    Gefahr Umweltkatastrophe

    .46

    .54

    F12C

    Tiere Rechte wie Menschen 

    .25

    .65

    F12F

    Wachstumsgrenzen überschritten

    .27

    .61

     

    Reliabilität

    Zur Bestimmung der Reliabilitäten (Cronbachs Alpha) der drei Dimensionen des allgemeinen Umweltbewusstseins wurden die Variablen verwendet, die diesen aufgrund inhaltlicher Überlegungen und entsprechender Faktorladungen zu zuordnen sind (siehe Tabelle 3). Da zwei Items gleichzeitig zwei Faktoren zugeordnet wurden, wird die Reliabilität dieser Faktoren jeweils mit und ohne diese Variablen angegeben.

     

    Tabelle 3

    Cronbachs Alpha (CA) für die drei Dimensionen des allgemeinen Umweltbewusstseins

    Faktor

    Items

    CA

    Intrinsisches Naturverständnis (INTRINS)

    F12J, F12K

    .46

     

    F12J, F12K, F12C, F12F

    .49

    Instrumentelles Naturverständnis (INSTR)

    F12A, F12B, F12E, F12H

    .61

    Natur als Existenzgrundlage (E)

    F13A, F13B, F13D

    .68

     

    F13A, F13B, F13D, F12C, F12F

    .63

    Anmerkung. Wenn zwei Items gleichzeitig zwei Faktoren zugeordnet wurden, wird die Reliabilität dieser Faktoren jeweils mit und ohne diese Variablen angegeben

     

    Validität

    Der durch die Faktoren erklärte Anteil der Gesamtvarianz der Items beträgt 32%. Wie erwartet, korrelieren die Items bedeutsam mit verschiedenen Indizes zur Erfassung des speziellen Umweltbewusstseins (siehe Tabelle 4). Eine Untersuchung auf unterschiedliche Faktorstrukturen in Ost- und Westdeutschland zeigte keine bedeutsamen Unterschiede auf (vgl. Wingerter, 1999).

     

    Tabelle 4

    Korrelationen der drei Dimensionen eines allgemeinen Umweltbewusstseins intrinsisches Naturverständnis (1), instrumentelles Naturverständnis (2) und Natur als Existenzgrundlage (3) mit Indizes für spezifisches Umweltbewusstsein

     

    1

    INTRINS

    2

    INSTR

    3

    E

    Spezifisches Umweltbewusstsein: Verkehr

    .18*

    -.03

    .28*

    Spezifisches Umweltbewusstsein: Mülltrennung

    .22*

    -.21*

    .46*

     

    Deskriptive Statistiken

    Die Mittelwerte und Streuungen, sowie Schiefe und Kurtosis der Antworten zu den einzelnen Items liegen in Tabelle 5 vor.

     

    Tabelle 5

    Mittelwerte (M) und Streuungen (SD), sowie Schiefe (Sch) und Kurtosis (Ku) der Antworten zu den einzelnen Items

     

    N

    M

    SD

    Sch

    Ku

    F12A

    Recht, Natur umzugestalten

    2306

    2.59

    1.16

    .183

    -.837

    F12B

    Pflanzen/Tiere nur zum Nutzen 

    2306

    2.64

    1.19

    .215

    -.829

    F12C

    Tiere Rechte wie Menschen 

    2304

    3.41

    1.13

    -.268

    -.711

    F12E

    Wachstum, um Umwelt zu schützen

    2304

    3.30

    1.12

    -.292

    -.592

    F12F

    Wachstumsgrenzen überschritten

    2298

    3.63

    .93

    -.310

    -.251

    F12H

    Technik kann Umweltprobleme lösen

    2302

    2.83

    1.07

    .079

    -.585

    F12J

    viel Technik, wenig Gefühl

    2306

    3.33

    1.00

    -.173

    -.414

    F12K

    Technik schadet Umwelt

    2306

    3.10

    1.00

    -.103

    -.350

    F13A

    schlechte Umwelt: Kind/Enkel 

    2301

    3.99

    .98

    -.865

    .287

    F13B

    Umweltberichte machen wütend 

    2302

    3.74

    1.00

    -.578

    -.078

    F13D

    Gefahr Umweltkatastrophe

    2296

    3.80

    1.00

    -.604

    -.198

    gültige N (listwise)

    2280

     

     

     

     

     

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