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Namensgeneratoren für egozentrierte soziale Netzwerke

  • Autor/in: Pfenning, U. & Schenk, M.
  • In ZIS seit: 1997
  • DOI: https://doi.org/10.6102/zis225
  • Zusammenfassung: Egozentrierte soziale Netzwerke erfassen interpersonale Beziehungen und deren Struktur innerhalb eines Netzes einer Zielperson („ego“). Die vorliegende Skala erfasst dieses Konstrukt indem die Befragt ... mehren Namen von Personen generieren, mit denen sie typische soziale Situationen (z.B. Besuch in einem Restaurant) erleben. weniger
    Abstract: Egocentric social networks capture interpersonal relationships and their structure within a network of a target person ("ego"). This scale captures this construct by allowing respondents to ... mehrgenerate names of individuals, with which they experience typical social situations (e.g. a visit to a restaurant). weniger
  • Sprache Dokumentation: deutsch
  • Sprache Items: deutsch
  • Anzahl der Items: 9
  • Reliabilität: keine Angaben
  • Validität: Hinweise auf Konstruktvalidität
  • Konstrukt: Beziehung, soziales Netzwerk
  • Schlagwörter: soziale Netzwerke, Namensgenerator | social networks, name generator
  • Item(s) in Bevölkerungsumfrage eingesetzt: nein
  • Entwicklungsstand: validiert
    • Instruktion

      Die Überleitung zur Erhebung der Netzpersonen erfolgte durch folgende Einleitung:

      Ich möchte Ihnen im Folgenden ein paar Fragen zu den Personen stellen, zu denen Sie näheren Kontakt haben. Würden Sie mir bitte der Einfachheit halber jeweils deren Vornamen und vielleicht den ersten Buchstaben des Nachnamens sagen?

      Fangen wir einmal mit der folgenden Situation an:

       

      Items

      Nr.

      Item

      1

      Stellen Sie sich bitte vor, Sie wollten für ein paar Tage verreisen und niemand aus Ihrem Haushalt wäre in Ihrer Wohnung. Manche Leute bitten bei solchen Gegebenheiten jemanden, sich um die Wohnung zu kümmern, z.B. die Blumen zu gießen, den Briefkasten zu leeren oder ganz einfach ab und zu mal nach dem Rechten zu sehen. Wie ist das bei Ihnen: Würden Sie in einem solchen Fall jemanden bitten, sich um Ihre Wohnung zu kümmern? ja /nein

      Wenn ja: Nennen Sie mir bitte die Vornamen derjenigen Personen, die Sie bitten würden, sich um Ihre Wohnung zu kümmern.

      2

      Manche Leute sprechen mit niemandem über Ihre Arbeit, weder an Ihrem Arbeitsplatz noch sonst wo. Andere besprechen Arbeitsangelegenheiten, wie z.B. Entscheidungen, die sie treffen müssen, wie z.B. Probleme, die anstehen oder wie z.B. Verbesserungen am Arbeitsplatz.

      Wie ist das bei Ihnen? Gibt es jemanden, mit dem Sie über Arbeitsangelegenheiten sprechen? ja/nein

      Wenn ja: Nennen Sie mir bitte wieder die Vornamen derjenigen Personen, mit denen Sie über Arbeitsangelegenheiten sprechen.

      3

      Haben irgendwelche Leute, Freunde oder Verwandte, egal ob sie hier oder etwas weiter weg wohnen, Ihnen in den letzten Monaten bei irgendwelchen Arbeiten in Ihrer Wohnung bzw. Ihrem Haus geholfen, so z.B. beim Anstreichen, beim Umstellen von Möbeln, beim Kochen oder Saubermachen, oder bei Reparaturen in Ihrem Haushalt? ja/nein

      Wenn ja: Nennen Sie mir bitte die Vornamen der Personen, die Ihnen bei irgendwelchen Arbeiten in Ihrer Wohnung bzw. Ihrem Haus geholfen haben?

      4

      Bitte lesen Sie diese Liste mit Aktivitäten durch und sagen Sie mir, welche dieser Aktivitäten Sie in den letzten drei Monaten unternommen haben:

      -       Sie hatten jemanden zu sich nach Hause zum Essen eingeladen.

      -       Sie waren bei jemanden zum Essen eingeladen.

      -       Jemand hat Sie zu Hause besucht.

      -       Sie haben jemanden in seiner Wohnung besucht.

      -       Sie sind mit jemanden ausgegangen (z.B. in ein Restaurant, eine Bar, ins Kino, einen Park usw.).

      -       Sie haben sich mit jemanden außerhalb Ihrer Wohnung getroffen (z.B. in einem Restaurant, einer Bar, einem Park, einem Verein usw.).

      Sagen Sie mir bitte die Vornamen der Personen, egal ob sie hier oder woanders wohnen, mit denen Sie in den letzten drei Monaten solche Aktivitäten unternommen haben.

      5

      Treffen Sie sich manchmal mit Leuten, um über gemeinsame Hobbys oder Freizeitaktivitäten zu sprechen? ja/nein

      Wenn ja: Nennen Sie mir bitte die Vornamen derjenigen Personen, mit denen Sie dies gelegentlich tun.

      6

      Wie häufig sprechen Sie mit Personen über ganz persönliche Dinge, wie z.B. wenn Sie sich Sorgen machen über jemanden, der Ihnen nahesteht, oder wenn Sie z.B. Kummer haben? Führen Sie solche Gespräche häufig, gelegentlich, selten oder nie?

      Wenn häufig/gelegentlich/selten: Bitte nennen Sie mir die Vornamen von denjenigen Personen, mit denen Sie persönliche Dinge besprechen.

      7

      Oft kennt man Personen, auf deren Urteil man vertraut und deren Meinung bei eigenen wichtigen Entscheidungen hohes Gewicht hat. Wie ist das bei Ihnen: Gibt es jemanden, dessen Meinung bei Ihren eigenen Entscheidungen hohes Gewicht hat? ja/nein

      Wenn ja: Bitte nennen Sie mir die Vornamen von denjenigen Personen, deren Meinungen für Sie wichtig sind.

      8

      Sie benötigen eine große Geldsumme. Was würden Sie in diesem Fall tun?

      Leihen Sie sich diese Geldsumme von

      -       jemandem, den Sie kennen, (Filter auf Netznennungen)

      -       von einer Bank oder Sparkasse,

      -       von einem Geldverleih,

      -       oder tun Sie etwas anderes?

      Und in einer Notlage. Gibt es jemanden, den Sie dann bitten könnten, Ihnen einen Teil oder das ganze Geld zu leihen? ja/nein

      Wenn ja: Nennen Sie mir doch bitte wieder die Vornamen jener Personen, an die Sie sich wenden würden.

      9

      Auswahlfrage zur Bestimmung der wichtigsten Netzpersonen: Wenn Sie einmal an alle Personen denken, die Sie mir auf die einzelnen Fragen bisher genannt haben: Welche fünf von allen eben genannten Personen sind für Sie persönlich die wichtigsten?

       

      Für alle genannten Netzpersonen auf den acht Stimulusvorgaben wurden Angaben zum Geschlecht, dem Alter, der Bildung und zum sozialen Kontext zu Ego erhoben. Zu den Netzpersonen, die als wichtigste Personen benannt worden waren, wurden zudem relationale und einstellungsbezogene Variablen im weiteren Teil der Befragung erhoben.

       

      Anwendungsbereich

      Die Abfrage des Instruments erfordert 15-20 Minuten. Sie sollte ausschließlich in persönlich-mündlichen Interviews erfolgen, da eine Kategorisierung der Netzpersonen erforderlich ist. Experimente zur Erhebung egozentrierter sozialer Netzwerke in telefonischen und postalischen Interviews finden sich nur vereinzelt (vgl. Rippl: Intergruppenkontakte zwischen Ost- und Westdeutschen in diesem Handbuch). Daten über die Güte dieser Instrumente sind unzureichend.

       

      Auswertungshinweise

      Die Untersuchungseinheit können wechselnd Dyaden oder das partiell abgebildete Netzwerk aus allen Beziehungen und Netzwerkparametern für ein Individuum sein. Dies bedingt, dass die Netzkenngrößen relational den jeweiligen Dyaden und Respondenten zugeordnet werden. Deshalb sind Datenbanksysteme für Netzwerkdaten besonders geeignet: Zwar können mit statistischen Standardprogrammen wie SPSS oder SAS das Netzwerk auf der Ebene der egozentrierten Netze oder einzelne Indizes der Ego-Alter-Dyaden ohne größere Probleme analysiert werden. Weitere relevante netzwerkspezifische Parameter sind mit diesen Programmen aber nicht mehr berechenbar oder die damit verbundenen Änderungen der Datenmatrix erfordern sehr detaillierte Kenntnisse dieser Programme.

      Ein spezifisches Programm zur Analyse von egozentrierten Netzwerken ist derzeit zwar nicht verfügbar. Die im folgenden aufgelisteten Programme wurden vielmehr vorrangig für die Analyse von Gesamtnetzwerken programmiert. Einige ihrer Prozeduren können aber auch für vollständig erhobene egozentrierte Netzwerke verwendet werden:

      -       SONIS (Social Network Investigation System): Bei diesem  Programm handelt es sich um ein relationales Datenbanksystem mit einer eigenen Methodendatenbank zur Berechnung von Netzwerkparametern. Es läuft unter Windows und Unix. Vertrieben wird es, einschließlich eines umfangreichen Handbuchs, über das Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES), L7-1, D - 68131 Mannheim (Kontaktperson: Dr. Christian Melbeck).

      -       UCINET, Version 5: Dieses Programm von Borgatti, Everett und Freeman dient vorrangig der Analyse von Gesamtnetzwerken mittels umfangreicher Prozeduren für Matrixoperationen und zur Berechnung von Schätzverfahren. Es hat eine Menüsteuerung und graphische Aufbereitungsmöglichkeiten. Lauffähig ist es unter den Windows-Plattformen ab der Version Win95. Bezugsadresse: ProGamma Softwarevertrieb, P.O. Box 841, NL - 9700 Av Groningen.

      -       STRUCTURE: Das Programm STRUCTURE von Ronald S. Burt wurde speziell zur Analyse von strukturellen Äquivalenzen in sozialen Netzwerken entwickelt und verfügt ebenfalls über eine umfangreiche Methodendatenbank zur Analyse von Netzwerkdaten, vorrangig zu Gesamtnetzwerken. Bezugsadresse: ProGamma Softwarevertrieb, P.O. Box 841, NL - 9700 Av Groningen.

      -       GRADAP 2: Gradap hebt sich vor allem durch sein Interface zu den für Netzwerkfiles besonders geeigneten Datenbanken wie Oracle, Ingres oder Dbase hervor. Die Möglichkeiten netzwerkspezifischer Analysen sind ebenfalls sehr umfangreich.

      -       Bezugsadresse: ProGamma Softwarevertrieb, P.O. Box 841, NL - 9700 Av Groningen.

       

    Egozentrierte soziale Netzwerke erfassen interpersonale Beziehungen und deren Struktur. Sie sind ein wichtiges analytisches Konstrukt zur Untersuchung sozialer Umwelten von Individuen und theoretisch bedeutsam für die soziale Integration von Individuen und deren soziale Ressourcen in gesellschaftlichen Systemen.

    Das Konstrukt fußt auf frühen soziologischen Theoriebildungen, wie z.B. dem Begriff der "sozialen Verkehrskreise" bei Simmel (1922), der Beziehungslehre nach von Wiese (1921, 1976), dem Begriff "sozialer Beziehungen" bei Weber (1921), der "Soziometrie" nach Moreno (1967) oder dem Begriff "sozialer Moleküle" bei Katz und Lazarsfeld (1955). Die Anforderungen an die statistischen Analysen führten jedoch dazu, dass es gegenüber individualorientierten Ansätzen lange Zeit in der empirischen Forschung unterrepräsentiert war. Dies hat sich seit Beginn der 80er Jahre aufgrund der Entwicklung spezieller Computerprogramme für relationale Datenanalysen geändert, nachdem bereits in den 70er Jahren die theoretische Relevanz des Konstrukts verstärkt diskutiert worden war (Barnes, 1972; Granovetter, 1973; Fischer 1982).

    Anders als soziale Gesamtnetzwerke, die für eine Betrachtung von Kleingruppen und sozialen Positionierungsanalysen geeignet sind, dienen egozentrierte Netzwerke der Erhebung sozialer Umwelten von Individuen in Bevölkerungsumfragen. Ausgehend von einer Zielperson "Ego" werden dessen Beziehungen zu Kontaktpersonen (Alter) erfasst.

    Analyseeinheit egozentrierter sozialer Netzwerke sind die sozialen Beziehungen innerhalb des Netzes. Nur wenn alle konstituierenden Merkmale für egozentrierte Netzwerke erhoben und berechnet werden, kann von einer echten Netzwerkerhebung gesprochen werden.

    Die Untersuchungseinheit kann wechselnd Dyaden oder das partiell abgebildete Netzwerk aus allen Beziehungen und Netzwerkparametern für ein Individuum sein. Dies bedingt, dass die Netzkenngrößen relational den jeweiligen Dyaden und Respondenten zugeordnet werden. Deshalb sind Datenbanksysteme für Netzwerkdaten besonders geeignet.

    Eine zentrale theoretische Frage für die Erhebung sozialer Netzwerke ist die Auswahl der Personen aus allen Kontakten des Individuums. In der Sozialwissenschaft werden kontextorientierte und stimulusorientierte Erebungsinstrumente unterschieden. Beide Instrumente verlangen eine anonyme oder namensbezogene Nennung von Kontaktpersonen, für die Burt den Begriff "Namensgenerator" (name-generator) prägte.

    Theoretisch bedeutsam ist für beide Verfahren die Auswahl typischer Interaktionen HotwordStyle=BookDefault; . Die Bestimmung oder Auswahl der wichtigsten Personen aus allen genannten Personen verbleibt als letzte theoretische Frage. Hierzu kann forscherskaliert oder befragtenskaliertHotwordStyle=BookDefault;  (Wegener, 1986) vorgegangen werden. Forscherskaliert werden die wichtigsten Personen durch Betrachtung der Nennungsränge festgestellt, sowie des Multiplexitätsindex und durch Nennungen auf den entsprechend theoretisch zugeordneten bzw. dimensionierten Stimulus zu den Konstrukten Vertrautheit und funktionaler Austausch. Befragtenskalierte Verfahren überlassen die Auswahl der wichtigsten Personen den Befragten durch Einfügen einer entsprechenden Auswahlfrage.

     

    Theoretische Bezüge der Netzwerkperspektive finden sich für viele, auch widerstreitende Theorievarianten der Soziologie, da sie typische Konstrukte der Mesoebene repräsentieren. Individuelles Handeln wird vermittelt zwischen individuellen Prädispositionen und strukturellen Bedingungen des lokal platzierten Handlungssystems (z.B. Nachbarschaft, Unternehmen, Fußballteam usw.). So ist die Netzwerkperspektive sinnvoll für spieltheoretische Analysen nach dem Rational-Choice-Ansatz, für die Figurationssoziologie nach Norbert Elias (1995) oder die voluntaristische Handlungstheorie nach Parsons zur Erfassung der sozialen Rollen und der Sozialisation des Individuums. Hieraus können die folgenden theoretischen Hypothesen abgeleitet werden:

    -       Soziale Netzwerke dienen zur Präzisierung der Metapher der  "sozialen Umwelt".

    -       Soziale Netzwerke erfassen die interpersonale Umwelt von Individuen. Sie sind geeignet für Bevölkerungsumfragen und erlauben dadurch Vergleiche zur sozialen Integration von   Individuen in Abhängigkeit von der Struktur der sozialen Umwelt.

    -       Soziale Netzwerke sind komplexe Gefüge von Beziehungen zwischen mindestens drei Akteuren. Sie bilden ein System sozialer Beziehungen ab, unter Einbeziehung der Kennwerte der Mikro- und Makrostruktur des sozialen Netzwerks und dessen Einfluss auf das individuelle Verhalten.

    -       Im Gegensatz zum klassischen Begriff der Gruppe erfassen soziale Netzwerke auch interpersonale Interaktionen mit  affektivem oder funktionalem Charakter.

     

     

    Itemkonstruktion und Itemselektion

    Für die Itemkonstruktion werden die folgenden operationalen Konstrukte verwendet:

    -       Zur Auswahl typischer Interaktionen für das aus affektiven Beziehungen gebildete Kernnetz werden Items zum Konstrukt  "Vertrauen" benutzt (z.B. Kommunikation über persönlich sehr wichtige Dinge bzw. Themen)

    -       Zur Auswahl funktionaler Interaktionen werden Items zu den Konstrukten austausch-orientierter Hilfeleistungen verwendet (z.B. Nachbarschaftshilfe).

    -       Zur Auswahl von Mischinteraktionen werden Items zum Konstrukt "Geselligkeit" angewandt (z.B. Ausgehen, Besuche zu Hause, gemeinsamer Besuch kultureller Veranstaltungen und sportliche Aktivitäten)

    -       Die Items sollen eine Interaktionshierarchie abbilden.

    -       Es müssen Mehrfachnennungen der Netzpersonen möglich sein, d.h. jede Netzperson kann auf den folgenden Stimulusvorgaben wieder genannt werden (Multiplexitätsindex).

    -       Die Anordnung der Nennungen auf den Stimulusvorgaben kann als  Rangreihe der Wichtigkeit von Personen definiert werden.

    -       Es müssen neben Informationen über die Ego-Alter-Dyaden auch zwingend Angaben über die Beziehungen zwischen den Alter-Alter-Dyaden vorliegen, um die Mikro- und Makroparameter des Netzwerkes bestimmen zu können.

    -       Es muss die Möglichkeit bestehen, eine Vielzahl von Netzpersonen angeben zu können, um die Netzwerkgröße als zentrale Berechnungsgröße für Netzparameter annähernd als reale Größe erfassen zu können.

     

    Instrumententwicklung:

    -       Das im Anhang des Buches "To dwell among friends" dokumentierte Erhebungsinstrument  von Fischer (1982) genügt bis heute den theoretischen und methodischen Anforderungen an das Netzwerkkonzept am besten.

    -       Fischer erhebt für acht Stimulusvorgaben die Nennungen möglicher Netzpersonen. Pro Stimulusvorgabe können bis zu neun Netzpersonen benannt werden. Wiederholungsnennungen sind möglich. Weitere Netzpersonen können von den Befragten zusätzlich genannt werden.

    -       Ausgehend von der "North-California Community Study" (NCCS) Fischers wurde das Erhebungsverfahren bei ZUMA 1987 im Rahmen einer Methodenstudie weiterentwickelt (vgl. ZUMA-Nachrichten Nr. 20, 1987) und an einer lokalen Stichprobe aus der Mannheimer Bevölkerung erprobt. Die methodische Innovation bestand in:

    -       einer Kreuzvalidierung von drei Namensgeneratoren (Fischer-Instrument, verkürztes Burt-Instrument und einem Globalgenerator;  vgl. ZUMA-Nachrichten Nr. 20, 1987),

    -       einem Paralleltest der Instrumente bei zwei Panelmesszeitpunkten,

    -       einer Test-Retest-Messung zur Zuverlässigkeit der Netzerhebungen,

    -       einem Vergleich der wichtigsten Personen des Netzwerkes zwischen befragtenskalierter und forscherskalierter Operationalisierung.

    -       Der Zeitaufwand für die Abfrage des Instruments ist mit 15-20 Minuten zu veranschlagen. Eine Verwendung ausschließlich in persönlich-mündlichen Interviews ist empfehlenswert, da eine Kategorisierung der Netzpersonen erforderlich ist. Experimente zur Erhebung egozentrierter sozialer Netzwerke in telefonischen und postalischen Interviews finden sich nur vereinzelt. Daten über die Güte dieser Instrumente sind unzureichend.

    -       Die folgenden Angaben beziehen sich auf diese ZUMA-Panelstudie

     

    Stichproben

    Es wurde eine lokale Zufallsauswahl von Personen der Mannheimer Wohnbevölkerung gezogen, geschichtet nach ausgewählten Wohnquartieren. Auswahlkriterien waren die deutsche Staatsangehörigkeit und Volljährigkeit. Die Erhebung erfolgte in zwei Wellen im September und Oktober 1987 mit einem vierwöchigen Abstand zwischen den beiden Befragungen. In der ersten Welle wurden 720 Interviews realisiert, jeweils 240 Fälle für jeden der drei Namensgeneratoren. In der zweiten Welle wurden 450 Interviews realisiert. Angaben über die wichtigsten soziodemographischen Merkmale der Stichprobe (Tabelle 1) liegen vor.

      

    Tabelle 1

    Alter, Geschlecht und Bildung (%) der befragten Mannheimer Stichprobe

    Indikatoren:        

     %

    Altersklassen       

     

    18-24 Jahre         

     9

    25-34 Jahre         

    17

    35-44 Jahre         

    13

    45-54 Jahre         

    24

    55-64 Jahre         

    14

    65 und älter        

    23

    Geschlecht          

     

    weiblich            

    59

    männlich            

    41

    Schulbildung        

     

    bis Volksschulabschluss        

    68

    Mittlere Reife/ Realschule

    14

    Abitur/ Fachhochschule

    18

     

    Itemanalysen

    Eine klassische Faktorenanalyse genügt nicht den methodischen Kriterien zur Messung mehrdimensionaler Indikatoren, u.a. wegen des Postulats der Trennschärfe der Faktoren. Um die Kommunalitätswerte und Faktorzuordnungen zu ermitteln, wurde deshalb eine Hauptkomponentenanalyse (PCA) ohne Rotation als lineare Datentransformation durchgeführt.

    Die KommunalitätswerteHotwordStyle=BookDefault;  (Tabelle 2) variieren zwischen .436 und .746.

     

    Tabelle 2

    Kommunalitätswerte für die Interaktionsstimuli im Fischer-Namensgenerator

    Interaktionsstimulus

    Faktor

    Kommunalität

    Gesellige Unternehmungen   

    Geselligkeit

    .746

    Versorgung der Wohnung während Abwesenheit  

    Funktional

    .624

    Besprechen persönl. Dinge  

    Vertrauen

    .626

    Gespräche über Hobbys      

    Geselligkeit

    .744

    Gespräche über Arbeitsthemen

    Funktional

    .436

    Wichtige Ratgeber           

    Vertrauen

    .617

    Größere Geldsumme privat ausleihen

    Vertrauen

    .602

    Praktische Hilfe im Haushalt

    Funktional

    .744

     

    Die faktorengebundene Varianz (drei Faktoren) der Items beträgt 64%. Die Faktorladungen und –zuordnungen (Tabelle 3) entsprechen weitgehend der theoretischen Konzeptualisierung der drei Konstrukte Vertrauen, Geselligkeit und funktionaler Austausch.

     

    Tabelle 3

    Faktorladungen für die Interaktionsstimuli im Fischer-Namensgenerator

     

    Faktor

     

    Vertrauen

    Geselligkeit

    Hilfe

    Versorgung der Wohnung während Abwesenheit

    -.064

    +.378

    +.684

    Gespräche über Arbeitsthemen  

    +.633

    -.067

    -.002

    Praktische Hilfe im Haushalt  

    +.364

    +.110

    +.641

    Gesellige Unternehmungen      

    +.135

    -.712

    -.105

    Gespräche über Hobbys         

    +.398

    -.478

    +.350

    Besprechen persönlicher Dinge 

    +.687

    +.151

    -.180

    Wichtige Ratgeber             

    +.640

    +.224

    -.245

    Größere Geldsummen privat ausleihen

    +.112

    +.564

    -.273

     

    Die These einer Interaktionshierarchie lässt sich weitgehend bestätigen. Der aus der Anzahl von Mehrfachnennungen einer genannten Netzperson auf den Items der Interaktionsdimensionen Vertrauen, Geselligkeit und funktionaler Austausch generierte Multiplexitätsindex korreliert .56 mit den Items der oberen Hierarchiestufe zur Dimension Vertrautheit deutlich am höchsten. Im Faktorenmodell wird die Variable des Multiplexitätsindex mit hoher Ladung (.82) dem Faktor Vertrauen zugeordnet.

     

    Itemkennwerte

    Die für die Nennung von funktionalen Kontakten zu Nachbarn (Nachbarschaftshilfe) und Arbeitskollegen aufgenommenen Items binden ca. 75% bis 85% der Nennungen aus diesen beiden sozialen Kontexten. Die Variation sozialer Kontexte wird hinreichend erreicht.

    Die Faktorzuordnungen und Faktorladungen (Tabelle 3)HotwordStyle=BookDefault;  für die Items "Gespräche über Arbeitsthemen", "Gespräche über Hobbys" und "Größere Geldsummen privat ausleihen" entsprechen nicht den theoretisch postulierten Erwartungen.

     

     

    Methodische Probleme bzw. Vorbehalte

    Ein relevanter Aspekt der Erhebung sozialer Netzwerke ist die Validität und Reliabilität von Ego-Angaben über seine Alteri (Proxy-Angaben). In wenigen methodischen Grundlagenforschungsprojekten wurde die Güte solcher Angaben durch Follow-Up-Interviews überprüft (u.a, Katz & Lazarsfeld, 1955; Pappi, 1987). Im objektiven Vergleich ergeben sich berechtigte Zweifel an den Angaben über Dritte. Zur Relativierung dieser methodischen Kritik wird auf das sogenannte Thomas-Theorem verwiesen. Nach diesem führen auch objektiv falsche Annahmen bei subjektiv reliabler Perzeption zu realen Handlungskonsequenzen. Außerdem ist die methodische Güte von Proxy-Angaben nicht wesentlich schlechter als die von Eigenangaben über Ego und die methodische Güte beider Angaben ist linear. Die Güte von Angaben über Dritte kann also aus der Güte der Eigenangaben erschlossen werden (Schenk, Mohler, Pfenning & Ell, 1992).

    Des Weiteren ist folgendes zu beachten: Die Auswertungsverfahren der klassischen Testtheorie werden dem multidimensionalen Indikatorenkonzept von egozentrierten Netzwerken nicht gerecht. Die acht Stimulusvorgaben erhöhen die statistische Wahrscheinlichkeit abweichender Nennungen. Die Reliabilität lässt sich nicht nur auf die Gesamtskala beziehen, sondern muss auch Aussagen über die einzelnen Dimensionen des Netzwerkkonzeptes ermöglichen (z.B. über relationale Merkmale, über Netzstrukturparameter, über die Interaktionsdimensionen). Ferner handelt es sich um die Erfassung eines latenten Konzepts, dessen Güte nicht direkt bestimmt werden kann. Es ist jedoch zu prüfen, inwieweit die manifesten Variablen der Interaktionsstimuli der Messung dieses vermuteten latenten Konstruktes sozialer Netzwerke genügen.

     

    Reliabilität

    Die Konstruktion egozentrierter sozialer Netzwerke als multiple, dreidimensionale und hierarchische Indikatoren mit den Dimensionen funktionaler, affektiver und emotionaler Beziehungen bedingt die Aufhebung von Trennschärfekriterien für die Bestimmung der methodischen Güte der einzelnen Items. Ein klassisches Verfahren hierfür wurde von Heise und Bohrnstedt (1970) entwickelt. Es basiert auf der Analyse von Kovarianzen und Faktorprodukten unter Berücksichtigung der Relativität der Validitätskennwerte durch das Ausmaß der empirischen Reliabilität. Die acht Interaktionsstimuli haben einen multiplen Reliabilitätskoeffizienten von .66. Die höchsten Reliabilitätskennwerte für relationale Merkmale weisen die Variablen "soziale Kontexte" (.93) und der Multiplexitätsindex (.64) auf. Für die Interaktionsstimuli finden sich die höchsten Reliabilitätskoeffizienten bei den funktionalen-punktuellen Interaktionen (Versorgen der Wohnung .66; Gespräche über Hobbys .62; Gespräche über Arbeitsthemen .57 und Personen, von denen privat Geld geliehen würde .61). Die Reliabilitätskoeffizienten für die anderen Interaktionsstimuli betragen .43 bis .48. Als Netzstrukturparameter wird die Netzgröße als zentrale Variable mit .82 ausreichend reliabel erfasst. Insgesamt findet jedoch eine hohe Netzfluktuation statt. Sie ist aber auch in anderen Untersuchungen zu beobachten: In 75% aller egozentrierter Netzwerke werden in der zweiten Welle neue Netzpersonen aufgeführt.

     

    Validität

    Die empirische Validität nach Heise und Bohrnstedt beträgt für den Faktor Vertrauen = .80, den Faktor Geselligkeit = .46 und den Faktor funktionaler Austausch = .48. Die daraus berechenbare Invalidität beträgt 1.3% für den Faktor Vertrauen, 45% für den Faktor Geselligkeit und 42% für den Faktor funktionaler Austausch. Die hohen Invaliditäten weisen auf methodische Defizite der Erhebung hin. Die Entsprechung von manifesten Variablen zum latenten Konstrukt "egozentriertes Netzwerk" wurde durch ein Strukturgleichungsmodell  getestet. Dieses Modell (Abbildung 1) veranschaulicht mittels Pfadkoeffizienten deutlich die Zusammenhänge zwischen den manifesten Variablen und den latenten theoretischen Konstrukten.

    Abbildung 1. Strukturgleichungsmodell.

    Die Kennwerte des nicht korrigierten Strukturgleichungsmodells sind statistisch ausreichend. Das Modell belegt die Entsprechung von gemessenen Variablen, Interaktionsdimensionen und dem latenten Konstrukt eines egozentrierten Netzwerkes.

     

    Deskriptive Statistiken

    Der Fischer-Namensgenerator führt zu durchschnittlich 7.8 Netznennungen. Die Angaben variieren zwischen minimal fünf und maximal 26 Personen. Die Verteilung der Häufigkeiten für die Interaktionsstimuli im Fischer-Namensgenerator (Tabelle 4) wird dominiert von der hohen Anzahl von Interaktionen, die auf dem Sammelstimulus "Geselligkeit" entfallen.

     

    Tabelle 4

    Relative Häufigkeiten für die Interaktionsstimuli im  Fischer-Namensgenerator

     

     Interaktionsstimulus:     

    Dyaden in %

    Gesellige Unternehmungen   

    52.6

    Versorgung der Wohnung während Abwesenheit

    26.2

    Besprechen persönl. Dinge   

    25.2

    Gespräche über Hobbys       

    23.1

    Gespräche über Arbeitsthemen

    18.8

    Wichtige Ratgeber           

    17.0

    Größere Geldsumme privat ausleihen

    12.6

    Praktische Hilfe im Haushalt

    7.7

    Dieser Stimulus erbringt auch die höchste Anzahl von Primärnennungen, d.h. erstmalige Nennung von Netzpersonen nach dem ersten Interaktionsstimulus. Für alle anderen Interaktionen finden sich Anteile zwischen 5-15% Primärnennungen.

    Durchschnittlich werden 1.8 Netzpersonen zu den Interaktionsstimuli angegeben. 56% der Relationen zwischen Ego und seinen Alteri sind uniplex, 39% haben eine mittlere Multiplexität (2-4 Nennungen) und 5% der Ego-Alter-Dyaden weisen mehr als fünf Nennungen auf. Die uniplexen Beziehungen entfallen überwiegend auf die funktionalen (42%) und affektiven Interaktionsstimuli (38%).

    Die sozialen Kontexte variieren wie folgt: 37% der Dyaden entstammen familiären Kontexten, 29% dem nahen Freundeskreis und insgesamt 32% sind Bekannte (17%), Nachbarn (8%) oder Arbeitskollegen (7%). Die drei letzten Kontexte lassen sich eher punktuellen oder schwachen Beziehungen zuordnen, ebenso ein weiterer Anteil von ca. 8%, die als entfernte Verwandte eingestuft werden.


     

     

    •        Dr. Uwe Pfenning, Universität Stuttgart, Institut für Sozialforschung, Abteilung für Soziologie. Keplerstr. 17 /KII, 70174 Stuttgart, E-Mail: uwe.pfenning@sowi.uni-stuttgart.de, Tel.: 0711 - 121 3580
    •        Prof. Dr. Michael Schenk, Universität Hohenheim, Institut für Sozialforschung und Kommunikationswissenschaft. Fruwith-Str. 49, 70599 Stuttgart, E-Mail: schenk@uni-hohenheim.de, Tel.: 0711- 459 2817